(Quelle: © Koelnmesse GmbH, Ludolf Dahmen)

Podiumsdisskussion: Bildung gerecht gestalten

Nachrichten | 13.06.2022

Schule hat eine Seele: Unter diesem Motto waren die katholische und die evangelische Kirche mit einem gemeinsamen Stand auf der Bildungsmesse didacta 2022 in Köln vertreten. Während der Messetage gaben Bildungsakteure aus Politik, Kirche und Medien Einblicke in ihre Arbeit und stellten sich am Freitag auf der Bühne des „Forum didacta aktuell“ den Fragen von Moderator Daniel Schneider zum Thema „Bildung gerecht gestalten“.

 

Wie gelingt es, Bildung gerecht zu gestalten? Und wann hat Schule eine Seele? Über diese und weitere Fragen diskutierten logo!-Moderatorin Linda Joe Fuhrich, ARD-Moderatorin und Schauspielerin Shary Reeves, der Kölner Weihbischof Ansgar Puff, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland Thorsten Latzel und Ulrich Wehrhöfer, Leiter des Planungsstabes im nordrhein-westfälischen Bildungsministeriums, am 10. Juni auf der didacta in Köln.

„Glaube und Zuversicht sind große Kräfte“ – Ulrich Wehrhöfer

Mit Blick auf das Diskussionsthema Bildungsgerechtigkeit erinnerte sich Shary Reeves eingangs an ihre eigene Schulzeit und besonders an eine Lehrerin, die sie sehr unterstützt und gefördert habe. „Wenn alle Lehrer so wären wie Hilde, würde Schule total viel Spaß machen“, sagte die Moderatorin und Schauspielerin, die als Schülerin die katholische Ursulinenschule in Köln besucht hat. Auch Ulrich Wehrhöfer berichtete, er habe in seiner Schulzeit viel Unterstützung von Lehrern sowie von seiner Mutter erfahren. „Ich finde, Zuversicht und Glaube sind große Kräfte“ sagte der Leiter des Planungsstabes, der im Anschluss an die Realschule das Gymnasium besucht hatte.

Shary Reeves: Bildung ist ein „Goldschatz“

Anschließend gab Wehrhöfer Einblicke in die unmittelbaren Reaktionen des NRW-Bildungsministeriums auf den Angriffskrieg auf die Ukraine. Die erste Frage sei gewesen: Wie gehen die Schülerinnen und Schüler mit der Situation um? Dabei sei es eine Aufgabe gewesen, Lehrerinnen und Lehrern Zugang zu Unterrichtsmaterial zu ermöglichen. Danach stand die Frage im Raum, was mit den Geflüchteten Kindern aus der Ukraine passiere. Was den aktuellen Stand der Bildungsgerechtigkeit angeht, bescheinigte der Leiter des Planungsstabs dem Land NRW keine guten Noten. „Wir sind von Bildungsgerechtigkeit meilenweit entfernt in NRW“, so Wehrhöfer. Teilweise verschärfe sich diese sogar noch. Shary Reeves erklärte daran anknüpfend, sie bezeichne Bildung in ihrer Arbeit mit Grundschulkindern immer als „Goldschatz“, den einem keiner mehr wegnehmen könne. Der oft gesagte Satz, dass Kinder alles werden könnten, was sie wollten, stimme ihrer Meinung nach hingegen nicht, da die Herkunft und das Elternhaus den Bildungserfolg weiterhin maßgeblich bestimmten.

 

© Koelnmesse GmbH, Ludolf Dahmen

 

Linda Joe Fuhrich: Kinder haben ein Recht auf Informationen

logo!-Moderatorin Linda Joe Fuhrich machte sich im weiteren Diskussionsverlauf für das Recht von Kindern auf altersgerechte Informationen stark. Grundsätzlich gebe es in der Redaktion der Kindernachrichtensendung logo! keine Tabuthemen, sagte die Journalistin. Wenn sie über Themen wie Rassismus oder Transkinder berichte, gebe es auch teilweise Kritik von Zuschauern und die Frage komme auf, ob man in den Kindernachrichten darüber informieren müsse. „Natürlich muss man damit bei den Jüngsten anfangen“, sagte Fuhrich. Bei manchen Themen entscheide sich die Redaktion aber dafür, nicht sofort zu berichten, um das Geschehene sensibler einordnen zu können. „Wir haben eine große Verantwortung“, sagte die Moderatorin und ergänzte: „Kinder leben mit in unserer Welt. Und da passieren Dinge, die nicht schön sind. Darauf muss man Kinder vorbereiten.“

Thorsten Latzel betonte Bedeutung der Schulseelsorge

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland Thorsten Latzel hob im Laufe des Gesprächs die Rolle der Schulseelsorge besonders hervor. Es sei wichtig, „Leute zu haben, die auf den Menschen achten und darauf, dass wir gut miteinander umgehen“, so der evangelische Theologe. Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff bekräftigte Latzels Aussagen und betonte „Person kommt vor Funktion.“ Als Beispiel dafür, dass sich das Erzbistum Köln für Bildungsgerechtigkeit in sozial benachteiligten Stadtteilen einsetze, nannte Puff den neu gegründeten Bildungscampus in Köln-Kalk. Ein Ziel sei es, dass bei den Übergängen innerhalb der Schule niemand verloren ginge. Der Bildungscampus solle zudem eine Begegnungsstätte für Menschen des Stadtteils sein.

„Person kommt vor Funktion“ – Ansgar Puff

Auch Ulrich Wehrhöfer warb dafür, dass Schule nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Lebensort sein solle. Er sei diesbezüglich zuversichtlich, „weil viele Schulen bereits ein sehr ganzheitliches Verständnis von Schule als Lebensort praktizieren. Sie sind da manchmal weiter als die Politik.“ Er plädierte dafür, dass der Bildungsbegriff die Sinnfrage miteinschließe. Weihbischof Ansgar Puff nannte es „das Fragezeichen im Herzen und nicht das Multiple-Choice-Verfahren“. Kirchenpräses Thorsten Latzel warnte vor einer Instrumentalisierung der Bildung. Er glaube, dass der Religionsunterricht „etwas ganz Wesentliches“ dafür leiste, dies zu vermeiden. Abschließend forderte Wehrhöfer die Kirchen dazu auf, sich wieder stärker in der Bildungspolitik zu Wort zu melden und auch auf andere Gruppen und Religionsgemeinschaften zuzugehen.

Die Kirche auf der Bildungsmesse in Köln

An allen Messetagen der didacta 2022 gaben Pädagogen, Politiker und Bildungsakteure Einblicke in Themen rund um kirchliche Schulen, Religionsunterricht, Schulseelsorge und Digitalisierung. Die beiden Kirchen gehörten zu den rund 550 Ausstellern aus 55 Ländern, die in diesem Jahr in Köln vertreten waren. Thematisch deckte die Messe die Bereiche „Frühe Bildung“, „Schule/Hochschule“, „Berufliche Bildung“ und „Digitales“ ab.

Von Maike Müller

 

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