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Kummer, Krise, Katastrophe – Warum lässt Gott das zu?

Schwerpunkt | 08.01.2024

Krise hat viele Gesichter: Schülerinnen und Schüler bringen ihre ganz persönlichen kleinen und großen Tragödien in den Unterricht. Oft genug sitzt Gott dann auf der Anklagebank und die Religionslehrkraft schlüpft in die Rolle der Seelsorgerin oder des Seelsorgers. Was kann man tun, um Schülerinnen und Schüler in der Ohnmacht zu unterstützen? Schauen Sie doch mal rein! 

Die Frage nach dem Übel und dem Leid in der Welt ist die Herausforderung, der sich alle Religionen stellen müssen. Geht es doch nicht weniger um die fundamentale Frage, die Glauben und Religion rechtfertigt und gleichermaßen zerstören kann. Letztendlich gibt es keine eindeutige Antwort auf die Frage: Warum passieren so viele schlimme Dinge, warum hat Gott nicht auf uns aufgepasst?

Auch wir aus der rpp-Redaktion haben die Antwort darauf noch nicht gefunden. Doch bei unseren Recherchen sind wir auf Unterrichtsideen und -material gestoßen, dass Ihnen die Behandlung der Frage im Unterricht erleichtern soll. 

 

Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufe I+II

 

  • Auf www.lehrerfortbildung-bw.de finden Sie im Bereich des kompetenzorientierten Religionsunterrichts Interreligiöses Lernen am Beispiel des Dialogs zwischen Christen und Muslimen (Kl. 7/8) einen umfangreichen Schwerpunkt zum Grundbegriff der Theodizee aus christlicher, jüdischer und islamischer Perspektive. Prof. Dr. Alexander Loichinger, Fundamentaltheologe und Religionswissenschaftler an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz, Prof. Dr. Daniel Krochmalnik, jüdischer Religionspädagoge an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, und Prof. Dr. Bülent Ucar, islamischer Religionspädagoge an der Universität Osnabrück führen mit ihren Aufsätzen in das Thema ein. 

 

  • Ein umfangreicher Unterrichtsentwurf für die Klassenstufen 11 und 12 findet sich auf www.lehrerfortbildung-bw.de. Klassisch nähert sich die Unterrichtseinheit der Problematik mit der Frage: Wo war Gott in Ausschwitz? Ein didaktischer Kommentar und zwei Einstiegsvarianten führen schließlich zur jüdische Antwort der Theodizee-Frage und zur Antwort durch die katholische und die evangelische Theologie. 

 

 

 

    

NEU vom irp: die Ausgabe des Magazins I&M, die Zeitschrift für den katholischen Religionsunterricht an Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen und sozialpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren, behandelt das Thema Leid im Religionsunterricht. Hier geht es zum ausführlichen Artikel und zur kostenlosen Leseprobe.

 

  • Aus dem Bistum Limburg: Zwischen Religion und Wahrheit. Eulenfisch Praxis Nr. 22, 2019. Dieses Praxisheft des Bistum Limburg für die Oberstufe, verfasst von Martin Belz, behandelt Fragen der Theodizee, des Relativismus und Agnostizismus und der Auseinandersetzung des II. Vatikanischen Konzils mit den Religionen. Empfohlen und geeignet für die Sekundarstufe II.

 

 

Von unserem rpp-Redakteur Dr. Karl Vörckel, für die Sekundarstufe II:

 

