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Drei Fragen an.....

Nachrichten | 08.09.2025

...Alexander Pfister. Für den neuen Leiter der Abteilung Schule und Religionsunterricht im Erzbistum Bamberg ist religiöse Bildung eine Herzensangelegenheit. Im Interview spricht er über Herausforderungen für Religionslehrkräfte, bereits Erreichtes und die gemeinsame Aufgabe, den Religionsunterricht im Bildungssystem fest zu verankern – denn: „Religionsunterricht ist unverzichtbar für unsere Gesellschaft!“

Herr Pfister, zurzeit wird viel über den Religionsunterricht diskutiert. Welche Form des Religionsunterrichts ist in Ihrem Bistum dominant, und wie erleben Sie diese Diskussionen im Erzbistum Bamberg?

Die bundesweite Diskussion um die Zukunft des Religionsunterrichts erreicht uns natürlich auch hier im Erzbistum Bamberg mit großer Intensität. Als eine der Erzdiözesen, die bereits frühzeitig innovative Wege in der konfessionellen Kooperation beschritten hat, sehen wir uns in einer besonderen Verantwortung, sowohl bewährte Traditionen zu bewahren als auch zukunftsweisende Entwicklungen voranzutreiben.

In unserem Erzbistum ist nach wie vor der konfessionelle Religionsunterricht die vorherrschende Form. Gleichzeitig haben wir uns aber bereits seit Jahren als Vorreiter in der konfessionellen Kooperation etabliert. Mit RuMeK (Religionsunterricht mit erweiterter Kooperation) sammeln wir seit geraumer Zeit wertvolle Erfahrungen in der praktischen Umsetzung kooperativer Unterrichtsformen. Dieser Modellversuch hat uns wichtige Erkenntnisse für die didaktische Gestaltung und organisatorische Umsetzung geliefert.

Ein besonders bedeutsamer Meilenstein war auch die Einführung von KoRUk (Konfessioneller Religionsunterricht kooperativ) ab dem Schuljahr 2024/25 für die Jahrgangsstufen 1 und 2 der Grundschule. Hier zeigt sich exemplarisch, wie wir als Erzbistum Bamberg gemeinsam mit unseren evangelischen Partnern neue Wege beschreiten. Die Universität Bamberg mit ihrer einzigartigen Lehrkräftebildung spielt dabei eine zentrale Rolle und bereitet unsere zukünftigen Religionslehrkräfte gezielt auf diese kooperativen Unterrichtsformen vor.

Die deutschlandweite Debatte um Formate wie den "Christlichen Religionsunterricht" (CRU) in Niedersachsen oder den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht (KokoRu) verfolgen wir mit großem Interesse. Dabei profitieren wir von unseren bereits gemachten Erfahrungen: Durch RuMeK und KoRUk haben wir praktische Einblicke in die Chancen und Herausforderungen kooperativer Modelle gewonnen. Auch im Bereich der Berufsschule starteten wir bereits mit dem Schulversuch StReBe (Stärkung des konfessionellen Religionsunterrichts an Berufsschulen).

Besonders bemerkenswert ist, dass unsere Bamberger Ansätze durchaus Modellcharakter für andere Regionen haben. Die enge Zusammenarbeit zwischen katholischer und evangelischer Kirche, die wissenschaftliche Begleitung durch die Universität und die strukturierte Einbindung in die Lehrkräftebildung schaffen ein tragfähiges Fundament für innovative Unterrichtsformen.

Die Diskussionen um Islamunterricht und den Ausbau des Ethikunterrichts nehmen wir ernst. Sie spiegeln die religiöse Vielfalt unserer Gesellschaft wider und fordern uns heraus, den christlichen Religionsunterricht so zu gestalten, dass er sowohl seiner konfessionellen Identität treu bleibt als auch dialogfähig und gesellschaftsrelevant ist.

In unserem Erzbistum sehen wir die konfessionelle Kooperation als Chance, den Religionsunterricht zu stärken, ohne seine christliche Prägung aufzugeben. KoRUk, RuMeK und StReBe zeigen, dass konfessionelle Identität und ökumenische Offenheit sich nicht ausschließen, sondern – ganz im Gegenteil - einander bereichern können.

Die bundesweiten Entwicklungen bestätigen uns darin, dass wir mit unseren Bamberger Initiativen einen zukunftsweisenden Weg eingeschlagen haben – einen Weg, der sowohl den bildungspolitischen Realitäten als auch unserem pastoralen Auftrag gerecht wird.

 

Zur Person: 

Alexander Pfister studierte Lehramt für die Fächer Katholische Religion, Arbeitswissenschaft, Mathematik und Sport an der Universität Bamberg. Nebenberuflich absolvierte er einen Master in Sozialwissenschaften an der TU Kaiserslautern.

