Die Ökumenische Jury der 60. Berlinale, berufen von den internationalen Organisationen INTERFILM und SIGNIS, hat bei der 60. Berlinale drei Filme ausgezeichnet. Der Preis für den besten Film im Wettbewerb ging an den türkischen Film Bal (Honig) von Semih Kaplanoğlu.
Der 46jährige Regisseur greift die Problematik, auf dass in Anatolien waldreiche Gebiete abgeholzt werden, um dort Wasserkraftwerke zu errichten. Der Regisseur sucht jedoch keine politische Auseinandersetzung, sondern vermittelt eine spirituelle Botschaft, die die Jury begeistert hat: „Das gelungene Porträt eines künftigen Dichters als Kind, erzählt der Film die Geschichte der sich entwickelnden Sensibilität eines Jungen vom Lande. Yusuf wächst im nordöstlichen Bergland der Türkei auf.
Er ist eng mit dem Wald verbunden mit seiner überwältigenden Schönheit. Yusufs Leben verweist auf die Verbindung des Menschen mit der Natur, von der wir nicht nur materiell, sondern auch spirituell leben, und betont dabei die familiären Beziehungen und das Engagement in der Gemeinschaft. „Bal“ lädt dazu ein, diesen „Wald“ tiefer zu erkunden und auf eine Reise zu gehen. Es spiegelt sich darin die menschliche Seele, die nach Idealen und nach Menschen sucht, mit denen wir gemeinsam leben können.“ Wenige Stunden nach der Auszeichnung durch die Ökumenische Jury erhielt der Film auch den Goldenen Bären der internationalen Jury unter dem Vorsitz des deutschen Regisseurs Werner Herzog.
Worauf es ankommt, damit Leben gelingen kann, thematisieren auf ihre je eigene Weise die Preisträger in den Sektionen Forum und Panorama. Der Panorama-Preisträger der Ökumenischen Jury, der Spielfilm Kawasakiho Růže (Kawasaki’s Rose) des 42jährigen tschechischen Regisseurs Jan Hrebejk arbeitet Erinnerungen aus der Zeit der friedlichen Revolution auf. Die Jury erklärt dazu: „Der Film erzählt eine Episode aus dem Leben eines angesehenen Psychologen, der sich intensiv mit Erinnerung beschäftigt. Er selbst hat vor Jahren einen Freund verraten, der schließlich das Land verlassen musste. Der Film stellt Fragen nach der Wahrhaftigkeit und der Lüge, der Verantwortung und der Vergebung, sowohl in der Gesellschaft als auch in der Familie. Er betont die Bedeutung von kollektiver und persönlicher Erinnerung im Blick auf gesellschaftliche Erneuerung nach den Erfahrungen in einem totalitären System.“
Der Ökumenische Preis im Forum ging an den Dokumentarfilm Aisheen (Still Alive in Gaza) des 44jährigen Schweizer Regisseurs Nicolas Wadimoff. Hier geht es darum, wie sich das Leben in einer Situation des Krieges behauptet. Die Jury: „Der Dokumentarfilm entstand unmittelbar nach Ende der militärischen Offensive Israels in Gaza im Jahr 2009. Ohne explizite Erklärungen vorzugeben, vermittelt der Film Eindrücke vom täglichen Leben in Gaza. Er zeigt nicht allein die Ruinen, sondern auch die Schönheit des Strandes, Theatergruppen von Kindern und den Wiederaufbau eines von Bomben zerstörten Karussels. Hoffnung und Neubeginn sind verbunden mit der Trauer über den Verlust von Angehörigen und des über Generationen bearbeiteten Landes. Das Leben erweist sich so widerstandfähig wie der Löwenzahn, der durch den Asphalt bricht.“
Forums- und Panorama-Preis sind jeweils mit 2500.- € dotiert. Die Preisgelder werden von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und der Evangelischen Kirche in Deutschland EKD) gestiftet.
Die Mitglieder der Jury waren:
Pfr. Werner Schneider-Quindeau, Deutschland (Präsident); Philip Lee, Kanada, Dr. Markus Leniger, Deutschland, Ylva Liljeholm, Schweden, Edgar Rubio, Mexiko, Alberto Ramos Ruiz, Kuba.
(UN)