Adventliche Besinnungen

Buchvorstellung - 04.11.2011

Inge Müller
Im Advent die Stille spüren

Lahr: Kaufmann Verlag 2011
120 Seiten
ISBN 978-3-7806-3117-6

Inge Müller hat ein Buch zusammengestellt, das dazu führen soll, die Zeit bis Weihnachten bewusster zu begehen. „Das Staunen wieder finden“ (S. 4-15), so lautet der erste von sechs Abschnitten. In Form von kurzen Gedanken, Geschichten und Gedichten hilft die Autorin eine wirklich adventliche Haltung zu scheiden von adventlichem Rummel. Was heißt es, wirklich Mensch zu werden? Und was heißt es, dass Gott Mensch wird?

Advent. Bald ist es Zeit …“, die Zeit bis zur Ankunft so zu gestalten, dass die Spannung bis zum Weihnachtsfest erhalten bleibt – eben nicht zur vierwöchigen Vorweihnachtszeit wird – dazu laden die Texte des zweiten Kapitels ein. Was heißt es zu warten, Leere auszuhalten, versucht zu werden und durchzustehen? Dann zeigt sich in der Kargheit der Stern hell erkennbar am Himmel. „Aufbruch. Berührt vom Finger eines Engels“ (S. 38-49) ermutigt dazu dem Anruf Gottes im eigenen Leben zu trauen. Auf welche Weisen kann uns das Wort erreichen – am Tag und im Traum? Wer sind unsere Boten? Der Abschnitt „Weihnachten. So nahe ist Gott“ (S. 50-80) führt hinein in die biblischen Texte und setzt die dort gewonnen Grunderfahrungen in Situationen unserer Zeit um. Zum Ort der Begegnung werden ein Zugabteil in Deutschland, eine Marienkirche in Guatemala. Was bedeutet es wirklich, wenn Gott Mensch ist in unserer Alltäglichkeit?

Zum Verinnerlichen der Botschaft braucht es helfende Mittler und Bräuche: „Rituale. Von Seeigeln und Schwimmkerzen“ (S. 81-95). Welche Rituale sind uns bleibend wichtig, gar unaufgebbar? Wie können sie heute stimmig gelebt werden? Was ist das unverzichtbare am Weihnachtsfest? In Erzählungen von völlig unterschiedlich verlaufenen Heiligen Abenden wird spürbar, wie und wo sich Menschwerdung ereignet. Mit der Geburt Jesu Christi wird seine erste Ankunft auf Erden gefeiert. Aber – das ist ja nur der Anfang von Gottes irdischem Leben, in dem er unablässig von der ersten und zweiten Wiederkehr und vom ewigen Leben kündet. „Maranatha: Der zweite Advent“ (S. 96-119) fragt nach dem Wunsch „Unser Herr, komm!“, verbunden mit tiefer Hoffnung wider alle Hoffnungslosigkeit in einer Haltung der Erwartung. Wird der Stern wiederkommen? Werden die Menschen ihn erkennen?

Die von Inge Müller verfassten Texte sind in einer Sprache gehalten, die anspricht und in den Gedankenfluss hineinführt. Sie sind zunächst zur persönlichen Vorbereitung auf das Weihnachtsfest gedacht. In ihrer Kürze können sie Platz in jedem Alltag finden. Einige Erzählungen eignen sich durchaus auch als Impuls im Religionsunterricht oder in der Vorbereitung von adventlichen Gottesdiensten mit Schülerinnen und Schülern. Dadurch, das die Gedanken oft quer zu dem liegen, wie „man“ die Zeit vor Weihnachten gestaltet, rütteln sie auf und helfen dabei, die Richtung zu finden.

Barbara Wieland