(Quelle: stock.adobe.com/daliu/Bistum Dresden-Meißen/Privat)

Drei Fragen an...

Nachrichten | 23.06.2025

… Franziska Mellentin. Unsere Kooperationspartnerin im Bistum Dresden-Meißen hat im März 2024 als Nachfolge von Regina Nothelle die Leitung der Hauptabteilung Schule und Hochschule angetreten. Die Gymnasiallehrerin für die Fächer Religion und Deutsch hat in dieser neuen Funktion „einen großen Blumenstrauß an Aufgaben“ übernommen.

 

Frau Mellentin, nach einem Jahr in der Hauptabteilung im Bereich Religionspädagogik: Mit welchen Herausforderungen sind Sie in Ihrem Bistum konfrontiert?

Wir leben hier in einer extremen kirchlichen Diaspora-Situation – und das war schon immer so. Im Sachsen gibt es etwa 4 Prozent Katholikinnen und Katholiken, knapp 20 Prozent sind evangelische Christinnen und Christen. Zusätzlich haben wir – wie alle anderen Bistümer – mit dem demografischen Wandel, dem Rückgang der Zahl der Getauften und den damit einhergehenden abnehmenden Schülerzahlen im Religionsunterricht zu tun.

Das bedeutet, dass der Religionsunterricht, der schon immer schwierig zu organisieren war, jetzt noch mühsamer umzusetzen ist. Die Gruppen für den Religionsunterricht außerhalb der Schulen in kirchlicher Trägerschaft Schulen werden oft kleiner. An den bischöflichen Schulen – insgesamt haben wir sechs im Bistum Dresden-Meißen – ist der Religionsunterricht im Stundenplan zweistündig enthalten. An den staatlichen Schulen sieht es da ganz anders aus. Dort sind kleine, teilweise jahrgangs- oder schulübergreifende, teilweise auch schulartübergreifende, Lerngruppen für den katholischen Religionsunterricht eingerichtet, der oft nur einstündig stattfindet. Vereinzelte dieser Gruppen funktionieren seit Jahren recht gut und sind stabil. Doch es gibt auch Regionen, in denen die Organisation wirklich schwierig ist. Und darin besteht eigentlich die größte Herausforderung: Organisationsformen für den Religionsunterricht zu finden, die eine religiöse Bildung auch nachhaltig sichern.

Zur Person: 

Franziska Mellentin wurde in der DDR nicht zum Abitur zugelassen und erlernte zunächst den Beruf der Krippenerzieherin. Nach der politischen Wende arbeitete sie als Referentin im Jugendhaus des Bistums Dresden-Meißen und holte in dieser Zeit das Abitur auf der Abendschule nach. Sie studierte an der TU Dresden Katholische Theologie und Germanistik auf Lehramt und Magister und wurde Gymnasiallehrerin für Deutsch und Katholische Religion. Seit über 20 Jahren lehrt sie am St. Benno-Gymnasium in Dresden. Seit März 2024 ist sie mit einer Teilabordnung als Referentin für Religionspädagogik in der Hauptabteilung Schulen und Hochschulen im Bistum Dresden-Meißen tätig. Diese Funktion übt sie in Teilzeit aus und unterrichtet weiter mit reduziertem Deputat.

Die Kombination der Lehrerinnenrolle und der Arbeit in der Fachabteilung empfindet Franziska Mellentin als Bereicherung: „Denn es ist mir sehr wichtig, weiterhin Lehrerin zu sein, damit man den Kontakt zu den jungen Menschen sowie zu Kolleginnen und Kollegen nicht verliert“, sagte sie im Gespräch mit den rpp-Redakteurinnen.

 

 

Welche speziellen Organisationsformen gibt es in Ihrem Bistum, die diesen Entwicklungen entgegenwirken?

Wir sind mit der Evangelischen Landeskirche Sachsens in engem Kontakt, um auszuloten, wie ein gemeinsam verantworteter Religionsunterricht aussehen könnte. Konfessionell-kooperativen Religionsunterricht gibt es seit 2019 als Modellprojekt.

