Siegfried Reusch / Otto P. Obermeier / Klaus Giel (Hg.)
Wozu Philosophie?
der blaue reiter – Journal für Philosophie; Bd. 25
Stuttgart: omega verlag 2008
113 Seiten 15,90 Euro
ISBN 978-3-933722-22-5
„Was machen Philosophen, wenn sie, von ihrem Fach begeistert, diese Begeisterung auch an interessierte Leser außerhalb der Universität weitergeben möchten? Sie gründen ein Journal für Philosophie!“ Mit dieser Feststellung wirbt der von Mitarbeitern und Studierenden der Universität Ulm gegründete Omega Verlag in Aachen für seine halbjährlich erscheinende Publikation „der blaue reiter“. Gründungsidee des Journals war, eine allgemein verständliche Philosophiezeitschrift ins Leben zu rufen, unter den Forderungen nach Interdisziplinarität, Verständlichkeit und Praxisnähe.
Der Titel des Journals ist angelehnt an die expressionistische Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ um Franz Mark und Wassily Kandinsky. Das kämpferisch-intellektuelle Engagement des Journals soll mit dieser Metaphorik symbolisiert werden. 1995 erschien die erste Ausgabe des Journals mit dem Hauptthema „Was ist Philosophie?“. Jede Ausgabe stellt eine Einführung in den jeweils behandelten Problembereich dar. Fremdsprachliche Zitate werden übersetzt und Fachbegriffe erklärt. Seit 1995 konnte die Redaktion namhafte Autoren aus den verschiedensten geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen gewinnen. Zum Beispiel Peter Sloterdijk, Vittorio Hösle, Jürgen Mittelstraß, Jan Assmann sowie Altkanzler Helmut Schmidt.
Eine Hauptaufgabe der Philosophie ist die Begründung und das beständige Hinterfragen der Aufgaben und Grundlagen von Wissenschaft und Gesellschaft. Dieser Aufgabe versucht auch das Journal, auf allgemeinverständliche und konstruktiv-kritische Weise nachzukommen – und dies gelingt der Zeitschrift auch ausgesprochen gut, ohne dabei ins Populärwissenschaftliche abzudriften. Exemplarisch sei hier auf den Berliner Philosophen Wilhelm Schmid aus der vorliegenden Ausgabe „Wozu Philosophie?“
verwiesen. Schmid macht in seinem Beitrag „Philosophie als Lebenskunst. Die Sorge um das Selbst“ deutlich, dass die Frage nach einem gelungenen Leben keine moderne, heute oft in die psychotherapeutische Ecke gedrängte Frage sein sollte, sondern als ureigenste Aufgabe von Philosophie zu verstehen ist. Bereits in der Antike meint Philosophie als téchne tou bíou oder ars vivendi „nichts als ein Innehalten und Nachdenken – das ist eine bescheidene Definition, aber Philosophie beginnt seit jeher mit diesem Moment. Sie ist Eröffnung eines geistigen Raums, innerhalb dessen Lebensfragen gestellt und erörtert werden können, ohne dass es hierfür einen pathologischen Hintergrund bedürfte (S. 26).“ Die Sinnsuche ist vielmehr als anthropologische Konstante zu verstehen und nicht als ein modernes, krankhaftes Moment der gesellschaftlich und vielleicht ökonomisch Gescheiterten. Moderne und oft vorschnelle Antworten auf die Sinnfrage müssen daher einer beständigen Überprüfung unterzogen werden.
Insgesamt ist zu sagen, dass „der blaue reiter“ Philosophie verstehbar und erlebbar werden lässt und einen notwendigen, kritischen Beitrag für unser technisch-ökonomisches Zeitalter darstellt. In diesem Sinn ist das Journal auch als Bildungsorgan zu verstehen.
Thomas Schweikert
Quelle: Quelle: Eulenfisch Literatur 3 (2010), Heft 1, S. 34. [Literaturbeilage von Eulenfisch. Limburger Magazin für Religion und Bildung]