(Quelle: Theo Sprenger/FIBOR)

Fibor: Ein guter Tag für den Religionsunterricht

Foto: Rektor der Hochschule Prof. Thomas Meckel, FBOR-Leiter Prof. Klaus Kießling, BIBOR-Leiter Prof. Andreas Obermann, vom Bistum Limburg Dr. Ralf Stammberger und von der DBK Dr. Andreas Verhülsdonk (v.l.n.r.).
Nachrichten | 09.01.2024

Die große Aula der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt bot einen eindrucksvollen Rahmen für die Eröffnung des neuen Frankfurter Instituts für berufsorientierte Religionspädagogik (FIBOR). Rund 80 Gäste waren eingeladen, um den Start des Instituts zu begleiten.

Hochschulrektor Prof. Thomas Meckel begrüßte dann auch als erster die Festversammlung. Die Gäste hatten zuvor bei einem Stehkaffee angeregt miteinander geplaudert, alte Bekannte begrüßt und Neuigkeiten ausgetauscht. Das Team um Prof. Klaus Kießling, dem Leiter des neuen Instituts, führte mit Michael Holler und Theresia Strunk, vom Institut für Pastoralpsychologie und Spiritualität, sicher durch die Veranstaltung, die musikalisch hinreißend umrahmt wurde vom Duo „Las Marías“ mit Violine und Violoncello.

Gründung des FIBOR bereits im Januar

Bereits im Januar 2023 freute sich Prof. Thomas Meckel über die Gründung des neuen Instituts an seiner Hochschule, 20 Jahre nach der Gründung des KIBOR in Tübingen, das für das FIBOR Pate gestanden hatte. Prof. Kießling war dort in den Gründungsjahren als stellvertretender Leiter für den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen ausgesprochen engagiert tätig. Meckel stellte heraus, dass nicht nur dessen Habilitationsschrift „Zur eigenen Stimme finden“ eine herausragende Studie zur Relevanz des Religionsunterrichts geworden sei, Kießling habe auch in den weiteren Jahren immer die Berufsschule im Blick behalten und dazu veröffentlicht.

Prof. Klaus Kießling Leiter des FIBOR begrüßte die Gäste und stellte politische Zusammenhänge heraus. 

 

Prof. Kießling begrüßte danach die Gäste, indem er aus der Ansprache seines damaligen Chefs Prof. Albert Biesinger zitierte, als dieser das KIBOR eröffnete: „Es war ein langer Weg, bis diese Einrichtung aus verschiedenen Dringlichkeiten und politischen Zusammenhängen heraus so weit Gestalt annehmen konnte, dass wir diesen Tag gemeinsam begehen können.“ Dies gelte genauso für die Eröffnung des FIBOR. Prof. Kießling dankte der Vielzahl von Unterstützer und Unterstützeruinnen, die eine Gründung des FIBOR erst möglich gemacht hätten.

Ein vielseitiges und engagiertes Team ist der Schlüssel zum Erfolg

Besonders hob er die Vielseitigkeit seines Teams hervor, das sich hoch motiviert an die Arbeit gemacht habe. Man habe sich zum Ziel gesetzt, die Spiritualitäten von Religionslehrerinnen und Religionslehrern zu erkunden, die heterogene Lerngruppen unterrichten, und entwickle Konzepte zu Religionsdidaktik und Schulpastoral. Er betonte die Kooperation mit vielen Akteuren in der beruflichen und zugleich kritischen Bildung. Schließlich dankte er allen Mitarbeitenden des FIBOR für die Organisation der Eröffnungsveranstaltung. Die Begrüßung beendete Kießling mit der Zusage, sich mit aller Kraft für den Religionsunterricht in der beruflichen Bildung einzusetzen – wiederum mit einem Zitat von Biesinger, der 2003 versprochen hatte, Klaus Kießling werde für die berufsorientierte Religionspädagogik nicht nur in Tübingen, sondern auch in Frankfurt geradestehen.

Zur Einstimmung auf die Grußworte folgte eine Präsentation zu zwei Workshops mit Schülerinnen und Schülern, die sowohl zur Lehrerpersönlichkeit wie auch zu Inhalten des Religionsunterrichts ihre Ansichten zusammengetragen hatten. Die drei am häufigsten gewünschten Inhalte waren „Mit Grenzen leben / Sinn des Lebens“, „Vielfalt der Religionen“ sowie die Frage „Was ist der Mensch?“. Begriffe, die beide Workshops mit „Religion“ assoziiert hatten, waren Vielfalt, Schöpfungsgeschichten, Religionsunterricht, Heilige Schriften, Konflikte und Gemeinschaft.

