(Quelle: privat)

Was lernen Religionslehrkräfte vom heiligen Nikolaus?

Nachrichten | 04.12.2023

Seit einem halben Jahrhundert gibt es die Nikolausaktion im Bistum Trier. Dabei schwärmen Nikoläuse und ihre Engel aus, um Familien und soziale Einrichtungen zu besuchen. Organisiert wird diese Aktion von Magister- und Lehramtsstudierenden der Theologischen Fakultät Trier. Wir haben nachgefragt bei Jonas Reinhardt, Student im Magisterstudium Katholische Theologie, was man als angehende Religionslehrerinnen und -lehrer vom Heiligen Nikolaus lernen kann.

Herr Reinhardt, welche religionspädagogischen und didaktischen Inhalte bündeln sich für Sie in der Person des Heiligen Nikolaus?

Der Heilige Nikolaus steht mehr als jeder andere Heilige für die Nächstenliebe und die Verantwortung für seine Mitmenschen. In der Nikolausaktion geht es uns natürlich darum, religiöse Inhalte zu vermitteln, christliche Werte und diese wichtigen christlichen Moralvorstellungen der Nächstenliebe und Verantwortung zu transportieren.

 

Zur Person: 

Jonas Reinhardt studiert seit 2018 Katholische Theologie im Magisterstudiengang an der Katholischen Fakultät Trier. 2019 nahm er das erste Mal an der Nikolausaktion teil und gehört seit 2020 feste zum Organisationsteam dazu.

 

Welche der Nikolauslegenden sind für Sie die zentralen Geschichten?

Für mich sind das die Legende der Kornvermehrung und die Geschichte der drei verarmten Töchter:

In der Legende vom Kornwunder herrscht gerade Hunger in der Hafenstadt Myra. Nikolaus bittet vorbeireisende Seeleute um Getreide, das für den Kaiser von Konstantinopel bestimmt ist. Nachdem Nikolaus verspricht, dass der Kaiser sie nicht bestrafen wird, gewähren die Seeleute seine Bitte. Und tatsächlich: Als sie in Konstantinopel ankommen, fehlt kein Gramm.

Die zweite Legende handelt von einem Mann, der so arm ist, dass er sich gezwungen sieht, seine Töchter zu verkaufen. Als Nikolaus das hört, schenkt er dem Mann sein Geld und sammelt Spenden, damit den Töchtern ihr Schicksal erspart bleibt. Um den Mann nicht zu kränken, bringt Nikolaus das Geld heimlich in sein Haus.

Diese beiden Legenden transportieren für mich die zentralen christlichen Werte der Nächstenliebe und der Verantwortung, die Nikolaus verkörpert.

 

Die Kinder freuen sich darauf, dass der Nikolaus am Nikolaustag Geschenke bringt. Wie vermitteln Sie den Familien, die Sie besuchen, darüber hinaus die wichtigen Botschaften?

Das Großartige ist, dass wir religionspädagogische Inhalte lebendig werden lassen, indem wir in die Rolle des Nikolaus von Myra schlüpfen. Das hat zur Folge, dass die Kinder viele Fragen stellen. Sie hören zu, wenn wir über Nikolaus sprechen, über sein Leben und seine Geschichten. Wir singen Lieder und machen das Thema Nächstenliebe und Verantwortung für uns selbst und andere lebendig und sichtbar. 

Außerdem lesen wir aus dem „Goldenen Buch“. Dort stehen Dinge drin, die die Kinder gut gemacht haben. Das hebt das Selbstbewusstsein der Kinder und sie sind stolz auf ihre Taten, die der Nikolaus als wertvoll angesehen hat. Wir bringen also religionspädagogische Inhalte in lebendiger Form in die Familien.

 

Und was nehmen Sie selbst als angehende Religionslehrerinnen und -lehrer aus der Erfahrung mit den Kindern mit?

Als angehende Religionslehrerinnen und -lehrer werden viele Kompetenzen entwickelt, die man für den späteren Unterricht braucht. Man lernt, empathisch auf die Kinder und die Familien einzugehen. Man muss sich auf die Methodik der Kinder einlassen.

Vor allem die größeren Kinder haben andere Fragen als die Kleinen. Die Großen wollen mehr über die historische Person des Nikolaus erfahren. Häufig interessieren sie sich auch für die unterschiedlichen Nikolaustraditionen. Wir erfahren: In verschiedenen Altersgruppen werden unterschiedliche Erwartungen an den Nikolaus gestellt, auf die man später als Lehrerin oder Lehrer eingehen muss. Interessant ist, dass sich auch die älteren Kinder auf den Nikolaus einlassen, obwohl sie wissen, dass nur ein verkleideter Student vor ihnen steht.

