(Quelle: Koelnmesse GmbH, Thomas Klerx)

Potenziale statt Defizite

Nachrichten | 26.02.2019

Schule hat eine Seele: Unter diesem Motto waren die katholische und die evangelische Kirche mit einem gemeinsamen Stand auf der Bildungsmesse didacta in Köln vertreten. Während der Messetage gaben Bildungsakteure aus Politik, Kirche und Gesellschaft Einblicke in ihre Arbeit und stellten sich am Donnerstag auf der Bühne des „Forum didacta aktuell“ den Fragen von Moderator Daniel Schneider.

Was braucht Schule, damit sie gelingen kann? Und wann hat sie eine Seele? Über diese Fragen diskutierten Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Gabriele Vogt, Schulleiterin der Bischöflichen Montessori-Gesamtschule in Krefeld, und Franz Meurer, Pfarrer aus Köln, am 21. Februar auf der didacta in Köln. „Schule kriegt erst eine Seele, wenn sie im Veedel verwurzelt ist. Sie muss kommunal gedacht werden“, erklärte Meurer. Der katholische Geistliche arbeitet in den Stadtteilen Vingst und Höhenberg, die als „Problembezirke“ gelten. Dort initiierte er bereits zahlreiche Aktivitäten, wie eine Kleiderkammer, eine Essensausgabe und eine Ferienfreizeit für Kinder und Jugendliche.

Meurer: „Was kann den Kindern nützen?“

Wenn sich das Viertel nicht für seine Schule und die Lehrerinnen und Lehrer einsetze, funktioniere nichts, ergänzte Meurer. Zudem kritisierte er, dass zwei Schulen in seinen Stadtteilen in diesem Jahr das Schulobst gestrichen worden sei. Höhenberg und Vigst, wo er als katholischer Gemeindepfarrer tätig ist, gehören zu den ärmsten Stadtteilen Kölns. „Wir müssen hemmungslos von den Kindern her denken. Was kann den Kindern nützen?“ Dafür sei es wichtig, dass die Beteiligten ihre Wünsche äußerten.

 

v.l.: Manfred Rekowski, Gabriele Vogt, Daniel Schneider, Franz Meurer; © Maike Müller

 

Rekowski: „Schule sehr viel mehr als ein Bildungsbetrieb“

Auch Rekowski betonte: „Es geht immer um ein Miteinander im Viertel, miteinander mit der Gemeinde, miteinander ökumenisch.“ Schule sei dabei mehr als ein Bildungsbetrieb. Es gehe vielmehr um Menschen, denen man gerecht werden müsse. Die Schlüsselfiguren für eine gelingende Schule seien die Lehrpersonen. „Dann reichen nicht ein paar mehr Tablets. Dann brauchen wir auch massive Investitionen ins Schulpersonal, in die Schulsozialarbeit“, betonte Rekowski.

Vogt: „Nur miteinander kann Schule gelingen“

Gabriele Vogt ergänzte, der Anspruch auf Schule sei natürlich, Bildung zu vermitteln und die Schüler auf das Leben vorzubereiten, „aber gleichzeitig auch einen Ort zu bieten, an den sie sich als ein Stückchen Heimat zurückerinnern.“ Besonders wichtig sei auch die Verbindung von Schule und Gesellschaft. „Nur im Miteinander kann Schule gelingen und da ist jede Person, wie sie ist, absolut wertvoll und auch nötig“, so die Schulleiterin der katholischen Gesamtschule.

Potenziale statt Defizite

Neben den strukturellen Gegebenheiten mache aber auch der „Schulspirit“ den Unterschied, betonten die Bildungsexperten aus Theorie und Praxis auf der Bühne. Manfred Rekowski plädierte dafür, nicht auf die Defizite, sondern auf die Potenziale der Schülerinnen und Schüler zu schauen. Auch Pädagogin Vogt, warb dafür, im Schulalltag immer wieder gemeinsam um Lösungen zu ringen. „Ich finde, das ist die absolute Aufgabe von Schule, Schüler zu stärken, Seelen zu stärken.“ Und Pfarrer Meurer sagte abschließend "Die Lehrer sind immer Vorbild. Wir müssen dafür sorgen, dass man stolz darauf ist, dass man auf dieser Schule ist."

Die Kirche auf der Bildungsmesse in Köln

An allen Messetagen der didacta 2019 gaben Pädagogen, Politiker und Bildungsakteure Einblicke in Themen rund um kirchliche Schulen, Religionsunterricht, Schulseelsorge, Inklusion, Integration und Digitalisierung. Auch der konfessionell-kooperative Religionsunterricht, zu dem sich bereits einige deutsche Bistümer verpflichtet haben, wurde thematisiert. Die beiden Kirchen gehörten zu den rund 800 Ausstellern aus 40 Ländern, die in diesem Jahr in Köln vertreten waren. Thematisch deckte die Messe die Bereiche „Frühe Bildung“, „Schule/Hochschule“, „Berufliche Bildung“ und „Digitales“ ab.

(mam)

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