Evolution und Menschwerdung

Buchvorstellung - 01.03.2009

Andreas Sentker/ Frank Wigger (Hg.)
Triebkraft Evolution
Vielfalt, Wandel, Menschwerdung
(ZEIT WISSEN Edition)

Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag
308 Seiten
ISBN 978-3-8274-2000-8

Das Buch enthält keine neuen Texte, sondern Aufsätze, die zuvor schon in der ZEIT, der SPEKTRUM der Wissenschaft oder anderen Veröffentlichungen des SPEKTRUM Verlages abgedruckt worden waren. Das Themenspektrum kann mit dem Begriff „Evolutionsbiologie“ gut bezeichnet werden;

es geht um die Entstehung des Lebens, den Versuch, Bakterien aus anorganischen Vorstufen neu zu synthetisieren, sehr spannend ist der Aufsatz von Andreas Sentker über Untersuchungen an niederen Würmern, Organismen, die einfach genug sind, um bestimmte Differenzierungsvorgänge direkt beobachten zu können. (135-140) Die Verwandtschaft zwischen Dinosauriern und Vögeln wird in kontroversen Aufsätzen diskutiert, und knapp die Hälfte der Aufsätze widmet sich Detailfragen der Hominisation.

Das Buch ist eine Fundgrube für Freunde der Biologie, die sich für neue Forschung auf verschiedenen Gebieten interessieren. Durch die zahlreichen Abbildungen und die kleinen Informationsblöcke neben dem Aufsatztext, die wichtige Personen vorstellen und grundlegende Begriffe erklären, ist das Buch sehr lehrreich, und man könnte vor allem die weniger umfangreicheren Aufsätze gut Schülerinnen und Schülern geben, um sich in ein Thema einzuarbeiten. Davon könnte aber der Biologieunterricht mehr profitieren als ein geisteswissenschaftliches Fach. Wo philosophische Fragen ins Spiel kommen, vor allem in den beiden Aufsätzen von Ernst Mayr (29-52) und Richard Dawkins (119-134), ist die Tendenz strikt antiteleologisch, von Charles Darwin gemiedene und sogar kritisierte Begriffe wie Mechanismus und Anpassung (Adaptation) werden sehr unkritisch verwendet und in ihrem Erklärungswert meines Erachtens überschätzt. Dieser Vorwurf trifft nicht die Mehrheit der Aufsätze, in denen über aktuelle Forschung berichtet und naturwissenschaftliche Interpre-tation zur Diskussion gestellt wird.

Karl Vörckel

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