Die Redner äußerten sich auch zur aktuellen Kirchenkritik

Dr. Ralf Stammberger als Vertreter des Bistums Limburg stellte die oft genannte Frage an den Anfang seines Grußwortes: Passt die Gründung eines solchen Institutes noch in die Zeit? Bei sinkenden Mitgliedszahlen der Kirchen und schwindender kirchlicher Bindung werde die kirchliche Anbindung des Religionsunterrichts in Frage gestellt – obwohl sich eine Mehrheit für das Fach im Sinne einer neutralen Religionskunde ausspreche. Er betonte, dass der Religionsunterricht zur Entwicklung einer eigenen Identität und Dialogfähigkeit in die öffentliche Schule gehöre. Mit seinen guten Wünschen für das FIBOR verband er den Hinweis auf den Frankfurter Berufsschulpfarrer Hermann Schlachter, der den Religionsunterricht dort ab 1945 maßgeblich entwickelte. Thomas Knögel vom VKR-Landesverband Hessen überreichte einige Bücher dazu an Prof. Kießling mit dem Zitat Schlachters: „Vergesst mir die Berufsschüler nicht!“

Ulrike Rüger als Vertreterin des hessischen Kultusministeriums begrüßte die Gründung des FIBOR vor allem wegen der großen Bedeutung, die der Religionsunterricht in den beruflichen Schulen habe. Die enorme Heterogenität der Auszubildenden sei eine Herausforderung, wobei das gemeinsame Merkmal „Übergangssituation Jugendalter“ eine enorme Dynamik entfalten könne. Da sei der Religionsunterricht von unschätzbarem Wert, um die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Sie zitierte George Washington: „Religion und Moral sind die Stützen der Gesellschaft.“

Innovationskraft jesuitischer Tradition 

Dr. Andreas Verhülsdonk überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Deutschen Bischofskonferenz zur Eröffnung des FIBOR. Dieses sei eine weitere Etappe auf dem Weg von KIBOR, EIBOR und BIBOR – und ein Zeichen gegen den Trend. Heterogenität der Lerngruppen im konfessionellen Religionsunterricht habe schon die Würzburger Synode 1974 anerkannt. Er hoffe auf die hohe Innovationskraft der jesuitischen Tradition, die diese Hochschule ausstrahlt.

Birgit van Elten als Vertreterin des VKR betonte in ihrem Grußwort die unterstützende Funktion des BRU für eine selbstbestimmte Lebensführung der Schülerinnen und Schüler, indem sie das Assistenzparadigma aus der Heilerziehungspflege anführte. In ähnlicher Weise erhoffe sie sich wissenschaftliche Assistenz des FIBOR für Religionslehrkräfte. Silke Siegmund überreichte ein Tablett mit vielen VKR-Tassen als praktische Starthilfe für das FIBOR-Team, nachdem der VKR sich kürzlich mit einem fünfstelligen Betrag an den Kosten des Instituts beteiligt hatte.

Theo Sprenger gratulierte im Namen der rabs-Redaktion und wünschte dem FIBOR viel Mut und Inspiration für die wichtige Arbeit mit jungen Menschen angesichts der vielfältigen Krisensituationen. Die drängende Frage angesichts der Zerbrechlichkeit des Lebens sei: „Worauf können wir vertrauen?“ Aus eigener Erfahrung als Religionslehrer sei es ihm u.a. wichtig, „Perlen der Erfahrung“ zu erinnern: seltsame, überraschende Ereignisse, Träume und Eingebungen, die eine größere Wirklichkeit durchscheinen lassen.

Zahlreiche Redner überbrachten Glückwünsche

Die AKRK-Vorsitzende Prof. Angela Kaupp überbrachte die Glückwünsche der Religionspädagogen und -Pädagoginnen an Hochschulen. Mit dem Leitwort „Religion trifft Beruf“, das auch über dem FIBOR stehen könnte, verband sie die Erwartung, dass die Forschung zur Didaktik des Religionsunterrichts den Bezug zu den Berufsfeldern herstellen kann. Erzieherische Berufe hätten explizit mit Religion zu tun und müssten religionssensibel ausgebildet werden.

Danach schloss sich das Grußwort von Prof. em. Albert Biesinger an mit seinem Statement: „Gott ist überall, also auch in den Betrieben, Krankenhäusern und Schulen.“ Man würde aus Gott einen Götzen machen, wenn er irgendwo nicht wäre. Auch für Metzger und Frisöre gelte die Verheißung Gottes. Arbeit habe eine existenzielle Bedeutung für das Leben, deswegen sei der Dreiklang Gott – Leben – Religion nicht allein an die Kirche gebunden. Schließlich wandte Biesinger sich an Klaus Kießling: „Klaus, du bist ein Genie an Vernetzung.“ Vielleicht sei der auch deswegen auf die Welt gekommen, um dieses FIBOR zu gründen.

