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Modellprojekt für Religionsunterricht in Zittau

Nachrichten | 21.10.2021

Mit Beginn des Schuljahres 2021/22 wird es am Christian-Weise-Gymnasium in Zittau konfessionell-kooperativen Religionsunterricht geben. Der Modellversuch läuft über zwei Jahre und ist in dieser Form erstmalig in Sachsen. Bereits im Vorfeld hatte es an der Zittauer Schule fächerverbindende Projekte gegeben, an die der gemeinsame Religionsunterricht nun anknüpfen kann.

 

Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz, Bildungsdezernent in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, freut sich: „Es ist gut, dass wir im Bereich des Religionsunterrichts neue Erfahrungen sammeln können, wie religiöses Wissen in Kooperation von katholischen und evangelischen Lehrkräften vermittelt werden kann. Ich freue mich sehr, dass es bei den Lehrkräften in den Fächern Evangelische Religion und Katholische Religion am Christian-Weise-Gymnasium schon seit einigen Jahren gute und vielfältige Erfahrungen mit fächerverbindenden, z.T. öffentlichen Projekten gibt, so dass hier das Modellprojekt gut anschließen kann. Und ich bin der Schulleitung sowie der Lehrer- und Schulkonferenz dankbar, dass sie dies ermöglicht haben.“ So werde beispielsweise die Reformationsgeschichte der Oberlausitz im Lehrplan des Gymnasiums aufgegriffen, das in der humanistischen Bildungstradition des frühaufklärerischen Wirkens des protestantischen Theologen, Philosophen und Pädagogen Christian Weise (1642-1708) stehe. Die Toleranz der Zittauer Bürger in der nachreformatorischen Zeit habe die Kultur- und Bildungstraditionen der Stadt Zittau nachhaltig geprägt.

Gemeinsamkeiten hervorheben, Unterschiede erklären

Ordinariatsrat Christoph Bernhard, Leiter der Hauptabteilung Schulen und Hochschulen im Katholischen Ordinariat des Bistums Dresden-Meißen, erläutert, dass in den letzten Monaten die Lehrkräfte zusammen mit den Fachberatern der Fächer Evangelische und Katholische Religion sowie Vertretern des Bischöflichen Ordinariates und des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes sehr intensiv und mit hohem Engagement die Lehrpläne der Klassen 7 und 8 überarbeitet und auf die Situation vor Ort angepasst hätten, so dass der Freistaat nun diesen Modellversuch genehmigt habe. Er betont: „Es geht nicht darum, ein neues Fach zu schaffen, sondern das Lernangebot für den konfessionellen Religionsunterricht gemäß Grundgesetz und Verfassung des Freistaates Sachsen zu verbessern. Dabei sollen die Gemeinsamkeiten der Konfessionen hervorgehoben und bestehende Unterschiede ökumenisch sensibel erklärt sowie der gute Umgang mit Unterschieden eingeübt werden.“

Bereits 2002 hatten das Bistum Dresden-Meißen und die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens eine Vereinbarung zur konfessionellen Kooperation unterzeichnet, die eine „ökumenische Verpflichtung“ und „Notwendigkeit konfessioneller Kooperation“ der beiden Fächer Evangelische Religion und Katholische Religion festlegt. Im Positionspapier vom 19. Januar 2019 haben Bischof Heinrich Timmerevers (Bistum Dresden-Meißen) und der damalige Landesbischof der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens Carsten Rentzing sich dafür ausgesprochen, in ausgewählten Modellschulen konfessionellen Religionsunterricht in konfessionell-kooperativer Form zu erproben.

Modellversuch als Beispiel und Anreiz für andere Schulen

Der Modellversuch am Christian-Weise-Gymnasium in Zittau soll ein Beispiel und Anreiz für andere Schulen werden, neue Formen der Unterrichtsorganisation auszuprobieren. Daher ist auch eine Evaluierung geplant. Über die Fortsetzung des Religionsunterrichts in konfessionell-kooperativer Form entscheiden dann das Sächsische Staatsministerium für Kultus, das Landesamt für Schule und Bildung, das Bistum Dresden-Meißen und die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens auf der Grundlage der Evaluationsergebnisse gemeinsam.

(mam)

 

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