(Quelle: Erzbistum Paderborn/Thomas Throenle)

Missio Canonica: Religionspädagogik aus Überzeugung

Nachrichten | 02.11.2023

Im Paderborner Dom haben 52 neue Religionspädagoginnen und -pädagogen die Missio Canonica erhalten. Im Erzbistum Paderborn unterrichten 5300 Religionslehrkräfte jede Woche 18.500 Stunden katholische Religion. Was motiviert die neu beauftragten Religionslehrkräfte für die Zukunft?

„Religion“ ist an Schulen in Deutschland ein ordentliches Unterrichtsfach. Lehrerinnen und Lehrer studieren an staatlichen Universitäten Theologie, um das Fach unterrichten zu können. Im Erzbistum Paderborn – von Minden im Norden bis nach Siegen im Süden und von Höxter im Osten bis nach Herne im westlichen Ruhrgebiet – besuchen rund 185.000 katholische Schülerinnen und Schüler an allen Schulformen den Religionsunterricht. Wöchentlich werden 18.500 Stunden katholischer Religionsunterricht an 1.550 Schulen von 5.300 katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrern erteilt.

Was motiviert zur Religionslehrerin oder zum Relgionslehrer?

Christoph Dohmann unterrichtet am Hanse-Berufskolleg in Lemgo Katholische Religion und Mathematik. Der Pädagoge schätzt am Religionsunterricht die Möglichkeiten, auf die Lebensfragen von Schülerinnen und Schülern einzugehen. Auch gesellschaftliche Fragen können im Religionsunterricht mit den Schülerinnen und Schülern diskutiert werden. „Wenn in solche Diskussionen die Perspektive des Glaubens eingebracht wird, eröffnen sich neue Antwortmöglichkeiten“, ist Christoph Dohmann überzeugt. Er selbst hat an den Schulen der Brede, die vom Erzbistum Paderborn getragen werden, „guten“ Religionsunterricht erlebt, was mit ein Grund dafür war, dass er nun selbst Religionslehrer ist.

Christoph Dohmann vom Hanse Berufskolleg in Lemgo mit Diözesanadministator Msgr. Dr. Michael Bredeck.

Die Fächer Biologietechnik und Religion unterrichtet Verena Aagten am Paul-Ehrlich-Berufskolleg in Dortmund. Den Religionsunterricht erlebt sie als eine Chance, eigene Meinungen auszutauschen, neue Perspektiven aufzuzeigen, sich zu öffnen, auch für religiöse Fragen. „Im Religionsunterricht lassen sich Antworten entdecken in der christlichen Religion. Aber auch andere Einstellungen und Religionen haben ihren Platz.“ Für Verena Aagten bedeutet Barmherzigkeit die Offenheit für andere Lebensentwürfe der Schülerinnen und Schüler: „Jede und jeder ist willkommen und wertvoll.“

Verena Aagten: "Auch andere Einstellungen und Religionen haben im Religionsunterricht ihren Platz." 

Herzens-Projekt Religionsunterricht

Alisa Schwarz hat in Paderborn die Fächer Deutsch und Religion studiert, unterrichtet diese an den Schulen der Brede in Brakel und an der St. Michael Realschule in Paderborn – beide Schulen werden vom Erzbistum Paderborn getragen. „Religionsunterricht ist mir ein Herzens-Projekt“, erklärt Alisa Schwarz. „Schülerinnen und Schüler haben oft wenig Kontakt zur Religion oder haben oft auch Vorurteile.“ Hier sei es ihr wichtig, offen miteinander zu sprechen, den Blick zu weiten und Grenzen zu sprengen. Alisa Schwarz betont, der kritische Blick von Schülerinnen und Schülern sei ein Mehrwert, denn er sei die Grundlage dafür, den Blick zu weiten und möglicherweise einen Zugang zur Religion zu finden. Der Pädagogin ist es ein Anliegen, den Lernenden mit Barmherzigkeit entgegenzutreten, sie so zu sehen, wie sie sind, Begabungen herauszulocken, Meinungen zu schärfen und Schülerinnen und Schülern stark zu machen.

Alisa Schwarz möchte im Religionsunterricht Vorurteile abbauen und die Grundlage für offenen Diskussionen schaffen.

Am Carl-Severing-Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Bielefeld unterrichtet Christian Watermann Wirtschaftswissenschaften und Religion. Er schätzt den Religionsunterricht, weil sich in ihm die Schülerinnen und Schüler aber auch er selbst als Person einbringen können. „Religionsunterricht ist offener Austausch!“ Barmherzigkeit bedeutet für Christian Watermann, ein offenes Ohr zu haben für alle Anliegen, andere Meinungen nicht nur gelten zu lassen und darüber zu sprechen, vielmehr Meinungen und Positionen stark zu machen.

Christian Watermann: "Religionsunterricht ist offener Austausch!"

Barmherzigkeit – offenes und warmes Herz

Geografie und Theologie hat Georg Pelzer studiert, er unterrichtet an der Helene-Lohmann-Realschule in Witten. Das Fach Religion wird hier nach dem Modell des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts den Schülerinnen und Schülern nahegebracht. Georg Pelzer schätzt den Austausch mit den evangelischen Kolleginnen und Kollegen sowie die ökumenische Perspektive. Barmherzigkeit hat für Georg Pelzer mit Warmherzigkeit zu tun: „Ein offenes, warmes Herz ist in der Schule unerlässlich“, betont Georg Pelzer. Kälte und Druck, auch Leistungsdruck, seien oft auch in der Schule zu erleben. „Barmherzigkeit ist ein Gegenpol dazu.“

Elisabeth Stracke hat in Siegen studiert, unterrichtet an der Sekundarschule Olpe-Drolshagen die Fächer Mathematik und Religion. In ihrem Religionsunterricht möchte Elisabeth Stracke den Schülerinnen und Schülern eine andere Welt erschließen, ihnen vermitteln, dass sie nicht allein sind, ihnen auch eine Auszeit vom Schulalltag ermöglichen. Durch Rollenspiele macht sie beispielsweise biblische Geschichten für die Kinder und Jugendlichen erlebbar, „so dass sie die Nähe Gottes im eigenen Leben entdecken und spüren können“. „Barmherzigkeit bedeutet für mich, mit offenen Armen – so wie der biblische ‚barmherzige Vater‘ – auf andere Menschen zuzugehen, jedem Menschen Mitgefühl zu schenken“, erläutert die Pädagogin.

