Gerd Neuhaus
Glaube im Gespräch mit der Gegenwart
Anweiler: Plöger Medien GmbH 2005
137 Seiten
ISBN 978-3-89857-195-1
Gerd Neuhaus ist der einzige mir bekannte Theologe, der an einer Hochschule Fundamentaltheologie lehrt und dabei seit über 20 Jahren kontinuierlich Religionsunterricht erteilt. Deshalb nimmt man es ihm ab, wenn er die fundamentaltheologische Herausforderung, die sich dem Religionsunterricht stellt, pointiert beschreibt: „Die ständige Bereitschaft zu einer Glaubensbegründung, die prinzipiell keiner Frage ausweicht, ist niemandem so unmittelbar abverlangt, wie dem Religionslehrer in der Schule.“
Von dieser Bereitschaft zeugen die unter dem programmatischen Titel „Glaube im Gespräch mit der Gegenwart“ gesammelten Beiträge. Es handelt sich um schulische Ansprachen, die aus aktuellen Anlässen entstanden sind und die eine durchaus persönliche Note auszeichnet. Denn der Verfasser knüpft an eigene Erfahrungen und Beobachtungen an, um der Schulgemeinde einen vernunftgemäßen Zugang zu theologisch bedeutsamen Themen wie Freiheit, Besessenheit, Sünde und Menschwerdung Gottes zu erschließen. Immer wieder kommt der Autor auf die menschliche Gewalt zu sprechen. Die Bibel, so seine These, verkündige keine neue Moral, vielmehr mache sie Gewaltverhältnisse offensichtlich. Der Inbegriff der Sünde bestehe darin, die eigene Identität durch die Abwertung des Mitmenschen zu sichern; dieser Neigung sind insbesondere Moralisten leicht erlegen. Von der Sündenfallgeschichte bis zur Passion Christi gibt sich die Bibel keinen Illusionen über eine angebliche menschliche Friedfertigkeit hin. Jesus, der die ubiquitären Machtmechanismen aufdeckte, ist ihnen eben deshalb zum Opfer gefallen – und insofern für unsere Sünden gestorben. Die biblische Anthropologie, mit der Neuhaus uns konfrontiert, ist keine leichte Kost; der selbstkritische Zeitgenosse indes bemerkt, dass sie ihn auch heute noch betrifft. (Thomas Menges)
Quelle: Informationen für Religionslehrerinnen und Religionslehrer Bistum Limburg 36 (2007), Heft 3, S. 131.