Kleine Christliche Gemeinschaften

Buchvorstellung - 29.10.2011

Christian Hennecke/ Mechthild Samson-Ohlendorf (Hg.)
Die Rückkehr der Verantwortung
Kleine Christliche Gemeinschaften als Kirche in der Nähe

Würzburg: Echter Verlag. 2011
156 Seiten 12,80 €
ISBN 978-3-429-03381-1

Der Hildesheimer Regens und Fokolarpriester Christian Hennecke gehört zu den Propagandisten der Kleinen Christlichen Gemeinschaften (KCG) in Deutschland. Er legt mit seiner Mitarbeiterin Mechthild Samson-Ohlendorf die Ergebnisse des zweiten Symposiums über die KCG vor. Die Hauptfrage ist nach wie vor die Möglichkeit der Umsetzung ekklesiologischer Erfahrungen aus Afrika und Asien auf die europäische und deutsche Situation.
 

Eine Piste eröffnet dabei der Wittener Psychiater Klaus Dörner. Er beobachtet eine neue Wertschätzung der Nachbarschaft und sieht darin eine bislang verpasste Chance der Kirchengemeinden. Hans-Jürgen Marcus doppelte nach, indem er caritative Einrichtungen als Lebens- und Lernorte der Kirche mit unterschiedlichen pastoralen und diakonischen Schwerpunkten in großräumigen Pfarreiengemeinschaften stark machte. Damit die KCG nicht nur eine verdeckte Ausgabe einer neuen Gemeindetheologie seien, müssten nach Rainer Bucher die Netzwerkstrukturen ernst genommen werden, Gemeinschaft und Freiheit ausbalanciert sein sowie eine konsequente pastorale Aufgabenorientierung angestrebt werden. Das wird konkret in der auf Handlung angelegten Form der gemeinsamen Bibellektüre.

So faszinierend allerdings die Erfahrungen aus Asien sind, wie sie in den Beiträgen der philippinischen Protagonisten der KCG zur Sprache gebracht werden, so ernst muss auch die Anfrage Bernhard Spielbergs genommen werden, dass „pastorale Südfrüchte nicht einfach zu importieren sind“. Sie müssen in unserer pastoralen Situation inkulturiert werden. Den Blick auf die Chancen verstellen aber zur Zeit die Strukturdebatten in den Bistümern. Gegen eine zu starke Professionalisierung müsste das Ehrenamt neu gewertet werden. Und man brauche den Mut dazu, Projekte auch zu beenden, um wieder Platz für Experimente zu bekommen. Gemeinde gründen und entwickeln („Ekklesiogenesis“) in den Lebensräumen der Menschen – das ist die Vision Henneckes und seiner Mitstreiter. Man kann nur hoffen und beten, dass diese Vision nicht im Getriebe technokratischer Umsetzungen von Fusionen und Neustrukturierungen untergeht.

Joachim Schmiedl

Quelle: Eulenfisch Literatur 4 (2011), Heft 2, S. 28.