(Quelle: Deutsche Messe )

Inklusive Bildung - didacta 2015

Nachrichten | 26.01.2015

Die UN-Behinderten-Konvention, die ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen gewährleisten soll, wurde 2009 von Deutschland ratifiziert. Die Bonner Erklärung der Teilnehmenden des Gipfels "Inklusion - Die Zukunft der Bildung" folgte 2014. Während der didacta 2015 werden Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis eine Zwischenbilanz ziehen. Auch am Stand der Kirchen steht Inklusion auf dem Programm.

Die Analyse der Bildungschancen von Menschen mit Behinderungen war Schwerpunktthema des Berichtes „Bildung in Deutschland 2014“, der im Juni dieses Jahres vorgestellt wurde. Ein wichtiges Ergebnis: Die Bedingungen für inklusives Lernen verschlechtern sich von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II deutlich. Je älter die behinderten Kinder und Jugendlichen sind, desto geringer stehen ihre Chancen, gemeinsam mit Gleichaltrigen ohne Behinderungen zu lernen.

 

Veranstaltungen

 

Am Messe-Mittwoch wird das Thema Inlusion sowohl im Rahmen des Thementages als auch auf weiteren Foren eine zentrale Rolle spielen. Am Stand der Kirchen steht "Inklusion an kirchlichen Schulen" um 14 Uhr auf dem Programm.

 

Frühkindliche Bildung

 

Am weitesten fortgeschritten ist die inklusive Bildung im Vorschulbereich: Zwei Drittel aller Kinder mit Behinderung besuchen eine Regel-Kita. Warum Inklusion hier gelingt, was Inklusion für die tägliche Arbeit sowie Aus- und Weiterbildung der Erzieherinnen bedeutet und noch zu tun ist – darüber wird das Bündnis frühkindliche Bildung im Forum didacta aktuell informieren.

 

Schule

 

Zuerst die gute Nachricht: Der so genannte Inklusionsanteil in den allgemeinbildenden Schulen ist in den vergangenen fünf Jahren stetig gewachsen. Immerhin besuchten im Schuljahr 2012/13 gut 28 Prozent der insgesamt knapp eine halbe Million Förderschüler eine Regelschule. Vor fünf Jahren waren es erst 18,4 Prozent. Die schlechte Nachricht: Gemessen an der Gesamtschülerzahl blieb der Anteil der Förderschüler, die keine Regelschulen besuchen, blieb konstant bei knapp fünf Prozent. Ein Grund dafür: Bei immer mehr Kindern wurde in den letzten Jahren Förderbedarf diagnostiziert. Das mag damit zusammenhängen, dass durch die Inklusionsdebatte genauer hingeschaut wird. Möglich ist aber auch eine andere Erklärung: Mit mehr förderungsbedürftigen Schülern stehen den Schulen auch mehr (finanzielle) Ressourcen zur Verfügung. Und die brauchen sie dringend. Dazu kommt, dass sich gerade beim Thema Inklusion große Länderunterschiede zeigen. So haben in Mecklenburg-Vorpommern anteilig doppelt so viele Kinder Förderbedarf wie in Rheinland-Pfalz (10,1 versus 5,1 Prozent). In Bremen besuchen vier Mal so viele Schüler mit Behinderung eine reguläre Schule wie in Niedersachsen (63,1 versus 15 Prozent). Und in Sachsen-Anhalt gehen nahezu drei Mal mehr Schüler auf eine Sonderschule als in Schleswig-Holstein (7,1 versus 2,5 Prozent).