  • Eine Unterrichtsidee Theodizee: Theodizee in den Formulierungen von Lactantius, Leibniz, Büchner, Nietzsche – die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich die Bedeutung der Schlüsselbegriffe Macht/Allmacht, Güte/Barmherzigkeit, Böse/Übel und Leiden. Sie vergleichen das logische Problem der Theodizee mit dem menschlichen Problem des Leidens. 
  • Vier Texte zur Theodizeefrage: Auch hier erfolgt der Zugang über die bekannten Philosophen Lactantius, Leibniz, Büchner und Nietzsche. Der Einstieg kann über zwei Methoden erfolgen: über das Textblatt selbst oder, indem man die Formulierung der Philospohen zur Diskussion stellt. 
  • Unterrichtsidee und Präsentation Krise und Religion: Die Unterrichtsidee besteht aus den folgenden Einzelaktionen: Abrahams Krise (Genesis 18,22-33), Bedeutung des Wortes krisis in der Bibel, Börsencrash und Sturmfolgen, Beschreibungsweisen: Krise, Katastrophe, Skandal, Problem und Metaphern des Leids. Passende Folien dazu finden Sie in der Präsentation.
  • Informationsblatt Krisis in der Bibel: Das Informationsblatt zeigt das Spektrum an Bedeutungen des griechischen Wortes krisis und erklärt die Zusammenhänge von Recht, Gerechtigkeit und Bund, Sündenvergebung sowie der Krisis, die als Geburtswehen einer kommenden Welt beschrieben wird.
  • Arbeitsblatt Aktuelle Krise: Finanzkrise und Klimakrise werden charakterisiert. Dann sollen die Lernenden selbst recherchieren, was es mit diesen und anderen Krisen auf sich hat. Schließlich sollen sie den Sprachgebrauch reflektieren: Was bedeutet es genau, von Krise, von Katastrophe, von Problem oder von Skandal zu reden? 
  • Ukrainekrieg: Die Debatte in den Kirchen: Dieses Informationsblatt kann den Lernenden zur Übersicht angeboten werden oder dank der Quellenangabe zur weiterführenden Recherche. Neben einem kurzen Nachrichtenüberblick und der Benennung der Hauptfragen der Debatte kommen zu Wort: Richard David Precht, Andriy Melnyk, Margot Käßmann, Peter Kohlgraf und Papst Franziskus. 
  • Dossier: Der Ukrainekrieg und die Verantwortung der Kirche. Der Text beschreibt die kirchliche Situation in der Ukraine und führt in die Stellungnahmen der wichtigen Protagonisten ein: Metropolit Onufri von der ukrainisch-orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchat, Metropolit Epiphanius von der nationalen autokephalen ukrainisch-orthodoxen Kirche und Partiarch Kyrill I. von Moskau und der gesamten Rus. Eine kurze Bewertung von Dagmar Heller hilft bei der Einordnung der Stellungnahmen. Das Dossier dient als Diskussionsanstoß und vielleicht als Impuls für weitere Recherchen und Reflexionen.
  • Krieg - Religion - Philosophie: Das sechsseitige Arbeitsblatt schildert in knapper Form die Vorstellungen über den Krieg seit der Antike. Auf der letzten Seite sind verschiedene Stellungnahmen noch einmal in thesenartiger Form zusammengestellt. Das Arbeitsblatt eignet sich zur Bearbeitung in Untergruppen und als Anregung zur Diskussion.

 

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Eine  Übersicht über die Unterrichtsmaterialien von Dr. Karl Vörckel und dessen Einordnung im Lehrplan finden Sie im OnlineUnterrichtsWerk (OUW).

 

 

  • Warum lässt Gott das Leid zu? – Video, ca 10 Minuten: Rainer Oberthür, Dozent für Religionspädagogik am Katechetischen Institut (KI) des Bistums Aachen, fragt die KI von ChatGPT: "Warum lässt Gott das Leid zu?", empfohlen für Sek. I (Klasse 5-7), Sek. I (Klasse 8-10), Sekundarstufe II, Berufliche Schulen, Jugendarbeit, Aus- & Fortbildung.

  • "Woher kommt das Gute und warum gibt es das Böse?": Der 12-jährige Friedrich stellt seinem Religionslehrer in einem Brief die Frage nach dem Leid in der Welt – ein Beispiel für einen möglichen dialogischen Einstieg für den Religionsunterricht in eine Unterrichtseinheit, die sich mit der Theodizeefrage beschäftigt. Der Lehrer bietet verschiedenen Antwortmöglichkeiten an und diskutiert sie mit seinem Schülerinnen und Schülern. - Ein möglicher Unterrichtseinstieg von Rainer Oberthür für die Grundschule und die Klassen 5 bis 7.

 

Über Kinder und ihre Krisen 

Im Religionsunterricht finden die großen Fragen von "kleinen Leuten" ihren Platz. Lehrerinnen und Lehrer müssen sie beantworten. Warum sollte die Theodizeefrage unbedingt ein Thema im Religionsunterricht sein? Wir haben nachgefragt bei Rainer Oberthür, Autor und Dozent für Religionspädagogik am Katechetischen Institut (KI) des Bistums Aachen. Schauen Sie doch mal rein!

