Wege zum Frieden: Juden, Christen, Muslime
Buchvorstellung - 08.09.2009
Neil Douglas-Klotz
Aus derselben Quelle leben wir
Wege zum Frieden zwischen Christen, Juden und Muslimen
München: Kösel-Verlag 2004
318 Seiten
ISBN 3-466-36660-7
Hurrikane, Wald- und Tiersterben, Terrorismus, Kriege u.v.a.m. gibt es schon seit eh und je. Doch hat es derzeit den Anschein, dass die chaotischen Störungen des Weltgefüges überdurchschnittlich zugenommen haben. Ist sich der Mensch als Teil des Gesamtgefüges um seine Mitverantwortung für die Bewahrung der Schöpfung bewusst?
Der Religionswissenschaftler und Psychologe Douglas-Klotz plädiert in diesem Zusammenhang wegen der „Trennung der Menschheit von der Natur – und letztlich vom Göttlichen“ (272) für eine heutzutage in Vergessenheit geratene „Remythologisierung“ der Schöpfungsgeschichten in Genesis 1-3 als „Erfahrung der Ursprünglichen Meditation“ (17). Zunächst führt er deswegen die Leserinnen und Leser in seinem Buch theoretisch in den gemeinsamen interkulturellen/-spirituellen Ursprungsmythos der jüdischen, kabbalistischen (so z. B. Abraham ben Samuel Abulafia oder Rabbi Isaak Luria) und die christlich-mystischen (wie Pelagius, Johannes Scotus Eriugena, Meister Eckhart, William Blake, Emanuel Swedenborg, Ralph Waldo Emerson) sowie islamisch- sufistischen (so Imam Jafar as-Sadiq, Imam Abu Hamid Al-Ghazali) Traditionen ein (18-130). „Die Schöpfungspraxis“ wird in einem zweiten Teil (133-269) den Lesern sehr konkret mit Einführungen und vom Autor selbst übersetzten Texten zum persönlichen Gebet und zu eigenen Meditationsübungen (133-269) vorgestellt. Mit Hilfe der meditativ-spirituellen Praktiken zu den verschiedenen Schöpfungsgeschichten bzw. -texten der drei Weltreligionen soll ein bewusster Umgang respektive Zugang des Menschen mit/zu der sich im Prozess mit ihm befindenden dynamischen Umwelt als Mitwelt im „Gefühl der Ehrfurcht und Hochachtung“ (31) geweckt und gefördert werden. Die derzeitige durch den Menschen mitverursachte missliche Schieflage des Weltgefüges kann nur mit Hilfe einer richtigen Einstellung des Menschen (besonders der westlichen Kultur infolge des griechisch-römischen Zeit- und Weltverständnisses) zu sich und seiner Umwelt in Form einer „kulturellen Therapie“ (271) korrigiert und durch ein „Gemeinschaftsgefühl“ (274) füreinander in Harmonie gebracht werden. Nur im Einklang mit den Andern und der Natur ist Frieden mit sich und der Welt möglich. Diese spirituelle Grunderfahrung/-weisheit sollte Schülern zum Gelingen einer guten Beziehung zwischen der Menschheit mit der Schöpfung und letztendlich mit dem göttlichen Schöpfer einerseits und zwischen Christen, Juden und Muslimen andererseits so früh wie nur möglich meditativ „kinästhetisch“ (44) bewusst gemacht werden. Bleibt zu hoffen, dass das Buch von D. einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung zum Erhalt der Schöpfung und der in ihr lebenden und von ihr abhängigen Menschheit bei den Lesern nachhaltig bewirkt. (Manfred Diefenbach)
Quelle: Informationen für Religionslehrerinnen und Religionslehrer Bistum Limburg 36 (2007), Heft 4, Seite 206.