 

Wie kann Inklusion also besser gelingen und werden die großen Länderunterschiede auf Dauer behoben? Welche Hürden müssen genommen werden und wie steht es um die Argumente derer, die vor einer zu schnellen Entwicklung warnen? Darüber wird in verschiedenen Foren vom 24. bis 28. Februar 2015 auf der didacta in Hannover diskutiert und informiert. Etwa im Forum Bildung, wo es um den Stand der Inklusion in Niedersachsen geht. Oder wo die Frage erörtert wird, wie Inklusion auf dem Gymnasium aussehen kann. Und schließlich werden Inklusionskonzepte vorgestellt, die sich bereits bewährt haben. Im Forum Unterricht berichten Praktiker über inklusiven Mathematikunterricht in der Grundschule und erklären, warum und wie Teamteaching zum Gelingen des inklusiven Lernens beitragen kann. Und schließlich geht es darum, was sich aus den bisher vorliegenden Forschungsergebnissen lernen lässt.

 

Aus- und Weiterbildung

 

Bereits auf der didacta 2014 in Stuttgart war die Frage, wie inklusive Erwachsenenbildung aussehen kann, ein wichtiges Thema. Bundesländer wie etwa Rheinland-Pfalz haben unterdessen begonnen, konkrete Handlungsvorschläge zu erarbeiten. Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung und die Gesellschaft Erwachsenenbildung und Behinderung kooperieren seit gut einem Jahr, um den Ausbau einer inklusiven Erwachsenenbildung zu fördern. Genug Beispiele und Erfahrungen also, um sie auf der didacta im Februar vorzustellen.

 

Berufliche Bildung

 

Von den jährlich rund 50 000 Schulabgängern mit sonderpädagogischem Förderbedarf finden nur etwa 3 500 einen betrieblichen Ausbildungsplatz. Nur jedes vierte ausbildungsberechtigte Unternehmen in Deutschland hat in den vergangenen fünf Jahren Erfahrungen mit Jugendlichen mit Behinderung gesammelt. So lautet das Ergebnis einer repräsentativen Unternehmensbefragung aus dem Sommer 2014.

 

Genau diesem Thema wird sich das Forum Berufliche Bildung einen ganzen Tag lang widmen. Der Messe-Mittwoch steht dort unter dem Motto: „Inklusion in der beruflichen Bildung“. Zu den Diskussionsrunden und Projektpräsentationen werden unter anderem Prof. Dr. Martin Baethge vom Soziologischen Forschungsinstitut der Georg-August-Universität Göttingen, der Geschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags, Andreas Oehme, und die Vorsitzende des Expertenkreises „Inklusive Bildung“ der Deutschen UNESCO-Kommission, Ute Erdsiek-Rave, erwartet. Auf dem bundesweiten Gipfel zur inklusiven Bildung hat die UNESCO erst im Frühjahr 2014 die Bundesregierung aufgefordert, Inklusion im Dialog mit der Wirtschaft in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung umzusetzen.

 

Materialien für die Praxis

 

Doch nicht nur in den Foren, Diskussionsrunden oder Workshops wird das Thema Inklusion in Hannover präsent sein. In den Ausstellungshallen werden Bildungsverlage und Ausstatter Schulbücher, Werkzeuge, Möbel und Hilfsmittel präsentieren, die in der Praxis eingesetzt werden können, um Inklusion zu fördern – von individualisierten Unterrichtsmaterialien über spezifische Sitzmöbel bis hin zu augengesteuerten Computerbildschirmen.

 

Die fachliche Qualifizierung des Personals in allen Bildungsbereichen bleibe im Hinblick auf die Umsetzung der Inklusion eine zentrale Aufgabe, hatte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Sylvia Löhrmann, anlässlich der Vorstellung des Bildungsberichts im Sommer 2014 erklärt. Mit Blick auf den gegenwärtigen Stand in diesen Bildungsbereichen, dem Ausblick auf die weitere Entwicklung und den vielfältigen Informationen zu Aus- und Weiterbildungsangebote will die didacta 2015 einen weiteren Beitrag zum Gelingen dieser Aufgabe leisten.

 

Bericht "Bildung in Deutschland 2014"

Bonner Erklärung zur inklusiven Bildung in Deutschland

Programm am Stand der Kirchen

Schwerpunkt Inklusive Bildung mit Unterrichts- und Hintergrundmaterial auf rpp-katholisch.de

 

 

 

 

(UN)

 

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