Ein faszinierendes Bilderbuch zum Thema Tod und Leben

Buchvorstellung - 07.06.2009

Wolf Erlbruch
Ente, Tod und Tulpe

München: Verlag Antje Kunstmann GmbH 2007
32 Seiten € 14,90
ISBN 3-88897-461-8

Die Ente reckt ihren Hals und schaut nach hinten. Wer schleicht da hinter ihr her? Ein hagerer Körper im karierten Hemd und Filzschuhen wird überragt von einem riesigen Totenschädel mit großen dunklen Augehöhlen, in der Hand eine fast schwarze Tulpe: Es ist der Tod, der sich als ihr Begleiter vorstellt. „Ich bin schon in deiner Nähe, solange du lebst. Nur für den Fall der Fälle.“ Das beruhigt die Ente. Gemeinsam verbringen sie die nächste Zeit und gewöhnen sich aneinander. Zwar macht dem Tod das Gründeln im Teich wenig Spaß, aber die Ente wärmt ihn ganz fürsorglich mit ihrem Körper. Als der Winter kommt, beginnt die Ente zum ersten Mal in ihrem Leben zu frieren. Jetzt ist es der Tod, der sie wärmt, bis sie aufhört zu atmen, und er sie dann auf dem Wasser davon schwimmen lässt. Begleitet von seiner Tulpe. „Als er sie aus den Augen verlor, war der Tod fast ein wenig betrübt, aber so war das Leben.“ Leben und Tod gehören untrennbar zusammen.

Für Erlbruch ist der Tod keine Bedrohung, die Angst und Schrecken verbreitet, sondern eine einfühlsame, freundliche Gestalt, die im Hintergrund immer dabei ist. Die Illustrationen, die mit zarten Linien und angedeuteten Collagen arbeiten, vermitteln in ihren hellen Naturtönen eine warme, positive Grundstimmung. Dennoch beschönigt Erlbruch nichts, es gibt keine Vertröstungen, keine Bagatellisierung. In knappen, direkten Worten umspielt der Dialog zwischen Ente und Tod die existenzielle Frage nach der Unausweichlichkeit des Todes und gibt eine Antwort, die in ihrer Wahrhaftigkeit irritieren kann, aber in die Tiefe geht. Ein faszinierendes Bilderbuch für Kinder und Erwachsene, die sich unvoreingenommen der Thematik Leben und Tod stellen wollen.

Dieses Buch wird von der Jury des „Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises 2008“ besonders empfohlen.


Quelle: Deutsche Bischofskonferenz, Arbeitshilfe 225 (2008), S. 11.

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