Prof. Friedrich Schweitzer begann sein Grußwort mit einem Loriot-Zitat, kam aber schnell zu einem noch nicht genannten Punkt, der lebendigen ökumenischen Zusammenarbeit der vier Institute. Diese komme zum Ausdruck in gemeinsamen Publikationen, die sich mit Kernfragen des Religionsunterrichts befassten, beispielsweise interreligiöses Lernen, Schülerinterviews über das Leben nach dem Tod sowie deren religionsdidaktische Reflexion. In diesem Sinne wünschte er die Zusammenarbeit fortzusetzen und viel Glück für das FIBOR.

Daran knüpfte Simone Hiller vom KIBOR an, indem sie das Bild von der Familie der Institute entwarf, die alle gemeinsam für die wissenschaftliche Reflexion des Religionsunterrichts stehen. Das jüngste Kind, das FIBOR, sei den anderen hochwillkommen und ein gern gesehener „Spielpartner“. So überreichte sie zusammen mit dem KIBOR-Leiter Prof. Reinhold Boschki fünf wissenschaftliche Spielbälle an das FIBOR: Glaubenskommunikation mit Spiritualität, interreligiöses Lernen, Ausbildung der Kita-Fachkräfte, Digitalität und schließlich Demokratiebildung gegen Antisemitismus. Die Vorfreude auf gemeinsame Projekte war den beiden anzumerken.

Prof. Andreas Obermann vom Evangelischem Institut für berufsorientierte Religionspädagogik in Bonn(bibor) hielt den Hauptvortrag.

 

Prof. Andreas Obermann, Leiter des BIBOR, begann seinen Festvortrag mit dem vergeblichen Versuch, das FIBOR zu googeln. Bemerkenswert sei, dass im Namen des Instituts die Konfession nicht vorkomme, es also eine ökumenische Offenheit naheliege. Ökumenisch wären auch die Gefährdungen des Religionsunterrichts. Die ausscheidenden Babyboomer würden nicht ersetzbar sein, denn es fehlten die Studierenden. Viele, vor allem junge Menschen, fänden den Kirchenaustritt attraktiv. Die mediale Berichterstattung über die Kirchen sei überwiegend kritisch.

All das werde als Argument mit 85% Zustimmung für einen neutralen Religionskundeunterricht genutzt, während das Grundgesetz den konfessionellen Religionsunterricht schütze. Eine Studie zur wahrgenommenen Wirksamkeit des Religionsunterrichts zeige, dass dort ein Ort freier Meinungsäußerung zu fänden sei, der die religiöse Prägung maßgeblich mitbestimme. Die Positionalität und Überzeugungsversuche der Lehrkraft spielten aber eine eher geringe Rolle.

Obermann betonte, der Religionsunterricht müsse die Diversität abdecken, denn gerade die beruflichen Schulen seien ein Schmelztiegel vieler gesellschaftlicher Gruppen. Jenseits von formaler Religionszugehörigkeit verstünden sich 56% als säkular.

Berufsorientierte Aspekte seien vorrangig in der interreligiösen Dialogfähigkeit zu sehen, weil im Beruf so viele verschiedene Weltanschauungen aufeinandertreffen würden. Eine „pluralistische Religionspädagogik“ sei in dem Buch „Dialog und Transformation“ von Gotthard Femor skizziert.

Zur Identitätsbildung durch den Beruf gehört auch die Religion

Zur Identitätsbildung sei der Beruf ein wichtiger Aspekt, sagte Obermann. Struktur, Selbstkonzept und Ansehen werde durch den Beruf gefördert. Aber auch ein negatives Berufsimage könne thematisiert und integriert werden. Berufe liefern Themen im Religionsunterricht, wie Obermann am Beispiel Gerüstbauer erläuterte: "Worauf vertraue ich? So lautet eine wichtige Frage sowohl bei der Arbeit wie auch im Religionsunterricht. Das Projekt einer Frisörklasse mit Bildern von kreativ bemalten Händen zeigt eindrucksvoll, wie sehr Beruf und Identität zusammenhängen."

Den anschließenden Imbiss nutzten viele Gäste noch zum Plaudern und Verabschieden. Das abendliche Festessen rundete die Eröffnungsveranstaltung ab, die wohl allen in lebendiger Erinnerung bleiben wird.

Text: Theo Sprenger

 

Weitere Informationen zum neuen FIBOR finden Sie hier.

oder schreiben Sie an:  fibor@sankt-georgen.de

(ck)

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