Drei Weltreligionen im Religionsunterricht

Buchvorstellung - 31.07.2009

Roland Biewald / Jana Paßler
Die Weltreligionen
Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus
(Themenhefte Religion; Heft 4)

Leipzig: Evang. Verlagsanstalt, 2004
115 S., ill., DIN A 4, EURO 12.80
ISBN 3-374-020054

Wenn man das Christentum auch in unseren Breiten nicht mehr als selbstverständlich ansehen kann – und dies gilt ganz besonders für die neuen Bundesländer – dann bietet das vorliegende Heft „Weltreligionen“ eine gute Grundlage für die Einführung in das genannte Thema. Bestimmend ist hier der besondere vom ÖKR schon 1971 initiierte und immer wieder angemahnte verstärkte interreligiöse Dialog.

Um eine sinnvolle Hilfe zu geben, ist es notwendig, unter den vielen Religionen der Welt – in dem vorliegenden Band werden über 20 einigermaßen bedeutende Religionen aufgezählt – eine sinnvolle Auswahl zu treffen. Die Verfasser haben sich für die Religionen entschieden, „die einerseits traditionell im Religions- und Ethikunterricht behandelt werden und andererseits für den ökumenischen bzw. interreligiösen Dialog in Europa eine Bedeutung haben“. Das Ergebnis: 1. Das Christentum, weil es nach wie vor unsere Gesellschaft am meisten geprägt hat. 2. Das Judentum wegen der Nähe zu unserer Kultur und zum Christentum. 3. Der Islam, weil diese Religion bei uns immer mehr an Bedeutung gewinnt. Außerdem betrachten die drei eben genannten Religionen Abraham als ihren Stammvater, und weil unter diesen Religionen viele Missverständnisse und Vorurteile wegen erhöhter Dialogbedarf besteht. 4. Der Buddhismus, der sich am leichtesten systematisieren lässt. „So sind es weniger religionswissenschaftliche, sondern vielmehr didaktische Gründe, die zur Wahl des Buddhismus als exemplarische fernöstliche Religion führten.“

In neueren Lehrplänen und Schulbüchern für den Religionsunterricht und verstärkt für den Ethikunterricht ist „der dialogische und interreligiöse Ansatz“ keine unbekannte Größe mehr. So ist es sinnvoll, wenn nach einer Einleitung (Weltreligionen – Religionen der Welt) zwei Kapitel folgen mit: didaktische Leitgedanken – Religionskunde im Religionsunterricht/Ethikunterricht, die dieses Anliegen gezielt ansprechen. Diese Leitgedanken orientieren sich sehr stark an Stellungnahmen und Veröffentlichungen der evangelischen Kirche.

Die nun folgenden Kapitel vermitteln ein Grundwissen über die angesprochenen Religionen. Trotz der gebotenen Kürze sind diese Informationen zufrieden stellend, wenn auch bei der Darstellung des Buddhismus kleine Ungenauigkeiten festzustellen sind bei dem Begriff: Seele. Zusammen mit den weiter hinten aufgeführten AV-Medien und vorhandenen Textblättern sind diese Informationen für die Behandlung der drei in folgenden angegebenen paradigmatischen Themen grundsätzlich ausreichend. Auf eine Unterrichtssequenz für die Klassenstufen ab Klasse 9 zum Thema: „Die abrahamitischen Religionen“ folgt ein Unterrichtsmodell: „Erlösungsvorstellungen in ausgewählten Religionen“ für S II und schließlich für die Erwachsenenbildung ein Verlaufsplanungsmuster; „Einführung in ausgewählte Weltreligionen“. Diese drei Arbeitshilfen stellen keine detailliert ausgearbeiteten Modelle vor, sondern sind eher als „Ideen“ für die Behandlung der einzelnen Themen gedacht. So könnte es je nach konkreter Situation angebracht sein, einzelne Fragen intensiver zu behandeln, was dann allerdings auch weitere, selbst ausgesuchte Materialien erforderlich macht.

Zusammenfassend ist festzustellen: der interreligiöse Dialog ist der „rote Faden“, der sich durch das gesamte Themenheft zieht. Es wird bewusst vermieden, dem Christentum eine dominierende Rolle einzuräumen. Das wiederum stärkt den zweiten Gedanken: die Haltung der Toleranz.

Helmut Bahr

Quelle: Informationen für Religionslehrerinnen und Religionslehrer Bistum Limburg 33 (2004), Heft 4, S. 262f.