Vorstellungen von Gott

Buchvorstellung - 01.01.2014

 

Manfred Karsch, Sylvia Kunter,
Gottesvorstellungen im Laufe des Lebens
Unterrichtsbausteine zum Inhaltsfeld Entwicklung einer religiösen Identität 5.-6. Klasse

Persen Verlag, Buxtehude 2012

 

Das DIN A4 Heft aus der Reihe „Bergedorfer Unterrichtsideen. Kompetenzorientierter Religionsunterricht am Gymnasium“ umfasst knapp 100 Seiten, die mit der Erläuterung des Unterrichtsvorhabens auf ca. 30 Seiten beginnen und einen kopierfreundlichen Materialanhang ergänzen. Dem Heft ist eine CD-ROM beigelegt, die die im Heft abgedruckten Materialien und Arbeitsblätter im pdf-Format noch einmal dokumentiert und weitere Materialien wie Tafelbilder, Schülerprodukte und Fotos zum verwendeten Material als PowerPoint-Folien anfügt.

Unter der Zielsetzung „die Frage nach Gott in den Mittelpunkt des Religionsunterrichts in der Orientierungsstufe des Gymnasiums zu stellen und die Lernenden darüber miteinander ins Gespräch zu bringen“ präsentiert das Autorenteam sieben Unterrichtsbausteine, die diese Reflexion zur Gottesfrage an der König David Geschichte unterrichtspraktisch entfaltet. Die Lernsettings in den Bausteinen sind von einem hohen Aktivierungsgrad der Lernenden geprägt, geben viel Verantwortung an die SuS und einen von ihnen selbständig zu realisierenden Lernprozess ab und verarbeiten viel Material in kommunikativen Erarbeitungsstrukturen. Die König David Geschichte als narrativ angelegter biografischer Zugang bildet den roten Faden als inhaltliche Konkretisierung der Förderung der Reflexionskompetenz zur Gottesfrage. An entscheidenden Stellen der Unterrichtseinheit werden die SuS zu Stellungnahmen und Einschätzungen angeregt und angeleitet. Die Aufgaben sind abwechslungsreich und sprechen auch unterschiedliche codale/modale Zugänge an.
Was die Perspektive der Kompetenzorientierung betrifft, so zentrieren die Autoren ihre vorgelegten Planungsüberlegungen an drei Facetten dieses neuen (?) analytischen Blicks auf Unterrichtsprozesse und Planungsüberlegungen: Diagnoseaufgaben, Lernaufgaben und Evaluationsaufgaben. Sie ordnen ihre 7 Unterrichtsbausteine chronologisch diesen Aufgabenformaten, bzw. Aufgabenintentionen – letztlich statisch – zu und beleuchten in den didaktischen Kommentierungen zu den Unterrichtsbausteinen genau diese Funktionsaspekte der eingesetzten Materialien und Aufgabenstellungen.
Gut gefallen mir die optionalen Aufgabenstrukturen, anhand derer die Lernenden eine begründete Erarbeitungswahl treffen dürfen/müssen. Gelungen sind m.E. auch die jedem Baustein obligatorische Reflexionsphase mit unterschiedlichen Erhebungssettings. Sie sind alle vom Gedanken eines kooperativen Lernens getragen, das über peer-review produktadäquates Feedback einfordert, das gerade nicht summativ orientiert ist und eben deshalb den Gesamtlernprozess sehr unterstützt.
Ob Baustein 8 in allen Lerngruppen Antworten eines Religionsstunden-Ichs verhindert, mag jede Lehrkraft lerngruppenspezifisch entscheiden und erfahren.
Die Lektüre der Anleitungen zum Unterricht (S. 9-30) ist sicherlich für Anfänger und Anfängerinnen hilfreich, werden dort doch akribisch genaue Fragestellungen und Handlungsanweisungen gegeben, die eine genaue Vorbereitung und Sicherheit suggerieren. Allerdings besteht die Gefahr einer 1:1 Umsetzung, in der der Aspekt Schülerorientierung zu kurz kommt. Ich denke nicht, dass das Autorenteam dies beabsichtigt, denn in den Anweisungen werden auch für die Durchführung Alternativen geboten – zumindest leicht fasslich im Materialangebot. Eine dezidiertere perspektivische und exemplarische Diskussion des Verlaufs und der kriterienorientierten Entscheidung für die jeweilige Wahl der Erarbeitungsschritte könnte noch mehr Klarheit schaffen.

Frank Wenzel

 

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