(Quelle: © Koelnmesse GmbH, Thomas Klerx)

Auftakt auf der Bildungsmesse

Nachrichten | 08.06.2022

Die didacta in Köln hat ihre Tore geöffnet. Vom 7. bis 11. Juni können sich Interessierte über aktuelle Angebote und Trends aus allen Bereichen der Bildung informieren. Am gemeinsamen Stand der Kirchen startete das Programm am ersten Messetag mit Einblicken in Themen wie Schule in Krisenzeiten, rassismussensible Kinderbibeln, Schulseelsorge via Chat und die Herausforderungen religiöser Bildung.

 

Schulbuchverlage, Bildungsinstitutionen, Technik-Start-Ups: Mehrere hundert Aussteller sind auf der didacta 2022 in Köln vertreten. Neben aktuellen Angeboten aus den Bereichen frühe Bildung, Schule und Hochschule bis hin zur Erwachsenenqualifizierung stehen in diesem Jahr auch die Chancen der Digitalisierung im Fokus. Wo stehen wir bei der Digitalisierung unseres Bildungssystems? Sind unsere Bildungseinrichtungen auf eine neue Pandemie jetzt besser vorbereitet? Wie qualifizieren wir Mitarbeitende hinreichend für die Zukunft? Wie begegnen wir dem Fachkräftemangel? Wie soll die Schule der Zukunft aussehen und was wird sie leisten müssen? Diese und viele weitere Fragen sind Thema des vielfältigen Messeprogramms mit Podiumsdiskussionen, Workshops und Vorträgen.

Krisenmanagement in der Schule

Einige dieser Themen standen auch am gemeinsamen Stand der evangelischen und der katholischen Kirche bereits am ersten Tag der Bildungsmesse auf dem Programm. Als erster Redner sprach Harald Karutz, Professor für psychosoziales Krisenmanagement an der Medical School Hamburg, über die Relevanz der Krisenfestigkeit von Schulen. „Wir haben es in der Schule ja eigentlich permanent mit Krisen zu tun“, sagte Karutz angesichts großer regionaler und globaler Herausforderungen wie die Flutkatastrophe im Ahrtal, dem Krieg in der Ukraine, der Corona-Pandemie und der Klimakrise. Insgesamt gebe es noch wenig Kompetenz im Umgang mit solchen Herausforderungen, die in ihrer Komplexität, Dauer und Dynamik neue Erfahrungen seien und über die es wenig gesichertes Wissen gebe. Karutz machte sich dafür stark, das Krisenthema wahr- und ernst zu nehmen und ihm einen Raum im Alltag zu geben. „Oft wird versucht, den Schulbetrieb wie gehabt aufrechtzuerhalten. Nur eben mit Maske“, kritisierte der studierte Pädagoge, Psychologe und evangelischer Theologe. Aber man komme nicht einfach daran vorbei und müsse in solchen Situationen vom Gewohnten abweichen dürfen. Abschließend sagte Karutz, er wünsche sich, dass Schulen in Krisenzeiten zu „Oasen von Sicherheit und Schutz“ würden.

Schulseelsorge via Chat

Anschließend gaben Sabine Lindemeyer und Ralf Peter Reimann von der Evangelischen Kirchen im Rheinland (EKiR) Einblicke in das Projekt ´Schulseelsorge via Chat´. Im Rahmen eines Workshops berichteten sie von der Bedeutung niederschwelliger Formate in der Seelsorge und der Verzahnung von Bedürfnissen – in diesem Fall der Schülerinnen und Schüler – und den digitalen Vorgaben sowie den Bestimmungen des Datenschutzes. Inzwischen gebe es für das Chat-Angebot, das im Lockdown während der Corona-Pandemie entstanden war, bereits Überlegungen zur Ausweitung auf regionale und bundesweite Ebene.

Theodizeefragen in Versform

Für einige nachdenkliche Momente während des Messetrubels sorgten die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Evangelische Religion am Theodor-Fliedner-Gymnasium in Düsseldorf. Die Jugendlichen präsentierten einige ihrer selbstgeschriebenen Poetry-Texte zum Thema „Not.Krieg.Tod.-Wo bist du Gott“.

Jesus war eine Person of Colour

Wie sah Jesus eigentlich aus? Und wie wird er in Kinderbibeln dargestellt? Marion Keuchen, Professorin für Evangelische Religionspädagogik an der Universität Paderborn, begleitet als wissenschaftliche Beraterin das Projekt „rassismussensible Kinderbibel“. Am Stand der Sonderschau hat sie Interessierte in ihrem Beitrag „Jesus war eine Person of Colour“ mit auf eine Reise durch die Geschichte der verschiedensten Jesus-Darstellungen genommen. Darüber hinaus blickte sie auch auf die Darstellungen von Alter, Geschlecht und Körperformen in Kinderbibeln.

Oliver Reis auf dem „Roten Sofa“

Den Abschluss des ersten Messetages bildete das Gesprächsformat „Das rote Sofa“. Als erster Gast nahm Oliver Reis, Professor für Religionspädagogik unter besonderer Berücksichtigung von Inklusion am Institut für Katholische Theologie der Universität Paderborn, auf dem roten Möbelstück – am Dienstag ausnahmsweise ein Sessel – Platz. Im Talk mit Moderator Daniel Schneider sprach der promovierte Theologe und Religionspädagoge über Ansprüche an Religionslehrerinnen und Religionslehrer sowie die Herausforderungen von religiöser Bildung innerhalb der Schullandschaft. Er müsse sich in seiner Arbeit mit angehenden Religionslehrkräften stets überlegen, mit was er seine Studierenden beschäftigen könne, das eine Bedeutung für ihren Schulalltag hat. Manchmal sage er zu seinen Studierenden: „Das was ich hier mit Ihnen mache, hilft Ihnen nicht in der normalen Unterrichtspraxis.“. Es gehe darum auszuhalten, „Dinge in den Rucksack zu packen, die man erst viel später herausholt“, erklärte Reis.

 

 

Professor über Herausforderungen für Religionslehrkräfte

Eine große Herausforderung am Religionsunterricht sehe er in der „Positionalität“, also „die Person im Unterricht sichtbar zu machen. Unterricht zu machen, wo Menschen mit ihrer Position vorkommen“, sagte der Theologe und Religionspädagoge. Junge Lehrkräfte unterschätzen seiner Meinung nach oft, dass sie selbst zu ihrer Meinung angefragt würden, auch als Vertreterinnen und Vertreter von Kirche. Daher solle im Theologiestudium noch viel mehr trainiert werden, sprachfähig zu sein und sich zu äußern. Auf die Frage des Moderators, was ihm Hoffnung mache, antwortete Reis: „Die Zerrüttung (in der katholischen Kirche, Anm. d. Red.) finde ich in gewisser Weise großartig. Dass wir Dinge grundlegend in Frage stellen.“ In den kommenden Messetagen werden noch Gäste wie Filmregisseur Sönke Wortmann, Pfarrer Franz Meurer sowie Theologin und Poetry-Slammerin Veronika Rieger auf dem „Roten Sofa“ Platz nehmen.

Weitere Informationen zum Programm der gemeinsamen Sonderschau „Kirche auf der Bildungsmesse“ und der didacta finden Sie auf der Website des Kirchenstands und in unseren Nachrichten.

 

Von Maike Müller

 

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