 

  •  aus der Herder Verlag- Zeitschrift Christ in der Gegenwart 11/2022: Der Krieg fordert Opfer. Werden sie es bleiben? – Im Herzen Europas tobt Krieg. Wie kann Gott die Gewalt zulassen? Je stärker der Glaube ist, desto mehr schmerzt es auszuhalten, dass es keine befriedigende Antwort geben kann. Die Seligpreisungen machen klar, dass Gott den Opfern Recht verschaffen wird. Es gibt ein Ende allen Leidens – das gibt Hoffnung, wider alle Hoffnungslosigkeit. empfohlen für Klasse 8-10. Sekundarstufe II und Berufliche Schulen.

 

 

 Unser Unterrichtsmaterial auf einen Blick

 

Primarstufe

Sekundarstufe I

Sekundarstufe II

 

 

 

Buchempfehlung

 

Navid Kermani: Der Schrecken Gottes. Attar Hiob und die metaphysische Revolte

Navid Kermani zeigt, dass sich Judentum, Islam und Christentum, mit denselben Fragen herumschlagen, wenn es um das Liebesverhältnis zu Gott und die Erfahrungen des Lebens geht. Hier geht es zur Rezension.

 

Mit Schülern über die Theodizeefrage diskutieren: Passend zur Buchrezension hat rpp-Redakteur Dr. Karl Vörckel Zitatkarten entwickelt, die zum debattieren über die "Frage aller Fragen" anregen. Schauen Sie doch mal rein in das Material: Karten mit Zitaten aus "Der Schrecken Gottes" von Navid Kermani. 

 

Filme der Medienzentralen

 

  

Die Natur des Bösen

Dokumentation, Deutschland 2012, 44 Min., ab 15 Jahren

Was ist gut, was ist böse? Können Menschen schlecht sein – oder sind nur ihre Taten böse? Das fragt die Dokumentation und begleitet auf der Suche nach einer Antwort einen Theologen, einen Kriminologen, einen Psychologen und eine Kriegsfotografin, die sich bei ihrer Arbeit mit dem Bösen auseinandersetzen: Eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Frage nach Ursprung, Sinn und Unsinn des Bösen.

>>> dieser Titel zu finden in unserer rpp-Datenbank 

  

 

A seroius man

 

Spielfilm, USA/GB/Frankreich 2009, 105 Min., ab 15 Jahren

Über einen biederen College-Dozenten bricht das geballte Unheil herein. Als er seinen Job und seine Familie zu verlieren droht und obendrein auch noch einen Prozess mit seinem Nachbarn sowie seinem renitenten Bruder am Hals hat, stellt er sich und den Rabbis seiner Gemeinde verzweifelt die Frage nach dem Sinn all dieser Übel. Eine an die biblische Hiobsgeschichte angelehnte schwarze Komödie, in der alles Rationale den Zweifeln des Mystischen ausgesetzt wird, ohne dass eine transzendente Größe als sinnstiftende Instanz die Absurdität der geschilderten Situation auffangen würde.

>>> dieser Titel zu finden in unserer rpp-Datenbank

  

 

Theodizee - Gott und das Leid

Dokumentarfilm, Deutschland 2012, 25 Min., ab 14 Jahren

Wie kann Gott angesichts des Leids in der Welt als zugleich gut und allmächtig gedacht werden? Diese Frage, die unter dem Begriff Theodizee verhandelt wird, gilt als eine der größten theologischen Herausforderungen. Am Beispiel zweier Menschen, deren Glaube auf eine existenzielle Probe gestellt wurde, wird die Thematik einerseits konkret-biografisch aufgegriffen und andererseits mit zentralen theoretischen Positionen zur Theodizeefrage ins Gespräch gebracht. Der Film regt dadurch zur Auseinandersetzung mit einer komplexen Problemstellung und zur Einübung in theologisches Denken an.

