Jesus Christus: Unterrichtsentwürfe Sek I

Buchvorstellung - 16.08.2009

Eckhard Lade (Hg.)
Religion unterrichten: Jesus von Nazareth
Sekundarstufe 1

Kissing: Weka Media 2005
100 Seiten mit CD-Rom
ISBN 978-3-8276-6655-4

Das von Eckhard Lade herausgegebene Lehrerhandbuch enthält Unterrichtsentwürfe zu biblischen Texten, historischen Berichten sowie Bildbeispielen aus moderner Kunst und Film, die sich mit der Person Jesu von Nazareth beschäftigen. Zielgruppe sind Schüler/-innen der Sekundarstufe I.


 

Die verschiedenen Stundenentwürfe bieten sowohl die Möglichkeit zur Projektarbeit wie auch der kritischen Auseinandersetzung mit dem Film von Mel Gibson, The Passion of Christ. Alle Arbeitsblätter und Kopiervorlagen sind in digitaler Form auf einer beiliegenden CD-Rom mitgeliefert. Die Arbeitshilfe bietet 9 verschiedene Themenbereiche: 1. Jesus – eine Annäherung an seine Person; 2. Wer war Jesus?, 3. Gott oder Mensch?, 4. Jesus Christus; 5. „Jesus! Warum uns dieser Mann nicht losläßt!“ – Eine faszinierende und provozierende Spurensuche; 6. Is it as it was? Der leidende Gottesknecht in Mel Gibsons „The Passion of Christ“; 7. Maria Magdalena – Weggefährtin, Liebende und Zeugin der Auferstehung; 8. Begegnung mit Jesus; 9. Das Leben Jesu anhand der Feste wieder erkennen. Verschiedene Symbole hinsichtlich der Tiefe (einführend, vertiefend, fächervernetzend) sowie der Methodik (Klassengespräch, Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Textarbeit, Frontalunterricht, Projektarbeit) führen durch den Aufbau. Jeder Baustein ist klar gegliedert nach erforderlichem Wissensstand der Schüler, Lernziele, Unterrichtsmethode, benötigtes Material, Hintergrundinformationen für den Lehrer und Unterrichtsverlauf. Ein Stichwortverzeichnis zu Beginn unterstreicht die benutzerfreundliche Intention. Bei der Präsentation der 9 Themenbereiche steht die Korrelation der Thematik zu gegenwärtigen Strömungen unter Schüler/-innen zentral. 1. Daher beginnt die Annäherung an Jesus mit zwei modernen, inzwischen klassischen Jesusdarstellungen, konfrontiert dann aber auch mit außerbiblischen Quellen. 2. Ein „Steckbrief“, der mit Hilfe von Bibelstellen ausgefüllt werden soll, ist sicher eine gute Erschließungsmethode für die Erarbeitung der biographischen Daten des historischen Jesus. 3. Die Frage „Gott oder Mensch?“ wird verhältnismäßig kurz behandelt; sie hat u.a. zum Ziel, apokryphe Kindheitsgeschichten kennen zu lernen. Das in diese Sequenz eingefügte Nizäno-Konstantinopolitanische Credo hängt eher in der Luft, da sowohl Hintergrundinformationen zum Verständnis fehlen als auch die Einbindung in den Kontext der apokryphen Evangelien nicht ersichtlich ist. 4. Die Präsentation der Wundererzählungen zeigt wiederum ein starkes Interesse für apokryphe Schriften. Die Unterrichtseinheit zielt aufgrund der ausgewählten Materialien eher auf die Frage nach der Bewertung apokrypher Evangelien gegenüber den kanonischen denn auf die zentrale Frage nach Kriterien zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Wunder und des Wundertäters Jesu. 5. Die Spurensuche konfrontiert mit modernen Jesuseinschätzungen (Focus, Spiegel, Stern etc.), die mit Passagen aus (nicht aktuellen) Einführungen in die Bibel/das NT kontrastiert werden. Dies scheint ein sehr hilfreicher Ansatz zu sein, da er der gegenwärtigen Situation entspringt; er nimmt Bezug zu Publikationen verschiedenster Art über Jesus von Nazareth. 6. In diesen Kontext gehört auch die Auseinandersetzung mit Mel Gibsons Film im Kontext der Tradition von Jesusfilmen. Rezensionen zum Film öffnen ein kritisches Bewußtsein, das bestärkt werden könnte durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Passionserzählungen der Evangelien. 7. Maria Magdalena darf heute nicht fehlen bei der Auseinandersetzung mit Jesus von Nazareth – dies entspricht moderner Trivialliteratur. Es darf erlaubt sein zu bemerken, daß Petrus, Johannes und Jakobus (oder Judas, Pilatus etc.) keine Unterrichtssequenz gewidmet ist ... Die Auswahl der Texte (u.a. L. Rinser), gefolgt von (religiöser) Liebeslyrik (Johannes vom Kreuz, George Herbert) konfrontiert weniger mit historisch rekonstruierbaren Fakten als daß es ein Vor-Urteil ggf. bestärkt. 8. Eine Einheit zu den geographischen, politischen, sozialen, kulturellen und religiösen Gegebenheiten des Lebens Jesu kommt relativ spät. 9. Sinnvoll ist hingegen die liturgische Bezugnahme zu den christlichen Festen zum Schluß. Aus exegetischer Perspektive sind die fehlende Referenz zu aktuellen Jesusbüchern (M. Ebner 2003; J. Schröter 2002 & 2006; G. Theißen 32001; „Welt und Umwelt der Bibel“ u.a.) auffällig, der starke Rekurs auf die im Trend liegenden ntl. Apokryphen und auf literarische und künstlerische Texte, die auch schon vor 20 Jahren im RU eingesetzt wurden. Dem modernen Trend der Trivialliteratur, Maria Magdalena große Aufmerksamkeit zu widmen, wird in diesem Zusammenhang Rechnung getragen anstatt ihm entgegen zu wirken. Aus fachwissenschaftlicher Perspektive wäre eine stärkere Vernetzung zwischen Didaktikern/- innen und Exegeten/-innen wünschenswert. Von dieser aus exegetischer Perspektive formulierten Kritik ist die Benutzerfreundlichkeit des Handbuches unbenommen. (Beate Kowalski)

Quelle: Informationen für Religionslehrerinnen und Religionslehrer Bistum Limburg 36 (2007), Heft 1/2, S. 67f.