50 Fragen zum Antisemitismus

Buchvorstellung - 15.02.2010

Anne Frank Haus Amsterdam (Hg.)
"Alle Juden sind ..."
50 Fragen zum Antisemitismus

Mülheim/Ruhr: Verlag an der Ruhr 2008
184 Seiten
ISBN 978-3-8346-0408-8

Die 50 Fragen, mehr jedoch die Antworten, wollen „Einsicht in das komplexe Problem des Antisemitismus“ geben, indem „knapp und konzentriert historisches Wissen präsentiert wird“ (7). Weil aber das Thema ein „emotional hochgradig geladenes“ ist, verfolgt das bemerkenswerte Buch zuerst ein pädagogisches Ziel: „Wir möchten den Leser einladen, sich Gedanken zu machen, selbst Fragen zu stellen und selbst Antworten zu finden“ (ebd.).
 

Zwecks übersichtlicher Aufklärung und Information sind die Fragen in 7 Themenbereiche gegliedert: 1. Fragen zu Juden und Judentum (z.B. Wer ist jüdisch? Sind die Juden eine Rasse?), 2. Fragen zur Geschichte des Antisemitismus (z.B. Woher stammen die wirtschaftlichen Stereotypen über Juden?), 3. Fragen zu Juden, Christen und Muslimen (z.B. Ist das Neue Testament antisemitisch? Was sagt der Koran über Juden?), 4. Noch mehr Geschichte (z.B. War Deutschland bereits vor dem Zweiten Weltkrieg besonders antisemitisch?), 5. Die Beziehung von Holocaust und Schoah (z.B. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Antisemitismus und Schoah?), 6. Fragen zu Israel und dem Mittleren Osten (z. B. Ist der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ein religiöser Konflikt?), 7. Zu guter Letzt (z. B. Wie sieht es mit Antisemitismus in Deutschland aus?). Neben zahlreichen illustrativen wie informativen Fotos und Grafiken sind gerade auch judenfeindliche Bilder und Karikaturen aus Vergangenheit und Gegenwart offensiv wiedergegeben. Die Texte liefern in einfacher Sprache verdichtetes Sachwissen, das gerade durch seine knappe Form für eine unterrichtliche Verwendung bestens geeignet ist. Sie überzeugen auch weithin durch sachliche Kompetenz, Ausgewogenheit und Offenheit (etwa durch israel-kritische Bemerkungen). Lediglich zwei Unkorrektheiten fallen auf: S. 26 muss es 7. statt 17. Jahrhundert heißen; auf S. 98 lässt man Kaiser Konstantin das Christentum zur römischen Staatsreligion erklären, doch das war Kaiser Theodosius I. im Jahre 380. Irritierend bleibt auch der Satz „Der Vatikan steht in einer starken, ununterbrochenen Tradition des Antijudaismus“ (89), obwohl eine Seite zuvor die entsprechende Passage aus der vatikanischen Erklärung „Nostra Aetate“ zitiert wird, die eine Wende in der Haltung zum Judentum markierte. Doch schmälern diese kleineren „Schönheitsfehler“ kaum den informativen und pädagogischen Wert des Buches, das allen Politik-, Geschichts- und Religionslehrern zu empfehlen ist – und ebenso in jede Schülerbücherei gehört.

Reiner Jungnitsch

Quelle: Eulenfisch Literatur 1 (2008), Heft 1, S. 58. [Literaturbeilage von Eulenfisch. Limburger Magazin für Religion und Bildung]