Im Mittelalter war es üblich, während der Fastenzeit in den Kirchen die Altarräume mit großen Tüchern zu verhängen. Sie verwehrten der christlichen Gemeinde den Augenschein der Heiligen Messe. Zum Fasten des Leibes trat das Fasten der Augen hinzu. Die ursprünglich weißen oder violetten Tücher wurden später bestickt oder bemalt. So entstanden regelrechte textile Bilderbibeln, von denen einige gigantische Ausmaße erreichten. Nur ganz wenige dieser interessanten Zeugnisse mittelalterlicher Frömmigkeit haben die Jahrhunderte überdauert. Wie durch ein Wunder blieben in Zittau gleich zwei erhalten. Sie sind einzigartig in Deutschland und bedeutend für Europa.
Auf einer Reise durch den Osten Deutschlands kann man sich etwa 100 km östlich von Dresden und etwa 35 km südlich von Görlitz ganzjährig die Zittauer Fastentücher ansehen.
Geschichte
Um 1000 wird erstmals von dem Brauch berichtet, in der Fastenzeit Altäre, Reliquien, Bilder, ja ganze Altarräume mit großen Tüchern zu verdecken. Sie wurden im Chor aufgehängt, um der Gemeinde den Blick auf das Allerheiligste zu verwehren. Diese Textilien nannte man Fastentücher (Velum quadragesimale), aber auch Hungertücher oder Schmachtlappen.
Einst in Europa weit verbreitet, sind Fastentücher u. a. durch den reformatorischen Bildersturm selten geworden. Erhalten geblieben sind einige dieser Zeugnisse mittelalterlicher Frömmigkeit in Kärnten, Tirol, im westfälischen Münsterland und Zittau. Zu den bedeutendsten gehören die bemalten Fastentücher von Gurk (1458) und Haimburg (1504) in Kärnten sowie das Große Zittauer Fastentuch (1472) und das Kleine Zittauer Fastentuch (1573). Ursprünglich schmucklos und einfarbig, wurden die Tücher bald bestickt oder bemalt. Deshalb sind auch die bestickten Fastentücher im Münsterland wie z. B. das von Teltge (1623) interessant. Die volkstümlichen Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament dienten zur Glaubensunterweisung der Gemeindemitglieder, die zu dieser Zeit des Lesens und Schreibens nur selten mächtig waren.
Fastenzeit
Die christliche Fastenzeit dauert 40 Tage. Von Aschermittwoch bis Karsamstag (Ostersonnabend) ist sie für die Gläubigen eine Zeit der Entsagung, Buße und Besinnung zur Einstimmung auf das Osterfest (Auferstehung Christi).
Unterrichtsmaterial
Dias, Plakate, Postkarten, Literatur, die "Zittauer Bible" uvm. bietet der Onlineshop.
Weitere Informationen
http://www.zittau.eu/fastentuecher/index.htm
Alle Informationen beruhen auf der o.g. Website. Wir danken für die Rechte am Bild.
(UN)