(Quelle: Ev. Kirche von Westfalen)

Ökumene gestalten

v.l.n.r.: Annette Kurschus, Dietmar Arends, Hans-Josef Becker
Nachrichten | 06.10.2017

Die evangelischen Kirchen und die katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen wollen ihre Zusammenarbeit zukünftig weiter vertiefen. Im Rahmen des Tages für Lehrerinnen und Lehrer am 29. September in Dortmund haben Vertreter der Kirchen dazu einen gemeinsamen Aufruf unterzeichnet. Der Lehrertag fand in diesem Jahr erstmalig mit katholischer Beteiligung statt. Rund 750 Lehrer aller Schulformen waren der Einladung gefolgt.

„Am Ende des 500-jährigen Reformationsjubiläums beziehungsweise Reformationsgedenkens möchten wir die Nachhaltigkeit des ökumenischen Handelns und des gemeinsamen Weges in die Zukunft noch einmal ausdrücklich unterstreichen“, erklärte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker im Rahmen des Lehrertages in Dortmund. Gemeinsam mit der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, und Landessuperintendent Dietmar Arends als Vertreter der Lippischen Landeskirche unterzeichnete er die gemeinsame Erklärung „Ökumenisch Zukunft gestalten“.

Ökumene als gemeinsamer Auftrag

Bereits seit vielen Jahren habe in und zwischen den Kirchen eine Bewegung eingesetzt, die aufeinander zugeführt und Mut gemacht habe, weitere Schritte zu tun, sagte Becker. Auch Kurschus begrüßte die verstärkte Kooperation: „500 Jahre nach der Reformation ist es an der Zeit, dass aus den vielen kleinen Schritten an vielen unterschiedlichen Orten ein verabredeter und verbindlicher gemeinsamer Weg nach vorne wird.“ Ökumene sei ein gemeinsamer Auftrag, die Herausforderungen gemeinsam zu bearbeiten, die sich den Kirchen gleichermaßen stellen, heißt es in der Erklärung.

Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht

Die Unterzeichner verpflichten sich unter anderem, „die konfessionelle Zusammenarbeit im Religionsunterricht aller Schulformen entsprechend zur Vereinbarung zwischen dem Erzbistum Paderborn, der Lippischen Landeskirche und der Evangelischen Kirche von Westfalen zur Kooperation im Religionsunterricht zu intensivieren.“ Die jetzt in Dortmund unterzeichnete Vereinbarung ist bereits die dritte in NRW. Bereits im Januar und Juni hatten die evangelischen Landeskirchen Westfalen und Rheinland entsprechende Erklärungen mit den Bistümern Essen und Münster unterzeichnet.

Bildung braucht Religion - Religion braucht Bildung

Unter dem Motto „Bildung braucht Religion – Religion braucht Bildung“ hatte die westfälische Landeskirche zum Tag der Lehrerinnen und Lehrer eingeladen, der alle vier Jahre stattfindet. Dieses Mal wurde die Veranstaltung erstmalig in Kooperation mit dem Erzbistum Paderborn und dem Bistum Münster ausgerichtet.

 

 

Seine religiösen Traditionen kennen

„Wer den Glauben privatisiert, ignoriert systematisch einen gesellschaftlichen Faktor ersten Ranges, verbannt ihn in die Hinterköpfe und Hinterhöfe und lässt ihn dort mit sich allein“, sagte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen bei der Begrüßung der rund 750 Lehrerinnen und Lehrer in der Dortmunder Reinoldikirche. Weil Gott, Glaube und Religion in dieser Welt vorkommen, sollten sie auch in der Schule vorkommen, sagte Kurschus weiter. Sie sprach sich damit gegen einen „neutralen“ Religionskundeunterricht aus. Es gehöre zur religiösen Bildung, die eignen religiösen Traditionen zu kennen. „Einen besseren Schutz gegen plumpen Fundamentalismus und gegen die dünnen und gefährlichen Phrasen religiöser Vereinfacher gibt es nicht“, erklärte die Präses.

Mehr als religionskundliches Fachwissen

Auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer bezeichnete den Religionsunterricht als ein „identitäts- und sinnstiftendes Angebot“, das über religionskundliches Fachwissen weit hinausgehe. In ihrem Grußwort beschrieb sie es als Ziel religiöser Bildung, aus der eigenen religiösen Identität heraus den anderen „respektvoll, tolerant und neugierig zu begegnen.“ Diesem Ziel diene auch der jüngst beschlossene und ab 2018 mögliche Religionsunterricht in evangelisch-katholischer Kooperation sowie der weitere Ausbau des islamischen Religionsunterrichts.

Ein ökumenisches Signal

Wolfgang Huber, der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), nannte die evangelisch-katholische Zusammenarbeit im Religionsunterricht eines der wichtigsten ökumenischen Signale im Jahr des Reformationsjubiläums 2017. „Ich hoffe darauf, dass dieser Schritt zu weiteren ökumenischen Schritten ermutigt“, sagte der ehemalige Berliner Bischof während des von ihm gehaltenen Hauptvortrages in der Reinoldikirche.

 

 

Über die Mittagszeit konnten sich die Teilnehmer auf einem Markt der Möglichkeiten über Schulkonzepte, Ideen für den Unterricht und die Bildungsarbeit oder Angebote verschiedener Verlage zum Religionsunterricht informieren. Auch das religionspädagogische Portal rpp-katholisch.de war dort präsent. Danach haben sich Interessierte in verschiedenen Workshops über aktuelle pädagogische Themen wie Schulseelsorge und Spiritualität, digitales Lernen oder die Zukunftsfähigkeit des Religionsunterrichts ausgetauscht. Parallel diskutieren Expertinnen und Experten aus Religionspädagogik und Politik.

(mam)

Folgen Sie rpp-katholisch.de via     Facebook     Twitter     Newsletter