Gottesrede heute

Buchvorstellung - 02.05.2009

Andreas Benk
Gott ist nicht gut und nicht gerecht.
Zum Gottesbild der Gegenwart

Düsseldorf: Patmos-Verlag 2008
216 Seiten
ISBN 978-3-491-70417-6

Man könnte den Titel auch dem derzeitigen neuen Atheismustrend zurechnen und eine weitere polemische Abrechnung mit dem christlichen Gottesglauben erwarten. - Aber weit gefehlt. Hier wagt sich ein Theologe an ein vernachlässigtes Kapitel der Glaubensreflexion und liefert umgekehrt einen hilfreichen Beitrag zur neu geforderten Auseinandersetzung mit atheistischer Kritik als auch (intern) mit den Formen unglaubwürdig gewordener Gottesrede.

Es geht um die so genannte „Negative Theologie“, die das Christentum, so J. B. Metz, mit zunehmendem Alter immer weniger zu ertragen scheint. Denn gegen allzu gewohnte Denk- und Sprachformeln des Glaubens gilt es die Unbegreiflichkeit Gottes zu wahren. „Wer angesichts des himmelschreienden Elends unserer Welt nicht vorbehaltlos mehr einstimmen kann in das Gloria, das Magnifikat und das Exsultet und doch sich weigert mit den Wölfen dieser Welt zu heulen …, der erfährt, dass Negative Theologie nicht Symptom >geistiger Erschlaffung< ist, sondern zum Beweggrund werden kann, Zeichen für eine andere Wirklichkeit zu setzen“ (17f). Dieser theologische Weg ist „keine hypertrophe oder dekadente Spekulation am Ende des Denkens“, sondern „aus der Not geboren“ (18). So will dieses Buch dazu beitragen, christliche Gottesrede wieder in die unheimliche >Schwebe zwischen Ja und Nein über dem Abgrund der Unbegreiflichkeit Gottes< (K. Rahner) zu bringen (ebd.). Dabei ist der Ansatz Negativer Theologie schon ein dauernder Begleiter religiösen Denkens. Die Spuren reichen von der griechischen Philosophie über die Bibel und quer durch die christliche Theologiegeschichte. Doch die menschliche Schwäche für das klar Definierte hat dieser Theologie keinen prägenden Rang eingeräumt. In kundiger, lesbarer und anregender Weise führt Benk den Leser durch Geschichte, Anliegen und Bedeutung „negativer“ theologischer Gottesrede. Dazu gehören auch Kapitel zur Religionspädagogik (Wie mit Kindern von Gott sprechen?), der Dialog mit der Naturwissenschaft als auch Klärungen über „Gottesbildlichkeit des Menschen und Negative Anthropologie“. Dass Gott weder gut noch gerecht, nicht Vater, Mutter, Geist oder Person ist, mag für viele Gläubige „bestürzend und verstörend“ (9) sein – „und doch ist es orthodoxe, katholische und evangelische Einsicht, es ist jüdische und muslimische Lehre“ (ebd.). Das Buch erscheint zur rechten Zeit, fordert es doch von den Christen eine revidierte Gottesrede (die vielleicht wieder mehr Glaubwürdigkeit erlangt) und von den neuen Atheisten ebenso eine redlichere Gegenrede.



Reiner Jungnitsch

Quelle: Religionsunterricht heute. Informationen des Dezernates Schulen und Hochschulen im Bischöflichen Ordinariat Mainz 37 (2009), Heft 1/2, S. 57f.