Spiele in der Bildung

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Nachrichten - 31.10.2019

Macht spielen intelligent? Und welche Chancen bieten Spiele für die Bildung? Um diese und weitere Fragen ging es am 25. Oktober beim Educators´ Day auf der SPIEL in Essen. Erstmalig legte die internationale Spielemesse in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf das Thema Bildung und hatte dazu Wissenschaftler, Pädagogen und Spieleprofis eingeladen, einen Blick auf das Potenzial von Spielen für die Bildung zu werfen.

Die Spielebranche boomt. Brett- und Kartenspiele sind beliebt wie nie, besonders junge Erwachsene haben dieses Hobby für sich entdeckt. Insgesamt 209.000 Spielefans aus aller Welt trafen sich in diesem Jahr vom 24. bis 27. Oktober auf der internationalen Messe SPIEL in Essen um die Neuheiten auf dem Markt auszuprobieren – knapp 20.000 Besucher mehr als im Vorjahr. Dass spielen aber mehr ist als Unterhaltung, zeigte der erstmals im Rahmen der SPIEL veranstaltete Educators´ Day. Pädagogen, Lehrende und interessierte Personen konnten sich einen Tag lang über das Potenzial von Brettspielen in Schule und Erwachsenenbildung informieren.

Spiele in der Bildung haben Geschichte

Seit der deutschen Romantik gilt spielen als Ausdruck der Kreativität. Im Späten 18. Jahrhundert erhielten Spiele verstärkt Einzug in die Bildungssysteme verschiedener Länder. Mit Brett- und Kartenspielen sollten Themen aus den Bereichen Botanik, Mode, Geschichte und Geografie vermittelt werden. Ein großer Vorteil beim Einsatz von Spielen sei die gesteigerte Motivation der Schülerinnen und Schüler, betonte Vincent Berry von der Universität Paris 13 in seinem Vortrag im Rahmen des Educators´ Day. Der Einsatz von Spielen in der Schule könne aber nur effektiv sein, wenn diese von weiteren pädagogischen Techniken begleitet werden, ergänzte der Soziologe. Es bedürfe also stets einer fundierten Einführung und Unterstützung durch den Lehrer.

Brett- und Videospiele funktionieren unterschiedlich

Und noch etwas müssten Pädagogen bedenken: „Wenn man Brettspiele in der Schule benutzen möchte, muss man sich bewusst machen, dass Kinder aus unterschiedlichen Hintergründen kommen“, erklärte Berry. Denn nicht alle Kinder spielen zu Hause mit ihren Familien. Auch spielen will gelernt sein. Zudem gibt es nach Angaben des französischen Wissenschaftlers wesentliche Unterschiede in der Funktionsweise von Brettspielen und Videospielen am Computer. „Um Brettspiele zu spielen, muss man vorab die Regeln lernen und kann erst dann starten. Bei Videospielen fängt man direkt an und lernt die Regeln nebenbei.“

Macht spielen intelligent?

Spielen ist also bereits ein Lernprozess an sich, so oder so. Doch wirkt sich Spielen auch auf die Intelligenz aus? Diese Frage diskutiere Francesco Mattioli von der Universität Perugia. Sein Fazit: „Spieler sind in der Lage Probleme zu lösen.“ Zudem fördere spielen die Kreativität. Und dies seien wichtige Kompetenzen, die für eine positive Gestaltung der Zukunft benötigt würden, so der italienische Spielexperte.

Wettbewerb: Mehr Spiele in Grundschulen

Auch Annette Zander warb für das Potenzial der Spiele. Mit ihrer Arbeit für den Verein „Mehr Zeit für Kinder“ setzt sie sich dafür ein, Spiele verstärkt in die Klassenräume zu bringen. Jedes Jahr können sich Grundschulen bei der Einrichtung für eines von 200 sogenannten „Spielzimmern“ bewerben. Zander ist sich sicher: „Spielen macht schlau“. Allerdings seien die freien Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in den vergangenen zehn Jahren deutlich zurückgegangen. Immer im Frühjahr können sich interessierte Grundschulen bei der Initiative „Spielen macht Schule“ für eines der Spielepakete bewerben. Dafür müssen sie ein pädagogisches Konzept sowie eine Liste mit gewünschten Spielen einreichen. Fachjurys entscheiden dann über die Gewinner, die mit den Spielezimmern ausgestattet werden.

Spieler brauchen Fähigkeiten

„Einige Kinder kommen durch unser Angebot überhaupt erstmalig mit klassischen Brett- und Kartenspielen in Berührung“, berichtet Zander von ihren Erfahrungen. Wichtige Kompetenzen für gelingendes Spiel, wie stillsitzen oder die motorische Fähigkeit, ein Kartenset zu halten, müssten einige Kinder daher erst lernen.

Das Fazit des Educators´ Day: Spielen macht Spaß! Und der gehört auch in die Bildung. Denn so können Kinder und Jugendliche in den verschiedensten Themenbereichen leichter und nachhaltiger lernen. Und sie entwickeln dabei auch noch Fähigkeiten, wie Kreativität und Problemlösungskompetenz, die in Zukunft immer mehr gefragt sein werden. Sollten Spiele also zukünftig verstärkt in die Lehrpläne integriert werden? Darüber sind Teilnehmer, Wissenschaftler und Bildungsprofis geteilter Meinung. Schließlich resultiere ein großer Teil der Motivation durch Spiele aus dem Spaß am freien Lernen. Dieser, so die Befürchtung, gehe durch eine feste Verankerung bestimmter Spiele im Fachcurriculum verloren.

Von Maike Müller

 

 

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