Lehrbuch Sozialethik

Buchvorstellung - 22.04.2009

Marianne Heimbach-Steins (Hg.)
Christliche Sozialethik
Ein Lehrbuch, Band 2.: Konkretionen

Regensburg: Verlag F. Pustet 2005
320 Seiten
ISBN 3-7917-1924-6

Während der erste Band des von Marianne Heimbach-Steins herausgegebenen Lehrbuchs der Christlichen Sozialethik die Grundlagen des Fachs darstellt, widmet sich der nunmehr vorliegende zweite Band verschiedenen Feldern der angewandten Sozialethik.

Neben den „klassischen“ Disziplinen der Politischen Ethik und der Wirtschaftsethik wenden sich die Einzelbeiträge der Friedens-, Medien- und Entwicklungsethik zu. Andere Kapitel fragen nach der Gerechtigkeit im Bildungs- und Gesundheitswesen. Die Umweltethik wird unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit bzw. „intergenerationellen Gerechtigkeit“ behandelt. Die Familienethik wird in ein Kapitel gefasst, das die Perspektive erweitert und sich der Frage „personaler Entfaltung und sozialer Bindung in verschiedenen Lebensformen und Lebensphasen“ widmet. Den Abschluss des Bandes bildet eine Erörterung der Frage von „Subsidiarität und Partizipation in der Kirche“ aus der Feder der Herausgeberin.


Die Vielzahl der behandelten Themen hat natürlich die Konsequenz, dass die einzelnen Kapitel jeweils lediglich etwa 30 Seiten umfassen. Dies ist wohl dem Umstand geschuldet, dass die ursprüngliche Intention des Lehrbuchs ist, angesichts der Tatsache, dass im bayerischen Staatsexamen die Klausuren zentral gestellt werden, den Studierenden ein Werk an die Hand zu geben, das gleichermaßen die Vielfalt der von den bayerischen Fachvertretern der Christlichen Sozialethik vertretenen Ansätze und erörterten Fragestellungen widerspiegelt sowie dennoch eine einheitliche Grundlage bietet, von der aus die Prüfungsvorbereitung möglich ist. Diese „Einheit in der Vielfalt“ wird in dem vorliegenden Band dadurch hergestellt, dass alle Kapitel unter eine gemeinsame Leitfrage gestellt werden: „Durch alle Themen zieht sich der Gedanke der Beteiligung/ Partizipation als ein heuristischer Leitfaden, von dem her problemorientiert auf die einzelnen Themen zugegangen werden kann.“ Damit greifen die Autoren ein Verständnis von sozialer Gerechtigkeit auf, das erstmals im amerikanischen Wirtschaftshirtenbrief von 1986 explizit formuliert worden ist und sowohl in kirchlichen Verlautbarungen als auch der sozialethischen Literatur heute weithin als ein besonders geeigneter Ausgangspunkt betrachtet wird, um das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in den verschiedenen Lebensbereichen zum Ausgleich zu bringen.
Lehrerinnen und Lehrern bietet der Band die Möglichkeit, sich mittels der jeweils von ihrem Umfang her überschaubaren Artikel zu der Vorbereitung eigener Unterrichtseinheiten auf den aktuellen Stand der sozialethischen Diskussion zu bringen. Dass die Inhalte der einzelnen Kapitel ihre Fragestellungen dabei nicht bloß lexikalisch aufbereiten, sondern daneben durchaus auch der jeweilige Verfasser mit seinem persönlichen sozialethischen Ansatz erkennbar wird, ist kein Mangel, sondern ein besonderer Vorzug des Buches, der es auch für diejenigen attraktiv macht, die mit den grundlegenden Inhalten der Katholischen Soziallehre bereits gut vertraut sind. Besonders interessant für Lehrerinnen und Lehrer sind sicher auch die Beiträge zur Bildungsgerechtigkeit von Marianne Heimbach-Steins sowie zur Sozialethik exemplarischer Lebensphasen (u. a. Kindheit und Jugend) von Isidor Baumgartner und Albert Wohlfahrt. Handelt es sich hierbei doch nicht nur um Fragestellungen, die in der bisherigen sozialethischen Diskussion eher ein Schattendasein gefristet haben, sondern auch um Themen, die den Sozialverbund Schule direkt betreffen. In einer Zeit, in der auch das Thema Bildung weitgehend unter ökonomisch-funktionalen Gesichtspunkten gesellschaftlich diskutiert wird, steht es einer Christlichen Sozialethik gut zu Gesicht, die Priorität der menschenrechtlichen Dimension von Bildung in Erinnerung zu rufen; zumal in einer Gesellschaft, in der Bildung der entscheidende Zugangsfaktor nicht nur zum Arbeitsmarkt, sondern zu allen Bereichen sozialer Partizipation und Interaktion ist.
Mit zusammen 60 Euro hat dieses zweibändige Lehrbuch der Christlichen Sozialethik sicher einen stolzen Preis, der die Studierenden genauso wenig erfreuen wird wie andere Interessierte. Wo die entsprechenden Mittel für eine solche Einrichtung noch zur Verfügung stehen, ist aber zumindest die Anschaffung durch die Schulbibliothek oder für den Handapparat des Fachbereichs zu empfehlen.

Arnd Küppers

Quelle: Informationen für Religionslehrerinnen und Religionslehrer Bistum Limburg 35 (2006), Heft 1, S. 39.
 

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