Bibel – Kunst – Lyrik

Buchvorstellung - 05.12.2014


Trygve Skogrand/ Andreas Knapp
Und er sucht sich Platz unter uns
Weihnachten ohne Baum und Krippe


Würzburg: Echter Verlag 2014
72 Seiten, 19.90 €
ISBN 978-3-429-03770-3


Ein außergewöhnliches Weihnachtsbuch haben der norwegische Künstler Trygve Skogrand und der Priester und Dichter Andreas Knapp geschaffen. Zunächst reduzieren sie den Aufbau jeder Buchseiten immer wiederkehrend auf das Nötigste: einen Evangelienabschnitt aus dem Lukas- bzw. Matthäusevangelium, ein kurzes Gedicht und ein ganzseitiges Bild. Ungewöhnlich scheint dies nicht zu sein und doch verweilt das Auge unmittelbar bei den Weihnachtsdarstellungen von Trygve Skogrand.

Alles spielt im öffentlichen Raum: fotografische Szenen aus dem Alltag (u.a. aus Einkaufszentren, S-Bahn-Unterführungen, Straßenbrücken, Flughäfen) werden in ein Bild mit Ausschnitten klassischer Weihnachtsgemälde (u.a. von Rembrandt, Raffael, Fra Angelico) oder der Kunst der Nazarener gesetzt. Die Verfremdung führt dazu, sowohl neu auf die Straßensituationen, wie auch auf die Kunst zu schauen. Auf einmal sind die Werke der alten Meister nicht mehr vertraut, die vermeintliche Idylle des Stalles wird hinterfragt. Die Rolle der Engel für das Leben der Menschen erhält eine neue und vielleicht ursprüngliche Bedeutung. Bei den fotografischen Szenen der Jetztzeit fällt auf, dass die abgebildeten Personen als heimatlos oder gehetzt dargestellt werden, sie sind der Kälte und Härte der Welt schutzlos ausgesetzt. Von dem biblischen Geschehen nehmen sie nicht Notiz.

Andreas Knapp nimmt das Unverbundene dieser Bilder als Impuls für seine spirituelle Poesie auf. Er schafft eine Verbindung zwischen der verbildlichten Botschaft des Evangeliums und dem der Hetze innewohnenden Suchen der Menschen nach echter Erfüllung. Himmel und Erde werden in knappen Worten in Beziehung gesetzt, sie berühren einander. Damit öffnet sich Raum zur Gotteserfahrung: Gott wurde Mensch im Kind Jesus, damals vor mehr als 2000 Jahren. Er wird immer neu geboren im unwirtlichen Leben der Menschen unserer Tage. Seine Nähe ist Halt und Heimat in den Dunkelheiten der Welt. Weihnachten – ohne Baum und Krippe.

 

Barbara Wieland