(Quelle: C.Klein/Christina Zimmermann)

"Wenn Konfessionen in Dialog treten, ist das ein wichtiges Signal für Demokratie."

Nachrichten | 04.03.2024

Die Bildungsministerin von Nordrhein-Westfalen Dorothee Feller war am Stand der Kirche auf der didacta zu Besuch. Im Interview mit rpp-Redakteurin Claudia Klein sprach sie über ihren eigenen Religionsunterricht, die Bedeutung von religiöser Bildung und das Modell des konfessionellen-kooperativen Unterrichts. 

 

Frau Ministerin, welche Erinnerungen haben Sie an Ihren Religionsunterricht?

Vor allem der Religionsunterricht am Gymnasium ist mir in sehr guter Erinnerung geblieben. Damals hat uns ein Pater aus einem Kloster unterrichtet, der immer sehr bemüht war, Themen mit christlicher Wurzel zu suchen und in die heutige Zeit zu übertragen, damit wir so etwas wie einen Leitfaden bekommen für unser Handeln. Das hat mich damals sehr beeindruckt: dieses Bemühen, Religion nicht nur abstrakt darzustellen, sondern einen Bezug zur Lebenswelt herzustellen. 

 

Welche Bedeutung hat religiöse Bildung für Sie?

Der Religionsunterricht trägt dazu bei, unseren Kindern und Jugendlichen über den eigenen Glauben hinaus die zentralen Werte unseres Zusammenlebens zu vermitteln. Auf diese Weise leistet Religionsunterricht einen wichtigen Beitrag zum friedvollen und demokratischen Miteinander und ist zurecht im Grundgesetz und in der Landesverfassung verankert.

 

Bildungsministerin Dorothee Feller im Gespräch auf dem Roten Sofa mit Morderator Daniel Schneider. Im Anschluss nahm sich die Ministerin Zeit, Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

 

In Nordrhein-Westfalen wird das Modell des konfessionell kooperativen Religionsunterrichts an Schulen praktiziert. Warum passt dieses Modell für die Schulen in NRW?

Ich halte den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht – kurz: kokoRu – für ein entscheidendes Konzept, um den evangelischen und katholischen Religionsunterricht für die Zukunft gut aufzustellen. Denn wir müssen ja zur Kenntnis nehmen, dass die gesellschaftliche Bindung der Kirchen nachlässt. In der Folge stehen uns natürlich auch weniger Lehrkräfte zur Verfügung, die bekenntnisorientierten Religionsunterricht erteilen können – unabhängig von der Konfession. Die Alternative zum kokoRu wäre ein Religionsunterricht, der nicht mehr bekenntnisorientiert erteilt werden könnte.

Grundgesetz und Landesverfassung räumen einem solchen Religionsunterricht, der einerseits über Religion und Religionen informiert, andererseits aber nach dem Wesen des eigenen Glaubens fragt und diesen stärkt, an unseren Schulen aber ausdrücklich einen Platz ein. Deswegen finde ich die Idee – die ja auch von den Kirchen gekommen ist –, beim Religionsunterricht zusammenzuarbeiten, sehr gut. So wird der bekenntnisorientierte Religionsunterricht an den Schulen sichergestellt.

Darüber hinaus bietet der kokoRu eine gute Gelegenheit, dass die Konfessionen miteinander in den Dialog treten. Das ist ein ganz wichtiges Signal für den demokratischen Diskurs in unserer Gesellschaft.

 

Was nehmen Schülerinnen und Schüler für ihren Alltag aus dem Unterricht mit?

Ich glaube – und das bestätigt ja auch die von den beiden christlichen Kirchen beauftragte Evaluation des kokoRU – dass die Auseinandersetzung mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den Konfessionen den eigenen Glauben zum einen bestärken kann. Zum anderen befördert der direkte Austausch die Offenheit gegenüber anderen Religionen, er schult die interkonfessionelle und auch die interreligiöse Toleranz der Schülerinnen und Schüler. Sie lernen dabei nicht nur, dass sich Traditionen unterscheiden können, sondern verstehen auch ihre eigenen Wurzeln besser.

 

Ministerin Dorothee Feller im Interview mit rpp-Redakeurin Claudia Klein: "Ich halte den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht für ein entscheidendes Konzept, um den evangelischen und katholischen Religionsunterricht für die Zukunft gut aufzustellen", sagte die Ministerin.

 

Was war los am Stand der Kirche auf der didacta? Religionsunterricht hat einen festen Platz in der Gesellschaft – unter dem Motto „Schule hat eine Seele. Halt geben – Hoffnung leben“ zeigen die Katholischen Bistümer und die Evangelischen Landeskirchen, wie eng Kirche und Gesellschaft verbunden sind. Hier geht es zur Reportage.

(ck)

 

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