Bedeutung der benediktinischen Sendung
Buchvorstellung - 28.11.2010
Christian Schütz / Philippa Rath (Hg.)
Der Benediktinerorden
Gott suchen in Gebet und Arbeit
(Topos Tb. 506)
Kevelaer: Verlagsgemeinschaft topos plus, 4. akt. Neuaufl. 2009
252 Seiten 11,90 Euro
ISBN 978-3-8367-0506-6
In einer (wenn auch nur zum Teil) aktualisierten Neuauflage legen Christian Schütz und Philippa Rath ein sehr informatives Buch über spirituelle Grundlagen, historische Entwicklung und aktuelle Vielfalt der benediktinischen Gemeinschaften vor. In sechs großen Abschnitten werden diese Aspekte von kompetenten Autoren behandelt. Vorangestellt sind mehrere Kurzinterviews mit alten und jungen Benediktinerinnen und Benediktinern über ihre Berufung und ihre bleibende Zugehörigkeit zum Orden.
Die zentralen Passagen steuert der ehemalige Schweiklberger Abt Christian Schütz bei. Er diagnostiziert die Leidenschaft für Gott als den Grundpfeiler des kontemplativen Lebens. Das Lebensprogramm des heiligen Benedikt stellt Schütz unter die Überschrift „Gelebtes Evangelium“. Die Ordensgelübde deutet er als „prophetische Zeichen“ und „Ausdruckform christlichen Lebens“. Die Geschichte des Benediktinerordens – von dem man erst seit 1893 in dieser Form reden kann – wird vom ehemaligen Gerlever Abt Pius Engelbert prägnant erzählt.
Mehrere Beiträge weisen die Vielfalt benediktinischer Sendung auf. Hier kommen Frauen und Männer zu Wort, welche die Spannweite der Benediktiner zwischen Kontemplation, Apostolat in der Welt, Inkulturation in andere Kulturkreise sowie das Engagement in der Ökumene bis hin zur Verwurzelung im evangelischen Bereich aufzeigen. Über die benediktinischen Reformzweige der Zisterzienser und Trappisten informieren weitere Abschnitte.
Hilfreich ist der Anhang. In ihm werden nicht nur Grundbegriffe des Ordenslebens erklärt, sondern alle benediktinischen Niederlassungen im deutschen Sprachraum mit Adresse (und Website) aufgeführt. Das Buch ist eine knappe und informative Einführung in einen Orden, der die abendländische Kultur- und Geistesgeschichte wie kaum ein zweiter geprägt hat. Gleichzeitig ist es eine hilfreiche Einführung in eine Spiritualität, die Aktion und Kontemplation, Gebet und Arbeit in Harmonie miteinander zu verbinden weiß.
Joachim Schmiedl
Quelle: Eulenfisch Literatur 3 (2010), Heft 1, S. 19. [Literaturbeilage von Eulenfisch. Limburger Magazin für Religion und Bildung]