Nach Stationen als wissenschaftlicher Mitarbeiter, Lehrer, Systembetreuer und Dozent am Staatsinstitut Bayreuth übernahm er 2015 erstmals eine Schulleitung in Priesendorf-Lisberg-Walsdorf. Von 2018 bis 2022 leitete er als Rektor die Grund- und Mittelschule Eggolsheim, ab August 2022 die Hans-Schüller-Grund- und Mittelschule Hallstadt. Seit dem 1. August 2025 leitet er als Ordinariatsrat die Hauptabteilung Schule und Religionsunterricht in der Erzdiözese Bamberg.

Kontakt

 

Wie viele Religionslehrerinnen und -lehrer gibt es im Erzbistum, und mit welchen Herausforderungen für den Religionsunterricht sind diese an den Schulen in Bamberg konfrontiert?

Im Erzbistum Bamberg arbeiten derzeit 226 kirchliche Religionslehrkräfte i.K. und rund 950 staatliche Lehrkräfte, welche die Missio Canonica besitzen. Die Verteilung erstreckt sich dabei über alle Schularten in unserem weitläufigen Erzbistum.

Die Herausforderungen, mit denen unsere Religionslehrkräfte konfrontiert sind, spiegeln sowohl gesellschaftliche Entwicklungen als auch bildungspolitische Veränderungen wider:

Eine der größten Herausforderungen ist der kontinuierliche Rückgang der Teilnehmerzahlen im Religionsunterricht. Wie in ganz Bayern beobachten auch wir, dass immer weniger Schülerinnen und Schüler am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen, während die Zahlen im Ethikunterricht steigen. Dies führt an vielen Schulen zu kleineren Lerngruppen, was einerseits pädagogische Chancen bietet, andererseits aber organisatorische und wirtschaftliche Herausforderungen mit sich bringt.

Wie in anderen Bereichen auch, sind wir vom allgemeinen Lehrkräftemangel betroffen. Besonders herausfordernd ist die Situation an Grundschulen, wo die Konkurrenz um gut ausgebildete Lehrkräfte besonders groß ist. Gleichzeitig erleben wir an weiterführenden Schulen teilweise eine paradoxe Situation: Während es einerseits einen Mangel an Religionslehrkräften gibt, stehen andererseits bestausgebildete Lehrkräfte vor unsicheren beruflichen Perspektiven.

Die Einführung neuer Unterrichtsformen wie KoRUk und StReBe sowie die Erfahrungen mit RuMeK bringen große Chancen, bedeuten aber auch erhöhte organisatorische Anforderungen. Unsere Lehrkräfte müssen sich in neue didaktische Konzepte einarbeiten, die Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen koordinieren und dabei sowohl der konfessionellen Identität als auch der ökumenischen Öffnung gerecht werden.

Die religiöse Bildungslandschaft entwickelt sich rasant weiter. Unsere Lehrkräfte stehen vor der Herausforderung, sich kontinuierlich fortzubilden - sowohl in theologisch-fachlicher als auch in didaktisch-methodischer Hinsicht. Die Digitalisierung, neue religionspädagogische Ansätze und die Notwendigkeit, auf die religiöse Vielfalt in den Klassen einzugehen, erfordern regelmäßige Weiterqualifikation.

In einer zunehmend säkularen Gesellschaft müssen unsere Religionslehrkräfte den Wert und die Relevanz religiöser Bildung immer wieder neu begründen und vermitteln. Sie sind gefordert, den Religionsunterricht als wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung und zur gesellschaftlichen Orientierung zu profilieren.

Diesen Herausforderungen begegnen wir mit einem umfassenden Unterstützungssystem: Wir bieten regelmäßige Fortbildungen, fachliche Beratung durch unsere Fachreferentinnen und -referenten in den einzelnen Schulamtsbezirken sowie spirituelle Begleitung. Die enge Kooperation mit der Universität Bamberg ermöglicht es uns, bereits in der Ausbildung auf diese Herausforderungen vorzubereiten und innovative Lösungsansätze zu entwickeln.

Trotz aller Herausforderungen erlebe ich eine große Motivation und Professionalität bei unseren Religionslehrkräften. Sie verstehen sich als wichtige Begleiter junger Menschen auf deren Sinn- und Glaubenssuche und tragen maßgeblich dazu bei, dass der Religionsunterricht auch in Zukunft seinen wichtigen Platz im Bildungssystem behaupten kann.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft – für Ihre Arbeit und für die Bildungsarbeit in Ihrer Erzdiözese?

