(Quelle: Koelnmesse/didacta/Klein)

Kirche auf der Bildungsmesse: Religion inmitten der Gesellschaft

Nachrichten | 01.03.2024

Religionsunterricht hat einen festen Platz in der Gesellschaft – unter dem Motto „Schule hat eine Seele. Halt geben – Hoffnung leben“ zeigen die Katholischen Bistümer und die Evangelischen Landeskirchen am Stand der Kirche auf der Bildungsmesse didacta in Köln, wie eng Kirche und Gesellschaft verbunden sind.

Die letzten Tische werden gewischt, die Blumensträuße gerichtet, noch schnell die Flyer zurechtgerückt. Ist das rote Sofa einsatzbereit? Sprechprobe am Mikrofon… alles klar? Es kann losgehen!

Mitten in der Halle 8 Europas größter Bildungsmesse liegt die Spannung greifbar in der Luft. Monatelange Vorbereitungen des diesjährigen Programms am Stand der Kirche für die didacta haben sich endlich ausgezahlt: Der Stand der Kirche ist geschmückt, Plakate sind aufgehangen, Informationsbroschüren griffbereit, die Barista-Kaffeemaschine aufgewärmt. Der Stand steht fest verankert und ist beim Betreten der Halle schon von weitem sichtbar.

Und so strömen zahlreiche Messeteilnehmer zwischen dem 22. Und dem 24. Februar an den Stand mit der Nummer C050/ D051. Auch die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Dorothee Feller ist zu Besuch. In diesem Jahr übernahm sie mit ihrem Ministerium die Schirmherrschaft der didacta. Ministerin Feller stellt sich am Stand der Kirche im bewährten Talk-Format auf dem roten Sofa den Fragen von Kirchenstandmoderator Daniel Schneider. Sie unterstreicht die Bedeutung der Kirchen für die Bildungslandschaft und lobt die Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Stellen und den Kirchenvertretern.

"Der Religionsunterricht trägt dazu bei, unseren Kindern und Jugendlichen über den eigenen Glauben hinaus die zentralen Werte unseres Zusammenlebens zu vermitteln. Auf diese Weise leistet Religionsunterricht einen wichtigen Beitrag zum friedvollen und demokratischen Miteinander und ist zurecht im Grundgesetz und in der Landesverfassung verankert", sagt die Ministerin. Im Anschluss nimmt sich die Politikerin die Zeit, Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

 

Die Bildungsministerin von NRW am Stand der Kirche und im Gepspräch mit Moderator Daniel Schneider.  Bildungsministerin Feller mit Vertreterinnen und Vertretern der Kirchen auf der Bildungsmesse.

 

Evangelische Landeskirchen und Katholische Bistümer inmitten der Gesellschaft

Und Kirche wird wahrgenommen: „In diesem Jahr ist der Stand deutlich besser besucht als noch im Jahr 2022, wo Corona offenbar die Besuchszahlen der didacta noch etwas ausbremste“, resümiert Carolin Mehl, Mitorganisatorin und Standleiterin am Kirchenstand, Schulrätin im Kirchendienst für Bekenntnisschulen und Katholischen Religionsunterricht an Grundschulen im Bistum Aachen. „Immer wieder stehen die Menschen vor unserer Programmübersicht, sind aufgeschlossen und neugierig und besuchen zahlreich unsere Angebote.“

Immer an der Seite von Carolin Mehl während der Tage auf der Bildungsmesse ist der evangelische Kollege Sascha Flüchter, leitender Kirchenrat im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland. Auch Flüchter organisiert und koordiniert die Vorgänge am Stand. „Es ist uns ein Anliegen, im Bereich Bildung als Kirche präsent zu sein. Wir wollen unsere Bildungsbeiträge zeigen: Religionsunterricht, Schulträgerschaft, Schulseelsorge und Schulpastoral. In diesen Angeboten sind wir als kritisch-konstruktive Gesprächspartner auch auf politischer Ebene angesehen“, sagt er.

