Gottesbild aus Sicht von Sant' Egidio

Buchvorstellung - 04.05.2009

Andrea Riccardi
Gott hat keine Angst
Die Kraft des Evangeliums in einer Welt des Wandels

Würzburg: Echter Verlag 2003
234 Seiten
ISBN 3-429-02581-9

Andrea Riccardi ist einer der Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio. Die Wurzeln der Gemeinschaft Sant’Egidio gehen auf das Zweite Vatikanische Konzil zurück. Andrea Riccardi war 18 Jahre alt, als er die ursprüngliche Schüler- und Studentenbewegung in Trastevere (Rom) initiierte. Inzwischen hat sich die Bewegung zu einer „geistlichen Gemeinschaft“ mit über 50.000 Mitgliedern in 70 Ländern entwickelt. Andrea Riccardi selbst arbeitet als Universitätsprofessor für Zeitgeschichte an der Universität III in Rom.

Andrea Riccardi
Gott hat keine Angst
Die Kraft des Evangeliums in einer Welt des Wandels

Würzburg: Echter Verlag 2003
234 Seiten
ISBN 3-429-02581-9

Andrea Riccardi ist einer der Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio. Die Wurzeln der Gemeinschaft Sant’Egidio gehen auf das Zweite Vatikanische Konzil zurück. Andrea Riccardi war 18 Jahre alt, als er die ursprüngliche Schüler- und Studentenbewegung in Trastevere (Rom) initiierte. Inzwischen hat sich die Bewegung zu einer „geistlichen Gemeinschaft“ mit über 50.000 Mitgliedern in 70 Ländern entwickelt. Andrea Riccardi selbst arbeitet als Universitätsprofessor für Zeitgeschichte an der Universität III in Rom.

Die „Versuchung der Angst“ ist für Riccardi das grundlegende Problem der gegenwärtigen, christlichen Welt (134). Sie besteht vor allem darin, dass wir die kirchengeschichtlichen Erfahrungen des letzten Jahrhunderts einseitig betrachten und gleichzeitig vor den gegenwärtigen Entwicklungen der säkularisierten Welt (die er unter dem Begriff „McWorld“ eingehend beschreibt) resignieren.

Riccardi macht darauf aufmerksam, dass das Erbe des zwanzigsten Jahrhunderts „nicht nur aus dem Ende des Christentums, der Krise der Pfarreikultur und der christlichen Welt“ besteht. Es ist nicht das „Erbe einer alten dekadenten Adelsfamilie, die Paläste als Museum hinterlässt“. Das zwanzigste Jahrhundert stellt einen weitgehenden fundamentalen Wandel in der Geschichte des Christentums dar; denn aus einer vermeintlich christlichen Gesellschaft, in der Kirche und Kultur weitgehend übereinstimmten, entwickelt sich eine „große, schöne, widersprüchliche Welt“, die es vom einzelnen erfordert, sich für den Glauben zu entscheiden. Die Frucht des zwanzigsten Jahrhunderts sind daher vor allem die „neuen Märtyrer“, die Riccardi nicht nur in der katholischen Kirche verortet. An den unterschiedlichsten Beispielen wie dem evangelischen Pastor Schneider im KZ Buchenwald, dem katholischen Bischof Romero in Kolumbien, von afrikanischen Nonnen im aktuellen Kampf gegen den Ebola-Virus oder der Verfolgung des orthodoxen Arbeiterpriesters Pavel Florenskij unter den Kommunisten zeigt Riccardi, worin das entscheidende Erbe des 20. Jahrhunderts für die Christen von heute liegt. Ihr Kennzeichen ist es, dass sie nicht den starken Geistesströmungen ihrer Zeit blind vertrauten, sondern sich ihrer Schwachheit bewusst waren. So unterschiedlich ihre geographischen oder historischen Lagen auch waren, so sind ihnen allen das Gebet, die Treue zum Evangelium und die Überwindung der Selbstliebe gemeinsam. „Erkennen heißt lieben.“ (100) Die Kommunion in der Eucharistie und die Kommunion der Welt bildeten für sie eine grundlegende Einheit, aus denen sie ihre Kraft speisten. Mit Yves Congar bringt er es auf den Punkt: „Gemeinschaft, Eucharistie und Diakonie für die Armen und Demütigen. Die Erfahrung zeigt, dass sie entweder zusammen leben oder vergehen.“ (93) Und sein Fazit für die Gegenwart und Zukunft des Glaubens lautet: „Die Lehre des zwanzigsten Jahrhunderts sagt, dass man als Christ an den Brennpunkten eines pluralistischen, laizistischen und säkularen Jahrhunderts leben kann. Darin zeigt sich die Wiederentdeckung der Kraft der Gläubigen: einer besonderen Kraft, die sich auf den Glauben und auf das Gebet gründet. Diese Kraft möchte den Menschen im Innersten berühren, zu seinem Herzen und seiner Intelligenz sprechen.“ (141)

Dieses Buch macht Mut, weil es nicht auf abgehobener Theorie, sondern auf reflektierten Erfahrungen beruht. Es ignorierte nicht die aktuelle Depression der Kirche, sondern arbeitet sie auf und eröffnet dabei zentrale theologische Themen. Ihre Auswahl ergibt sich nicht zuletzt aus den Erlebnissen der Gemeinschaft Sant’Egidio, die der Autor im geistesgeschichtlichen Kontext beleuchtet. So erhält der Leser eine Hermeneutik des Evangeliums für unsere Zeit.

Casper Söling

Quelle: Informationen für Religionslehrerinnen und Religionslehrer Bistum Limburg 35 (2006), Heft 1, S. 44.
 

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