Die Martinslegende in Reimen

Buchvorstellung - 03.11.2016


Uwe Natus/ Maria Bogade
In einer kalten Winternacht
Die Legende von St. Martin

 

Stuttgart: Gabriel 2016
28 Seiten, 12.99 €
ISBN 978-3-522-30416-0


Wer Kindern im Einschulungsalter die Martinsgeschichte vorlesen und ihnen davon eine Vorstellung geben möchte, greift gerne zu Bilderbüchern. Da macht das Buch, das ankündigt, die Martinslegende nachzuerzählen neugierig. Bei der Lektüre kommt aber sogleich Zweifel auf: Hat sich der Autor tatsächlich die Legende des Hl. Martin, des späteren Bischofs von Tours vorgenommen?

Es ist beim näheren Hinsehen zu erkennen, dass Uwe Natus lediglich den Antagonismus arm-reich aufnimmt, mit der tradierten Martinslegende hat die gereimte Geschichte jedoch wenig zu tun. Es seien dafür einige wenige Belege angeführt: Martin ritt nicht alleine durch die Winternacht und fand einen Bettler sondern am Bettler gingen viele Menschen achtlos vorbei, Martin aber blieb stehen. Martin fragte auch nicht, ob der Bettler es wert sei, dass er mit ihm den Mantel teile, er tat dies ohne Ansehen der Person. Mitnichten teilte er mit dem Bettler Wein und Brot (quasi die eucharistischen Gaben!), und schon gar nicht überließ er dem Bettler sein Pferd und blieb in der Winternacht zurück – der Bettler aber ritt frohen Mutes in die Stadt.

Legt man interessehalber Kindern (die sich durchaus als „Ritterexperten“ empfinden) das Buch während des Lesens zur Betrachtung der Bilder vor, bemerken diese noch weitere Unstimmigkeiten: Rappen sind schwarz (nicht braun), ein Ritter hat niemals ganz nackte Beine (wie soll er so kämpfen?), warum erfriert Martin nicht während der Nacht mitten im Schnee?

Es ist festzustellen, dass hier ein hübsches Bilderbuch entstanden ist, das sich allerdings nicht eignet, um Kindern die Heiligenlegende des Martin von Tours näher zu bringen.


Barbara Wieland