Positionsbestimmung in ethischen Problemfeldern

Buchvorstellung - 06.06.2009

Heinrich Schmidinger/ Gregor Maria Hoff (Hg.)
Ethik im Brennpunkt
Salzburger Hochschulwochen 2005

Innsbruck: Verlagsanstalt Tyrolia 2005
207 Seiten
ISBN: 3-7022-2710-5

Der Sammelband enthält die Vorlesungen und den Festvortrag der Salzburger Hochschulwochen, die im August 2005 an der Universität Salzburg abgehalten wurden. Alle Beiträge bemühen sich um Positionierungen in ethischen Problemfeldern der Gegenwart.

Zum Auftakt setzt sich der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, kritisch mit dem Versuch auseinander, durch die Errungenschaften der Gentechnologie den alten Menschen als imperfekten Menschen hinter sich zu lassen und einem Perfektionswahn zur Optimierung des Menschen zu verfallen. Der Verfallenheit an das technisch Machbare stellt er Jesu bedingungslose Zusage an den Menschen in seinen Mängeln und Unvollkommenheiten entgegen (9-24).
Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff entfaltet in seiner ersten Vorlesung das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe als inhaltliche Konzentration und sachliche Mitte des christlichen Ethos. Dabei expliziert er das Liebesgebot auch als Lehre darüber, was Glück ist und wie man Glück erlangt: nämlich in der liebenden Hingabe an andere, in der bedingungslosen Annahme des anderen, der in seinem Eigenwert und nicht um irgendwelcher eigenen Vorteile willen bejaht wird (25-37). In seiner zweiten Vorlesung konzentriert sich Schockenhoff weiterhin unter dem Leitthema Grundgebot Liebe: Wege moralischen Argumentierens auf die Beziehung zwischen dem Gewissen, sittlicher Wahrheit und Argumentationsformen normativer Ethik und stellt in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Maß-Nehmens am Lebensmodell Jesu heraus (38-56).
Besonders anregend ist der sehr anschauliche Beitrag des Münsteraner Neutestamentlers Martin Ebner zur neutestamentlichen Ethik im Spannungsfeld zwischen weisheitlichen Alltagsratschlägen und sozialethischen Visionen (57-95). Am Beispiel des Gebotes der Feindesliebe führt er das christliche Ethos „in the making“ im Neuen Testament vor, indem er zunächst die Handlungsanweisungen der Feindesliebe in ihrem situativen Kontext zu verstehen sucht und von diesem Ausgangspunkt nach den Prinzipien sucht, von denen her sie formuliert und gesteuert sein könnten. Diese Prinzipien werden bei den verschiedenen neutestamentlichen Theologen an unterschiedliche Ethos-Systeme angebunden und mit unterschiedlichen theologischen Interessen interpretiert. Dennoch kommt Ebner zu der interessanten Synthese, dass alle behandelten Ansätze darin übereinkommen, dass eine christliche Gemeinde gerade dadurch etwas Besonderes ist, dass sie von ihrem Gruppenethos nicht zulässt, dass einzelne oder bestimmte Gruppen anderen gegenüber etwas Besonderes sein wollen (89).
In den beiden darauffolgenden Beiträgen geht es jeweils um die ethische Auseinandersetzung mit Geschäften mit dem Leben bzw. mit Geschäften für das Leben, die durch die neuen Errungenschaften der Biowissenschaften möglich werden – zunächst aus theologisches Sicht (Ulrich H.J. Körtner), dann im Blick auf die forschende Pharmaindustrie aus der Sicht des klinischen Leiters eines Pharmakonzerns (Heinrich Klech). Danach folgen zwei philosophisch perspektivierte Beiträge: Die Freiburger Philosophin Regine Kather nennt in Auseinandersetzung mit Hans Jonas Koordinaten zur Begründung einer modernen Ethik, die der Dynamik der modernen Technik Rechnung trägt (142-180). Der Prager Philosoph Jan Sokol sucht nach Ansatzpunkten für eine Ethik für alle Menschen (181-200). Abgerundet wird der Band durch die Predigt von Bischof Helmut Krätzel in der Gedenkmesse zum 100. Geburtstag von Kardinal König (201-205).
Der Band enthält nicht viel Neues, bietet aber einen gut zu lesenden Einstieg zu den jeweiligen Problemfeldern.

Klaus von Stosch

Quelle: Informationen für Religionslehrerinnen und Religionslehrer Bistum Limburg 35 (2006), Heft 4, S. 206.
 

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