Wenn ich in die Zukunft blicke, bewegt mich vor allem eines: die Sehnsucht nach einer lebendigen, hoffnungsvollen und zukunftsfähigen religiösen Bildung. Wir dürfen jeden Tag erfahren, dass religiöse Bildungsarbeit in unserer Erzdiözese kein Randthema ist, sondern ein Herzensanliegen – getragen von allen Hauptabteilungen und breit verankert in den vielfältigen Bildungsbereichen der Erzdiözese, von der frühen religiösen Bildung in den Kindergärten über die schulische Arbeit bis hin zur Erwachsenenbildung. Dieses gemeinsame Engagement wird beflügelt durch eine aufgeschlossene, wertschätzende Leitung. Dass Erzbischof Herwig Gössl und Generalvikar Georg Kestel dieses Vertrauen sichtbar machen, macht Mut und schafft Spielräume.

Besonders dankbar bin ich für die Wege, die wir in der konfessionellen Kooperation bereits gehen konnten. Unsere Erfahrungen mit KoRUk und RuMeK sowie der Schulversuch mit StReBe zeigen eindrücklich: konfessionelle Identität und ökumenische Offenheit schließen sich nicht aus, sie bereichern einander. Solche Entwicklungen ermutigen uns, mutig weiterzugehen und neue Formen des Miteinanders fest zu verankern.

Gleichzeitig stehen für mich die Menschen im Mittelpunkt: die Religionslehrerinnen und -lehrer. Sie tragen tagtäglich Verantwortung, begleiten junge Menschen und öffnen Räume für Glaubens- und Lebensfragen. Mein Herzenswunsch ist, dass sie in ihrem Tun spüren: Ihr seid nicht allein. Wir stehen an eurer Seite. Mit Fortbildungen, spiritueller Begleitung und einem Netzwerk, das trägt – fachlich, kollegial und menschlich.

Auch die digitale Transformation empfinde ich als große Chance. Mit klug durchdachten Konzepten können wir den Unterricht bereichern und die Botschaft des Glaubens neu erfahrbar machen. Digitale Werkzeuge dürfen uns dabei unterstützen, jungen Menschen Zugänge zu eröffnen – aber immer so, dass der persönliche Kontakt und die menschliche Dimension im Zentrum bleiben.

Der Religionsunterricht hat eine besondere Aufgabe: Er gibt Halt in unsicheren Zeiten, er fördert Persönlichkeitsentwicklung und schenkt Orientierung. Er ist ein Raum, in dem Fragen erlaubt sind – auch die großen, existenziellen Fragen, die Jugendliche heute bewegen. Ich wünsche mir, dass diese Bedeutung immer sichtbarer wird und wir stolz sagen können: Ja, religiöse Bildung ist unverzichtbar für unsere Gesellschaft!

Ein großer Reichtum ist für uns auch die Zusammenarbeit mit der Universität Bamberg. Forschung und Praxis gehen hier Hand in Hand, damit neue religionspädagogische Gedanken schnell in den Klassenzimmern ankommen – und die Erfahrungen unserer engagierten Lehrkräfte umgekehrt in die Wissenschaft hineinwirken. Dieses Miteinander von Theorie und Praxis ist ein Schatz, den wir noch stärker heben wollen.

Alles in allem bin ich überzeugt: Bildungsarbeit ist weit mehr als Fachvermittlung. Sie ist ein Baustein für die Erneuerung unserer Kirche. Überall dort, wo Kinder und Jugendliche spüren, dass Glaube lebendig, relevant und zukunftsorientiert ist, prägt sich ein positives Bild von Kirche. Genau das geschieht in unserer Erzdiözese – dank des Zusammenwirkens vieler Menschen, die mit Herz und Überzeugung dabei sind.

Meine Vision ist ein Religionsunterricht, der in der christlichen Tradition verwurzelt und zugleich offen für die Fragen der Gegenwart ist. Ein Unterricht, der Mut macht, inspiriert und begleitet. Ein Unterricht, der spüren lässt: Glaube und Leben gehören zusammen – heute und morgen.

Und ich bin sicher: Auf diesem Weg gehen wir nicht allein. Wir gehen ihn gemeinsam – getragen von Vertrauen, Begeisterung und der Hoffnung, dass unsere Bildungsarbeit Kirche und Gesellschaft ein menschliches Gesicht gibt.

(Alexander Pfister/ck)

Neuer Leiter für Schulabteilung im Erzbistum Bamberg

Hans-Dieter Franke war seit über 15 Jahren Leiter der Hauptsabteilung Schule und Religionsunterricht im Erzbistum Bamberg. Nun hat sich der langjährige Kooperationspartner in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger Alexander Pfister freut sich auf die neue Aufgabe in vertrauens- und respektvoller Zusammenarbeit. 

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(ck)

 

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