Die Weihnachtsgeschichte Kindern erzählt

Buchvorstellung - 13.12.2014


Felix Tolles/ Steffen Schneider
Die Weihnachtsgeschichte
(Bilderbuch)


Lahr: Kaufmann Verlag 2013
32 Seiten, 12.95 €
ISBN 978-3-7806-2898-5
 

Das Weihnachtsbilderbuch von Felix Tolles für Kinder im Vorschulalter und Erstleser beinhaltet die Weihnachtsgeschichte, orientiert an den Evangelien nach Lukas und Matthäus. Der erzählerische Bogen wird von der Verkündigung bis zur Huldigung durch die Könige geschlagen. Die kindgerecht formulierten Texte und die detailreichen Illustrationen von Steffen Schneider sprechen Kinder an, sie haben Freude an diesem Buch.

Theologisch fällt eine Textpassage auf, die der Verkündigungsszene des Lukasevangeliums folgt. Sie soll hier wiedergegeben werden: „Maria war sehr glücklich. Sie lief zu Josef und erzählte ihm von der Begegnung mit dem Engel. Josef glaubte, was der Engel Gabriel gesagt hatte. Er nahm Maria in den Arm und sprach: ‚Auch ich habe Besuch von einem Engel bekommen, im Traum. Er hat mir erzählt, dass wir bald einen Sohn bekommen werden, Jesus. Ich freue mich so sehr, Maria. Wir werden eine Familie sein. Gott hat uns reich beschenkt“. Lukas schreibt davon nicht. Im Matthäusevangelium hingegen ist dies zu lesen: „Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete - durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, / einen Sohn wird sie gebären, / und man wird ihm den Namen Immanuel geben, / das heißt übersetzt: Gott ist mit uns. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus“ (Mt 1,18-25).

Die Passage aus dem Matthäusevangelium ist hier umfänglich zitiert, um zu verdeutlichen, dass die religiösen Inhalte von Kinderbüchern in jedem Fall so formuliert werden müssen, dass sie nicht der Revision bedürfen, sobald die wenig älter gewordenen Kinder den Text der Bibel (und sei es in einer Kinderbibel) selber lesen und verstehen können. Das Unerhörte dieser göttlichen Ankündigung, die Fragen und das Handeln des Josef hätten auch in einem Kinderbuch angemessen ausgesprochen werden können. Mit dieser idyllischen Familiendarstellung im Hinterkopf können die Aussagen der Glaubensbekenntnisse über Jesus Christus „empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria“ bzw. vom Sohn Gottes, der „Fleisch geworden ist durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria“ später nicht eingeordnet werden.

Barbara Wieland