Gott am Anfang der Welt (?)

Buchvorstellung - 24.02.2009

Daniel Tobias Wabbel (Hg.)
Im Anfang war (k)ein Gott
Naturwissenschaftliche und theologische Perspektiven

Düsseldorf: Patmos Verlag. 2004
290 S., € 24.90
ISBN 3-491-72477-5

Der 1973 geborene und in Gelsenkirchen lebende Schriftsteller Tobias D. Wabbel, der 2002 einen Band „SETI – die Suche nach den Außerirdischen“ herausgab und nach eigenen Angaben gegenwärtig an einem Wissenschafts-Thriller arbeitet, ist Herausgeber des vorliegenden Bandes. Der Band enthält nach einem kurzen Vorwort des Herausgebers 23 Beiträge, von denen 11 Originalbeiträge sind; die übrigen 12 sind Wieder-Abdrucke, der Fundort in den Werken der Autoren wird aber nirgendwo angegeben, ein nicht akzeptabler Mangel.

Unter den Beiträgern haben die 18 Naturwissenschaftler (etliche Physiker, Astronomen, Biologen, ein Bewusstseinsforscher, ein Raumfahrttechniker, ein Wissenschaftsredakteur) deutlich das Übergewicht. Von ihnen gehen jedoch überhaupt nur 8 auf das Thema „Im Anfang war (k)ein Gott“ ein: Die Annahme eines – recht unterschiedlich gedachten – Schöpfer-Gottes bejahen der Direktor des Vatikanischen Observatoriums George V. Coyne SJ („Ursprünge und Schöpfung“), der Physiker Frank J. Tipler („Ein Designer-Universum!“), der Physiker und Fernsehautor David Peat, der die Metaphern von Gott als digitale Informationen erzeugendem Supercomputer und Gott als Künstler mit Intention, Liebe und Mitgefühl für das Entstehende kontrastiert („Schöpfer und Schöpfung“), und der Raumfahrttechniker Ulrich Walter („...weil euer Gott im Himmel ist!“). Die Möglichkeit Gottes halten offen der Bewusstseinsforscher Donald D. Hoffmann („Kann man Gott abschreiben?“) sowie der Wissenschaftsredakteur Ulf von Rauchhaupt („Die Gottesformel“). Ablehnend äußern sich die naturalistisch argumentierenden Biologen Richard Dawkins („Die Unwahrscheinlichkeit Gottes“) und Franz Wuketits („Evolution: Schöpfung ohne Schöpfer“). Die übrigen 10 naturwissenschaftlichen Beiträge tragen zum Thema des Bandes kaum etwas bei, sind eher Füllmaterial. So schreibt z.B. Bill Napier über Riesenkometen, Rupert Sheldrake über seine Theorie der morphogenetischen Felder, Ian Tattersall über die Evolutionsgeschichte des homo sapiens usw. usw. Banal und kurzschlüssig ist der Text des Romanciers Douglas Preston („Steine werfen wir, keine Quarks“), der die Existenz Gottes und seine völlige Unerkennbarkeit annimmt und dann meint: „Vielleicht konstruieren wir eines Tages einen Computer, der Gott versteht“. Zur Sache kommen der differenzierende Beitrag des englischen Philosophen Roger Tigg („Gottes Platz in der Wissenschaft“), der Kreatianisten ebenso wie Naturalisten und Wissenschaftsimperialisten kritisiert und auf den größeren Reichtum der mehrdimensionalen Realität verweist, sowie die drei theologischen Beiträge von Gerd Theißen („Evolution“) mit einigen Aspekten zu Schöpfungsglaube und Evolutionslehre, von Hans Küng („Existiert Gott?“) und vom amerikanischen Theologen und Direktor des Georgetown Center for the Study of Science and Religion John F.Haught („Ist das Universum wirklich alles?“), der eine treffende Kritik des Naturalismus liefert und für eine geschichtete Erklärung plädiert.

Leider fehlen ansonsten wirklich gründliche Beiträge zur Sache, die es in gut lesbarer Form von Philosophen (wie Georg Scherer, Bela Weissmahr oder Hans Dieter Mutschler) und von Theologen (wie Karl Rahner, Karl Schmitz-Moormann, Ulrich Lüke, Ian Barbour, John Polkinghorne, Keith Ward oder Philip Clayton) durchaus gibt. Der größte Mangel des äußerlich attraktiv aufgemachten Bandes liegt darin, dass nirgends die Struktur, der Sinn und die weitreichende Bedeutung des theologischen Schöpfungsbegriffs herausgearbeitet werden.

Hans Kessler

Quelle: Informationen für Religionslehrerinnen und Religionslehrer Bistum Limburg 33 (2004), Heft 3, S. 187f.

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