Religiöse Bildung auch außerhalb des Kirchenstandes

Wozu brauchen wir religiöse Bildung? Wo findet sie statt? Warum ist der konfessionelle Religionsunterricht so wichtig? Am Kirchenstand in Halle 8 findet man die Antworten auf diese grundsätzlichen Fragen. Doch auch außerhalb wird diskutiert: Im Forum Bildungsperspektiven – eines von fünf Bildungsforen auf dem didacta-Gelände – sitzen die TV- Moderatorin Andrea Grießmann, der Lehrer und Preisträger „Ausgezeichnete Lehrkräfte 2021“ Benedikt Töns und die Leiterin der Johannes-Löh-Gesamtschule in Burscheid Angelika Büscher auf dem Diskussionssofa.

Gerade Angelika Büscher kann aus ihren Erfahrungen an ihrer evangelischen aber multireligiös geprägten Schule schöpfen. Die Lehrerin erzählt auch mit Blick auf den dort stattfindenden islamischen Religionsunterricht. Die Praxis zeige, dass Kinder und Jugendliche nicht nur kognitives Wissen erlangen, sondern aus ihrer Bildung heraus eine Haltung entwickeln. „Religion darf nicht zu einem reinen Wissensfach degradiert werden“, sagt Angelika Büscher. „Man braucht als Kind (und Mensch) einen Standpunkt, um andere zu verstehen.“ Doch Gemeinsamkeiten zu finden, sei die Voraussetzung für unterschiedliche Gruppen, um miteinander ins Gespräch zu kommen,.

Und wie sehr Bildung ein Beitrag zur Menschenbildung ist, weiß auch Lehrer Benedikt Töns. Sein Projekt, angelehnt an den geschichtlichen Hintergrund des Ersten Weltkriegs, hat sich im Laufe der Zeit zu einer jährlichen Bildungsreise für die Schülerinnen und Schüler entwickelt.

 

Warum braucht es Religionsunterricht? Im Forum Bildungsperspektiven in Halle 7 wurde das diskutiert. Moderator Daniel Schneider, Angelika Büscher, Andrea Grießmann und Benedikt Töns (v.li.n.re.).

 

Religiöse Bildung ist Menschenbildung

Zurück in Halle 8 am eigentlichen Kirchenstand wechseln sich weiter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens im Talkformat auf dem roten Sofa ab. Matthias Terhorst, Pallottiner Bruder, Schulseelsorger und Berufsschullehrer, berichtet von seinen Erfahrungen aus der Religionspädagogik an Berufsschulen. „Religionsunterricht bietet die Möglichkeit, dass junge Menschen in ihrer Selbstständigkeit wachsen können.“ Terhorst unterrichtet am St. Franziskus Berufskolleg in Hamm. „Religiöse Bildung ist die Grundlage für Menschenbildung“, sagte er.

Professor Thomas Söding von der Ruhr Universität spricht zum Thema „Kirche als Raum der Freiheit? Religion als Orientierung?“. Der bekannte Kölner Pfarrer und Autor Franz Meurer, der aufgrund seiner zahlreichen sozialen und gemeinnützigen Initiativen auch als Sozialpfarrer bekannt ist, berichtet über seine Arbeit in Köln an der Basis.

Wie man sich als Religionslehrerin oder Religionslehrer vernetzen kann, zeigt Kathrin Termin, Studienrätin i. H. am Lehrstuhl für Religionspädagogik und Katechetik an der Ruhr-Universität Bochum. Sie ist im Social Media-Bereich erfolgreich. Das soziale Netzwerk Instagram hat sich zur Austauschplattform unter Lehrkräften entwickelt. Mit der Gründung der Community #instaleher:innenzimmer hat Kathrin Termin eine Möglichkeit für Religionspädagoginnen und -pädagogen geschaffen, sich zu vernetzen.

 

Prof. Thomas Söding von der Ruhr-Universität in Bochum auf dem roten Sofa. Carolin Mehl, Matthias Terhorst und Moderator Daniel Schneider (v.li.n.re.)