Fördern und Stärken

Mit den Begriffen Sensibilität und Offenheit beschreibt Alexandra Fisch ihren Religionsunterricht. Die Grundschullehrerin unterrichtet an der Marienschule Sundern. Sie möchte den Kindern die Möglichkeit geben, Religion kennen zu lernen, ihnen auch die Erfahrung von Kirche ermöglichen, fragt mit ihnen gemeinsam nach der „Traum-Kirche“. Barmherzigkeit bedeutet für Alexandra Fisch, im Blick zu haben, dass sich die Kinder in der Gemeinschaft gegenseitig unterstützen und fördern. „Im jahrgangsübergreifenden Unterricht der ersten und zweiten Klasse helfen die Schülerinnen und Schüler einander, unterstützen sich, bringen sich mit ihren Begabungen und Fähigkeiten ein, fördern und stärken andere – und damit auch sich selbst“, erklärt Grundschullehrerin Alexandra Fisch.

Paulina Gleiche unterrichtet an der Wilhelm-Oberhaus-Schule in Herford. Nachdem sie vier Jahre lang als Grundschullehrerin tätig war, absolvierte sie den Zertifikatskurs „Katholische Religionslehre“ und freut sich nun, die kirchliche Unterrichtserlaubnis entgegenzunehmen. „Der christliche Glaube ist mir nahe, ich möchte den Glauben Kindern weitergeben“, erläutert Paulina Gleiche. „Im Religionsunterricht eröffnet sich aufgrund seiner Themen und der möglichen Offenheit ein ganz anderer, neuer Raum. Beziehungen werden aufgebaut, Vertrauen und Zutrauen sind wichtig. ‚Barmherzigkeit‘ ist ein anderer Begriff dafür“, unterstreicht Paulina Gleiche. Barmherzigkeit sieht die Grundschullehrerin als Maßstab und Orientierung für das eigene Verhalten und Leben – auch im Blick auf die Schülerinnen und Schüler.

Ein Gott der Barmherzigkeit

Diözesanadministrator Monsignore Dr. Michael Bredeck bekräftigte den Wert der bildenden, verkündigenden und vermittelnden Arbeit von Religionslehrerinnen und Religionslehrern sowie des Religionsunterrichts, er präge die Persönlichkeit, thematisiere grundsätzliche Fragen und stärke Menschen auf ihrem Lebensweg. „Barmherzigkeit“ sei für den Schulalltag „enorm bedeutend“, für den Religionsunterricht „essenziell“, für die anderen Fächer wichtig, sagte der aktuelle Leiter des Erzbistums Paderborn in seiner Predigt im Paderborner Dom. Wer wisse und akzeptiere, dass er selbst begrenzt sei, könne mit der Begrenztheit der Anderen barmherziger umgehen und möglicherweise in ihnen das wecken, was auf den ersten Blick nicht schon da ist. Wer Gottes Barmherzigkeit spüre und um seine eigene Begrenzung wisse, werde auch die Schwächen anderer nicht dramatisieren und versuchen, sie in Stärke zu verwandeln, vertiefte Diözesanadministrator Dr. Bredeck. Gott zeige sich als ein Gott der Barmherzigkeit und wünsche, dass Menschen barmherzig sind und barmherzig handeln.

Die neu beauftragten Religionslehrerinnen und Religionslehrer mit Monsignore Dr. Michael Bredeck im Paderborner Dom.

Zum Abschluss seiner Predigt stellte Diözesanadministrator Dr. Michael Bredeck heraus, Religionslehrerinnen und Religionslehrer „tragen viel dazu bei, dass das Leben von jungen Menschen an Tiefe und Weite gewinnt. Bei Ihnen als Religionslehrkräften, in Ihrem Religionsunterricht, können Kinder und Jugendliche das bekommen, was ihre Seele stärkt und sie groß macht im Leben.“

Begegnung und Vernetzung

Dompropst Monsignore Joachim Göbel unterstrich als Leiter des Bereichs Schule und Hochschule im Erzbischöflichen Generalvikariat die Bedeutung der Religionslehrerinnen und -lehrer: „Als Erzbistum Paderborn sind wir uns sehr bewusst, dass Religionslehrkräfte für Schülerinnen und Schüler oftmals die primären Kontaktpersonen zum Glauben und zur Kirche sind.“ Daher sei es dem Erzbistum Paderborn ein Anliegen, seinen 5.300 Religionslehrkräften ein breites Portfolio an Unterstützung anzubieten, bekräftigte Dompropst Göbel. Der Gewinn eines regelmäßigen Religionsunterrichts sei insbesondere in Zeiten der Veränderung, der Verunsicherung und der Krise für Schülerinnen und Schüler hoch. Dieser „Mehrwert des Religionsunterrichts“ dürfe nicht durch andere Zwänge, beispielsweise durch den Mangel an Lehrkräften für den Unterricht in anderen Fächern, beeinflusst werden.

Hier geht es zur Religionspädagogik im Erzbistum Paderborn.

Weitere Informationen zum Erzbistum Paderborn: www.erzbistum-paderborn.de

(ck)

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