Außerdem muss man die Geschichte des Nikolaus auch den unterschiedlichen Sozialräumen, in denen man auftritt, anpassen. Dabei ist besonders viel Feingefühl gefragt, weil man in der Rolle des Helfers der Armen auch schnell Grenzen überschreiten und Menschen verletzten kann. In der Rolle des Nikolaus werden pädagogische Fähigkeiten trainiert. Und es ist viel Flexibilität gefragt, die Kinder nach ihrem Alter, ihrem Wissen und ihrem Entwicklungsstand einzuschätzen und dabei ihre Lebenswirklichkeiten oder sozialen Hintergründe zu berücksichtigen.

Und nicht nur die Kinder stehen im Mittelpunkt. Auch die Eltern, Geschwister, Großeltern, Tanten und Onkel sind oft an diesem Abend dabei. Sie alle bilden das Gefüge, indem die Kinder aufwachsen. Sie alle müssen, wenn möglich, in irgendeiner Form in den Besuch des Nikolaus miteingebunden werden.

 

Speziell zum Nikolaustag am 06. Dezember haben wir für Sie Unterrichtsideen und Material zusammengesucht. Schauen Sie doch mal rein in unsere rpp-Nikolaus-Geschenktüte.

 

In diesem Jahr feiert die Nikolausaktion ihr 50-jähriges Bestehen. Sie unterscheidet sich von ähnlichen Aktionen besonders darin, dass sie über Jahrzehnte gewachsen ist und schon eine Tradition entwickelt hat, die von Studentengenerationen weitergetragen wird. Worin liegt da die Stärke für die religionspädagogische Arbeit an Schulen und in sozialen Einrichtungen?

Nikolaus Sein hat auch viel mit Teamarbeit zu tun. Die Nikolausaktion umfasst nicht nur die Besuche bei der Familie. Traditionell beginnt die Aktion mit dem Aussendungsgottesdienst der Nikoläuse und ihrer Engel. Der christliche Wert der Nächstenliebe wird also in einem Gottesdienst schon auf ein „Traditionspodest“ gestellt und sinnbildlich in die Welt gesendet.

Die Teilnahme ist also mit der Verantwortung um die richtige Vermittlung der Nächstenliebe verbunden. Und das funktioniert nur mit guter Teamarbeit und einem hohen Maß an Teamfähigkeit: Ein Nikolaus und sein Engel müssen bei den Besuchen zusammenarbeiten. Wir haben hier eine teambasierte Aktion, einen Auftritt, in dem das spielerische Miteinander von Nikolaus und Engel stimmen muss.

Und natürlich ist auch die Teamarbeit mit allen organisatorischen Kräften um die Nikolausaktion herum wichtig. Aus diesem Grund veranstalten wir auch zur Vorbereitung eine Nikolausfortbildung, in der wir uns über Erfahrungen und Fallstricke unterhalten. Wie Sie sich vorstellen können, gibt es auch im Unterricht vor einer Schulklasse Dinge, die man unbedingt vermeiden sollte, damit die Kinder auch weiterhin dem Unterricht folgen.

Ein Interview von Claudia Klein

 

 

Informationen und weiterführende Links: 

Die Nikolauskation im Bistum Trier wurde 1973 von Studenten des Priesterseminars gegründet. Damals waren etwa 50 Priesteramtsanwärter beteiligt.

Im Laufe der Zeit hat sich die Aktion weiterentwickelt. Heute ist sie im Mentorat der Laientheologinnen und -theologen angesiedelt und wird von Magisterstudierenden und von Lehramtsstudierenden der Katholischen Theologie und anderer Studiengänge sowie von ehemaligen Nikoläusen organisiert und durchgeführt. 

Das Mentorat wird zur Nikolauszentrale, in der sich ein Organisationsteam von etwa 40 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern darum kümmert, dass zwischen 20 und 30 Studierende in die Rolle des Nikolaus oder eines Engels schlüpfen können. 

Der eigentliche Nikolaustag wird vorbereitet und begleitet von einer Reihe Veranstaltungen: Ein gemeinsamer Gottesdienst mit dem Weihbischof bildet den Start der Aktion. Die Nikolaus-Telefonzentrale informiert und koordiniert die Besuche von etwa 80 bis 100 Familien. Die Nikolausschulung, die Liebfrauenaktion und die Weihnachtsbäckerei bilden weitere Bausteine. Am abschließenden Nikolausabend wird evaluiert und das Spendenergebnis verkündet. 

Hier geht es zur Nikolausaktion im Mentorat der Laientheologen Trier. 

Hier geht es zur Theologischen Fakultät Trier.

Hier geht es zum Bistum Trier.

(ck)

 

 

 

 

 

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