 

Künstliche Intelligenz, Musik und Kunst

Und dass Schule tatsächlich eine Seele hat, wird spätestens bei den vielen Schülerinnen und Schülern deutlich, die zusammen mit ihren engagierten Lehrkräften die Arbeit an ihren Schulen repräsentierten. So stellen die Schülerinnen und Schüler des St. Josephs-Gymnasiums Rheinbach einen eigens programmierten Roboter vor und zeigen, dass künstliche Intelligenz und digitales Lernen an Schulen angekommen sind.

Auch musikalische Einlagen sorgen für Abwechslung: Von der Stückauswahl bis zum Arrangement entwickelten die jungen Musikerinnen und Musiker des Clara-Fey-Gymnasiums in Bonn gemeinsam mit ihren beiden Lehrern ein Bandkonzept, das sie auf der didacta präsentieren. Ein optisches Highlight und artistische Abwechslung bietet auch die Schule der Circuskinder der evangelischen Kirche im Rheinland. Kunst zeigen die Schülerinnen und Schüler des Irmgardis-Gymnasiums von Kl. 5 bis Q1 präsentieren Gestaltungen zum Thema „Schule hat eine Seele. Halt geben – Hoffnung leben.“

 

Künstliche Intelligenz an der Schule: Mit Roboter Nao den ersten Schritt wagen.  Rainer Oberthür und rpp-Redaktionsleitung Ursula Neises im Gespräch am Kirchenstand.

 

Kaffee im Kirchencafé

Die Gäste der Talkrunden lassen es sich nicht nehmen, sich im Café am Stand im Anschluss an ihre Auftritte unter die Besucherinnen und Besucher zu mischen. „Wir alle am Stand der Kirchen haben das gemeinsame Anliegen, ein gutes Angebot für Lehrkräfte zu schaffen, ein offenes Ohr für unsere Besucherinnen und Besucher zu haben, beratend zur Seite zu stehen und im Café-Bereich Raum zu geben, einfach einmal die Seele baumeln zu lassen und ein wenig während des Messe-Trubels zur Ruhe zu kommen“, sagt Schulrätin Carolin Mehl. Neben vielen Vertreterinnen und Vertretern aus den Bildungsabteilungen der Bistümer war auch der Aachener Autor Rainer Oberthür beim Kaffee anzutreffen.

„Ein Ort, wo Religionsunterricht ein Herzensanliegen ist“

„Der Stand gibt Religionslehrkräften eine Anlaufstelle. So hat die didacta einen Ort, an dem sich Menschen treffen, denen Religionsunterricht ein Herzensanliegen ist. Sie treffen sich, vernetzen sich, bekommen Informationen und tauschen Ideen aus. Außerdem stehen Kirche und Religionsunterricht in einem öffentlichen Raum, in dem noch viele andere Bildungsangebote sind. Religionsunterricht ist keine Nischenveranstaltung, sondern ordentliches Lehrfach. In diesem Punkt sind wir im evangelischen und im katholischen Religionsunterricht gemeinsam unterwegs am Kirchenstand auf der didacta“, sagt Kirchenrat Sascha Flüchter.

 

Die Bildungsministerin von Nordrhein-Westfalen Dorothee Feller war am Stand der Kirche auf der didacta zu Besuch. Im Interview mit rpp-Redakteurin Claudia Klein sprach sie über ihren eigenen Religionsunterricht, die Bedeutung von religiöser Bildung und das Modell des konfessionellen-kooperativen Unterrichts. 

 

Die katholischen Bistümern und die evangelischen Landeskirchen waren mit einem Stand der Kirche in ökumenischer Zusammenarbeit vor Ort. Sascha Flüchter, leitender Kirchenrat, erzählt: Religionsunterricht ist das "gemeinsame Herzesanliegen".

 

Carolin Mehl, Schulrätin im Kirchendienst i.K. für Bekenntnisschulen und Katholischen Religionsunterricht an Grund- und Förderschulen im Bistum Aachen, hat in diesem Jahr zum ersten Mal den Stand der Kirche auf der didacta begleitet und organisiert. "Wir alle am Stand der Kirchen haben das gemeinsame Anliegen, ein gutes Angebot für Lehrkräfte zu schaffen."

 

(ck)

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