Neues Material: Judentum

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Nachrichten - 24.04.2018

Die Kultusministerkonferenz (KMK) und der Zentralrat der Juden in Deutschland haben bei einer gemeinsamen Fachtagung in Berlin eine neue Internetseite mit Materialien zur Vermittlung des Judentums in der Schule vorgestellt. Die kommentierte und kuratierte Sammlung soll Lehrkräfte und Ausbildungsverantwortliche dabei unterstützen, die Vielfältigkeit des Judentums abzubilden.

Materialsammlung

Der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Kultusministerkonferenz haben am 8. Dezember 2016 eine „Gemeinsame Erklärung zur Vermittlung jüdischer Geschichte, Religion und Kultur in der Schule“ verabschiedet, um im schulischen Alltag die Vielfältigkeit des Judentums sichtbar zu machen. Dabei haben sich beide Institutionen auf die Erstellung einer kommentierten Materialsammlung verständigt, die Lehrkräfte bei der Vermittlung der Thematik unterstützen soll.

Die Auswahl der Materialien deckt die Themenfelder der Gemeinsamen Erklärung ab. Sie gliedert sich die in Themenbereiche

- „Jüdische Geschichte und Gegenwart“ mit den Unterkapiteln „Jüdische Geschichte“, „Nationalsozialismus und Schoah“ und „Jüdisches Leben heute“

- „Jüdische Religion“

- „Antisemitismus“ einschließlich Antijudaismus und Antizionismus

- „Israel“ einschließlich der Geschichte des Staates Israel und des Nahostkonflikts

Die Materialien sind nach Schulstufen differenziert und didaktisch aufbereitet. Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht. Hinweise auf weitere Materialien sind willkommen.

 

Fachtagung

Bei der Tagung zu jüdischer Geschichte, Religion und Kultur kamen Experten zu dem Ergebnis, dass eine gezielte und verpflichtende Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern und Referendaren zu den Themen Antisemitismus sowie Judentum ein wesentlicher Beitrag zur Bekämpfung und Vorbeugung von Antisemitismus unter Schülerinnen und Schülern wäre. Der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, rief in diesem Zusammenhang gegen Antisemitismus zu Aufklärung auf.

Zur Eröffnung der Tagung erklärte der Präsident der KMK und Bildungsminister von Thüringen, Helmut Holter: „In der Schule wird das Judentum vor allem in Zusammenhang mit der Schoah thematisiert. Das ist und bleibt unerlässlich. Aber es muss um viel mehr gehen, um die wichtige Rolle des Judentums in der deutschen und europäischen Geschichte und Kultur, um die Vielfalt jüdischen Lebens in unserer heutigen Zeit. Ich bin überzeugt, dass ein solch umfassender Ansatz einen wichtigen Beitrag für das Verständnis und den Abbau von Vorurteilen leistet. Zumal wenn Möglichkeiten der Begegnung mit dem Judentum geschaffen werden, wozu wir alle gerne ermuntern möchten, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten.“

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, betonte: „Alleine kann niemand von uns auch nur im Ansatz die Situation verbessern. Wir als jüdische Gemeinschaft brauchen im Kampf gegen den Antisemitismus ebenso die Unterstützung der gesamten Gesellschaft und der Politik wie die Schulen. Mit gezielter Fortbildung müssen wir die Lehrkräfte zu ,Stoppt-Antisemitismus-Experten‘ machen.“

Bei der Fachtagung in der Landesvertretung Thüringen diskutierten Fachleute in fünf Foren verschiedene Aspekte der Frage, wie die jüdische Geschichte, Religion und Kultur in der Schule besser vermittelt werden kann. Dabei ging es zentral um die Bekämpfung von Antisemitismus und judenfeindlichen Stereotypen.

Prof. Dr. Micha Brumlik, emeretierter Erziehungswissenschaftler und Publizist, gab zum Ende der Tagung die Überlegung mit auf den Weg, dass es unerläßlich sei für alle Lehramtsstudierenden, Grundkenntnisse über die abrahamitischen Religionen zu erlangen.

 

Hintergrund

Das Judentum hat die deutsche und europäische Kultur und Geschichte in vielfältiger Weise mitgeprägt. Im schulischen Unterricht und in Schulbüchern und anderen Bildungsmedien wird allerdings oft nur auf einzelne Elemente oder wenige historische Epochen verwiesen. Daher haben der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Kultusministerkonferenz bereits 2016 gemeinsam eine Erklärung erarbeitet, die diesem entgegenwirken soll. Mit dieser Erklärung setzen sie sich dafür ein, die Vielfältigkeit des Judentums im schulischen Alltag sichtbar zu machen. Eine vermehrte Einbindung jüdischer Geschichte, Religion und Kultur in verschiedene Fächer und Jahrgangsstufen soll dazu beitragen, Schülerinnen und Schülern anhand ausgewählter Themen ein lebendiges und differenziertes Bild des jüdischen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart zu vermitteln. Dazu sollen auch persönliche Begegnungen mit Jüdinnen und Juden ermöglicht werden. Die Entstehungsgeschichte des Staates Israel sowie seine besondere Bedeutung für Jüdinnen und Juden soll ebenso Gegenstand des Unterrichts sein.

Dafür wurde nun für die Lehrerinnen und Lehrer, denen bei der Umsetzung dieser Erklärung die entscheidende Vermittlerrolle zukommt, zur Unterstützung und auch Ermunterung die neue Internetseite mit didaktisch aufbereiteten Materialien zu den einzelnen Themenbereichen der gemeinsamen Erklärung erarbeitet.

Grußwort des Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Minister Helmut Holter

Grußwort des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster

 

(un)

 

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