Stephen Tomkins
Paulus und seine Welt
Freiburg: Herder Verlag 2007
192 Seiten
ISBN 978-3-451-29268-2
Dieses Paulusbuch versucht, in zweiundzwanzig kurzen Kapiteln das Leben des Völkerapostels vor dem Hintergrund seiner historischen Umwelt darzustellen und dabei auch seine theologischen Aussagen und Schwerpunkte nahezubringen.
Es ist ansprechend und praktisch gestaltet, denn es hat ein handliches Taschenbuchformat, ist auf Hochglanzpapier gedruckt und zudem modern aufgemacht, da der Text durch viele farbige Fotos, andersfarbige Informationsblöcke zu unterschiedlichen Themen und vereinzelte Zitate am Buchrand aufgelockert wird. Es ist also genau das, wonach der interessierte, zeitlich eingespannte und auch auf Äußeres Wert legende junge, moderne Mensch greifen wird, denn mit diesem Buch braucht er sich, trotz des religiösen Inhaltes, in der Öffentlichkeit nicht zu schämen, und kann dank seiner mit dem „entscheidenden Wissensvorsprung” (Klappentext) brillieren. Der Klappentext verweist ausdrücklich auf die angesprochene Bildervielfalt, welche die „Geschichte anschaulich und lebendig werden” lasse. Aber warum gibt es dann neben den guten Karten und Fotos mit archäologischem Inhalt die vielen Bilder aus der Kunstgeschichte, die keinerlei historischen Aussagen über Paulus und seine Zeit machen? Sodann versichert der Autor, dass „historisches Wissen auf dem Stand der Forschung” dargeboten werde.
Das stimmt immerhin stellenweise, wird aber dadurch zunichte gemacht, dass diese Forschungslage häufig ungenau mit der Neigung dargestellt wird, keineswegs dem Konsens entsprechende Meinungen als solchen anzudeuten (z. B. die Echtheit paulinischer Briefe, 93.132) und Unterschiede zwischen der Apostelgeschichte und den Paulusbriefen, oder andere Auffälligkeiten, auf fast fundamentalistische Weise zu entschärfen (z. B. das Wunder in Philippi, 116). Dazu kommen historisch unpassende Darstellungen, wie die Bezeichnung der Apostel als „Kirchenführer” (27) oder der Hinweis auf die „Kirchen” des Paulus (28), und einige gröbere Fehler: auf S. 7 fehlt ein „die”, auf S. 23 „Paulus” und auf S. 117 ist eine Satzkonstruktion falsch. Dass „für den Stand der geschichtlichen Forschung (...) renommierte Wissenschaftler und Fachautoren” bürgen (Klappentext), mag sein, aber selbst, wenn einmal ein (meist englischsprachiger) Name fällt, erfährt man nie, auf welches Werk Bezug genommen wird. Bei den Hinweisen auf das, was in der Forschung unterschiedlich diskutiert wird, fehlt ebenfalls jeder Literaturhinweis, und auch bei den Zitaten steht nur ein Name, doch nie ein Hinweis auf die Quelle! Immerhin hat der Verlag auf S. 188 eine weiterführende Literaturliste beigefügt, die aber die fehlenden Zusammenhänge nicht wettmachen kann.
Dass das Buch, so der Klappentext weiter, „unentbehrlich für Schule und Studium” sei, ist daher eine glatte Lüge. Das Gegenteil ist der Fall! Der einzige Lernerfolg nach einem Vergleich von Klappentext und Buch ist, dass man Bücher mit Klappentexten, die mit Wissenschaftlichkeit, neuestem Forschungsstand und wissenschaftlichen Berühmtheiten aufwarten, grundsätzlich nicht zu kaufen braucht!
Sebastian Schneider
Quelle: Eulenfisch Literatur 1 (2008), Heft 1, S. 4. [Literaturbeilage von Eulenfisch. Limburger Magazin für Religion und Bildung]