Ab dem kommenden Schuljahr bieten wir als Pilotprojekt einen online basierten katholischen Religionsunterricht für die 9. und 10. Klasse an: KathReliOnline. Die Thüringer haben KathReliOnline seit 2019 erfolgreich erprobt und die Modellphase bereits abgeschlossen. Weil unser Bistum in Teilen auch auf Thüringer Gebiet liegt, ist KathReliOnline für diesen Bistumszipfel ratifiziert. Ich freue mich sehr, dass der Freistaat Sachsen auf uns zugekommen ist und dieses Modell auch für die weiteren Teile des Bistums einführen will.

Daran wird deutlich, dass zu meinen Aufgaben die Zusammenarbeit mit den staatlichen Institutionen wie z.B. dem Kultusministerium gehört, so wie es die „Res mixta“ fordert. Ich bin dankbar für die ausgesprochen gute Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen und ebenso mit der Evangelischen Landeskirche Sachsens.

Zusätzlich habe ich noch andere Aufgaben, die jede oder jeder in diesem Verantwortungsbereich hat: Erteilen der Vorläufigen Kirchlichen Bevollmächtigung, bzw. Missio canonica, die Abnahme von Prüfungen zum II. Staatsexamen, das Ringen um kirchliche Lehrkräfte, Organisation und Durchführung von Fortbildungen, Newsletter und vieles mehr. Insgesamt also ein großer Blumenstrauß an neuen Aufgaben, der seit März 2024 auf mich zugekommen ist.

 

Die Organisationsform KathReliOnline hat sich im Bistum Erfurt vor allem deswegen bewährt, weil es zur regionalen Situation passt. Inwieweit sind denn Modelle und Formen des Katholischen Religionsunterrichts, die in anderen Regionen erprobt bzw. durchgeführt werden, auf das Bistum Dresden-Meißen übertragbar?

Natürlich muss geprüft werden, was in unsere Region und zu unserer Situation passt. Wir können nicht einfach irgendein Modell übernehmen, das sich anderswo bewährt hat. Deswegen haben beide Kirchen eine Arbeitsgemeinschaft eingesetzt, die dieses und kommendes Schuljahr Ideen ausarbeitet, wie das Fach Religion aussehen und gestaltet werden könnte. Der Arbeitstitel lautet: Gemeinsamer Religionsunterricht in Sachsen. Das ist ein interessanter Prozess, der Zeit braucht.

An unseren Schulen gibt es Im Wahlpflichtbereich katholischen, evangelischen und jüdischen Religionsunterricht sowie Ethik. Viele Eltern ohne Konfession melden ihr Kind in der Regel im Fach Ethik an, das eigentlich ein Ersatzfach ist. Die Namen der Fächer suggerieren: In Ethik wird Ethik vermittelt, in Religion beschäftigt man sich mit Religion. Doch das stimmt so nicht. In Religion wird viel ethische Bildung vermittelt und Urteilsvermögen geschult. Das Verhältnis zum Ersatzfach Ethik wird daher oft falsch, bzw. verkürzt, wahrgenommen.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Menschen hier selbstverständlich areligiös sind. In anderen Regionen Deutschlands ist es normal, katholisch oder evangelisch zu sein. Im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen wird mir oft deutlich, dass die Situation hier wirklich eine andere ist. In gewisser Weise sind das Prozesse, die durch den Rückgang der Volkskirche überall stattfinden, aber bei uns ist die Schärfe eine andere – so würde ich es formulieren.

Zugespitzt geht es darum, welche Rolle eigentlich dieses Fach Religion spielt und was die Gesellschaft von religiöser Bildung hat. Wir tun der Gesellschaft etwas Gutes, davon bin ich zutiefst überzeugt. Doch letztendlich sind die Hürden für Menschen, die nicht religiös sozialisiert sind, sehr hoch. Ich glaube, wir haben viele Themen, die für die Menschen interessant und für die Lebensbewältigung hilfreich sind. Doch sobald das Label „Religion“ darauf steht, gehen sie auf Abstand.

(Interview: Claudia Klein/Franziska Mellentin)

 

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(ck)

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