>>> dieser Titel zu finden in unserer rpp-Medienliste zum Thema Dreiinigkeit, Gottesbild, Theodizee

  

 

GOTT von Ferdinand von Schirach

Spielfilm, Deutschland 2020, 90 Min., ab 14 Jahren

Wem gehört unser Leben? Und wer entscheidet über unseren Tod? In dem großen TV-Event „GOTT von Ferdinand von Schirach“ wird in einem fiktionalen Ethikrat über diese Fragen diskutiert. Es geht um den Fall eines 78-jährigen, kerngesunden Mannes, der sein Leben durch ein Medikament und mit Hilfe seiner Ärztin beenden will. Rechtlich ist das nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts möglich. Die ethische Debatte darüber ist noch nicht beendet. Wie bei „TERROR – Ihr Urteil“, einem der erfolgreichsten Fernsehereignisse der letzten Jahre, sind auch diesmal die Zuschauer wieder aufgerufen, multimedial abzustimmen und mitzudiskutieren.

>>> dieser Titel zu finden in unserer rpp-Datenbank und der rpp-Medienliste.

 

 

Hintergrundinformationen

Der Aufsatz Warum? Das Leiden als Frage an Gott in Islam und Christentum von Anja Middelbeck-Varwick von der Universität Tübingen thematisiert die unterschiedlichen Positionen vor dem Hintergrund der Theodizee als Thema einer interreligiösen Bezugnahme. Er informiert über die grundsätzlichen und grundlegenden Positionen und Auffassungen des Leids und zur Theodizeefrage aus christlicher und islamischer Richtung.

Im wissenschaftlich-religionspädagogischem Lexikon WiReLex der deutschen Bibelgesellschaft finden Sie einen Aufsatz Theodizee zum Stellenwert und der Bedeutung der Theodizeefrage für die Religionspädagogik. Die Autorin Eva-Maria Stögbauer-Elsner bezieht sich hier auch auf biblische Sinnfiguren und setzt sie in Beziehung zu Sinnfiguren von Kindern und Jugendlichen. Angehängt ist ein umfangreiches Literaturverzeichnis. 

 

 

Hier finden Sie unser Unterrichtsmaterial zum Thema Krieg 

 

  

 

Hier geht es zum rpp-Schwerpunkt zur Ukraine:

Wir haben Hintergrundinformationen, Tipps für Gespräche mit Kindern über Krieg, Handlungsoptionen und konkretes Unterrichtsmaterial zusammengestellt.

Schauen Sie doch mal rein!

Unser Schwerpunkt zum Krieg:

Der Krieg zwischen in der Ukraine und im Nahen Osten lässt Kinder viele Fragen stellen. Wie sollen Lehrerinnen und Lehrer diesen Fragen im Unterricht begegnen?

Schauen Sie doch mal rein!

 

 

 

Auch ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Tipps zum Umgang mit Bildern oder Falschmeldungen

 

  

In Unserem Artikel Resilient durchs Leben über das Religionspädagogische Institut Heilbronn (RPI) und die Initiative klicksafe im Digital Europe Programm (DIGITAL) der Europäischen Union haben wir für Sie Tipps zum Umgang mit Bildern und Fakenews. 

 

  

Im Schwerpunkt zum Ukraine-Krieg stellt das Jugendmagazin Magazin fluter Menschen vor, die in unterschiedlicher Weise betroffen sind: als Flüchtling, Opfer oder als Akteur in der urkainischen Gesellschaft. Zum Thema Krieg behandelt die Seite in einem Schwerpunkt, was Terrorbilder mit uns machen, und wie wir am besten mit ihnen umgehen.

 

 

 

 

Leben in Krisenzeiten: Was kann der Religionsunterricht beitragen?

Klimawandel, Ukraine-Krieg, Corona-Pandemie: Junge Menschen sind heute mit vielfältigen Krisen konfrontiert. Im Interview mit Claudia Gärtner, Professorin für Praktische Theologie an der Technischen Universität Dortmund. Sie beschäftigt sich mit religiöser Bildung für nachhaltige Entwicklung. Sie plädiert für einen stärker politisch ausgerichteten Religionsunterricht und zeigt, welche Ressourcen das Fach für ein Leben in und mit Krisen birgt.

(ck)

Bitte beachten Sie: 

Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann diese Liste nicht erheben. Weitere Materialhinweise ergänzen wir gerne. Schreiben Sie uns: redaktion@rpp-katholisch.de.

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