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Umfrage: Religionslehrer sehen Distanz zur Amtskirche

Nachrichten | 15.02.2022

Die katholischen Religionslehrkräfte an Gymnasien, Gesamt- und Berufsschulen empfinden laut einer Umfrage eine große Distanz zur Amtskirche. Mehr als drei Viertel (81 Prozent) gaben demnach an, dass ihre Identifikation in den vergangenen Jahren abgenommen habe. Insgesamt nahmen 2340 Religionslehrerinnen und Religionslehrer an der am 2. Februar in Köln und Tübingen veröffentlichten Befragung teil.

 

Die Online-Umfrage wurde von den Bundesverbänden der katholischen Religionslehrerinnen und Religionslehrer an Gymnasien (BKRG) und an Berufsbildenden Schulen (VKR) durchgeführt. Nach eigenen Angaben hätten sich innerhalb von fünf Tagen rund 2.500 Lehrkräfte daran beteiligt. Anlass für die Befragung war die dritte Vollversammlung des Synodalen Wegs, die von 3. bis 5. Februar in Frankfurt tagte. Die Ergebnisse sollten konstruktiv in die Reformprozesse des Dialogformats eingebracht werden, um die die Perspektive der Religionslehrerinnen und -lehrer als „größter Gruppe akademischer Laientheologinnen und -theologen – in diesen Diskussionen nicht außen vor zu lassen“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Bundesverbände zur Umfrage.

Befragte: Kirche durch Missbrauchsaufarbeitung unglaubwürdig

Für drei Viertel der Befragten ist die Kirche durch ihre Missbrauchsaufarbeitung unglaubwürdig geworden. Rund zwei Drittel finden, diese gehe zu schleppend voran. Nach Ansicht der Lehrkräfte stehen zudem jeweils 48 Prozent der Schülerinnen und Schüler den Positionen der Kirche in den für sie relevanten Themen distanziert oder gleichgültig gegenüber. Insgesamt 27 Prozent der Befragten denken laut Umfrage manchmal und 15 Prozent öfter über eine Rückgabe der Missio canonica, der kirchlichen Lehrerlaubnis für den Religionsunterricht, nach. Mit einem Kirchenaustritt befassen sich 34 Prozent gelegentlich und 9 Prozent ernsthaft.

Große Erwartungen in Synodalen Weg

Große Erwartungen setzen die Lehrkräfte in den Reformdialog Synodaler Weg der katholischen Kirche in Deutschland. Neun von zehn gaben an, dass Reformsignale von dort für ihre Rolle als Religionslehrkraft und für ihre Identifikation mit der Kirche "dringend notwendig" seien.

Statement aus dem Bistum Limburg

Ebenso haben sich die Verantwortlichen des Dezernats Bildung im Bistum Limburg zu den aktuellen Herausforderungen für Religionslehrkräfte geäußert. „Sie sind tagtäglich den Anfragen, dem Ärger und dem Unverständnis von Schüler*innen, Kolleg*innen und Eltern ausgesetzt. Immer wieder werden Sie mit den Themen Machtmissbrauch, Hierarchie und überkommener Sexualmoral konfrontiert und müssen Stellung beziehen“, heißt es in dem Schreiben vom 3. Februar an die Religionslehrkräfte und Lehramtsstudierenden der katholischen Theologie des Bistums. Die Verfasser um Franz-Josef Straßner, Abteilungsleiter Religionsunterricht und religionspädagogische Ämter, fordern eine „notwendige und radikale Erneuerung der Kirche“.

Für den Bereich der Religionspädagogik bedeute dies besonders eine Reform der Zugangswege zum Erhalt der Missio canonica, der kirchlichen Lehrbefugnis. „Wir fordern daher von der Leitung des Bistums, dass sie die Loyalität der Studierenden der katholischen Theologie und Religionslehrer*innen zur katholischen Kirche an der Identifikation mit dem Evangelium und nicht an bestimmten persönlichen Lebensformen misst“.

(mam)

 

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